Verdis Falstaff- Eine Oper voller Bäuche und Begierde

Verdis letztes Bühnenwerk ist nie wirklich populär geworden. Die Inszenierung der Staatsoper Hannover sorgte dennoch für Begeisterung und glänzte nicht nur musikalisch.

Der rote Vorhang hebt sich und man erblickt sofort ein buntes, aufwendiges Bühnenbild voller Graffiti. Das Orchester spielt die ersten Töne und man ist sofort im Bann der Geschichte. Nur eine Luke ist im Boden eingelassen. Dort sitzt Sir John Falstaff. Er genießt das Leben in vollen Zügen,  Alkohol ist sein Lieblingsgetränk und gutes Essen ist bei ihm immer herzlich Willkommen. Die Wampe wächst, während das Portemonnaie leerer wird. Um wieder flüssig zu werden, hat er einen „genialen“ Plan: Er schreibt zwei gleichlautende Briefe an Mrs. Alice Ford und Mrs. Meg Page, um sich am  Vermögen ihrer Ehemänner zu bedienen. Die Frauen sind jedoch befreundet, erkennen den Betrug und entwickeln einen Racheplan, der sich für immer in Falstaffs Gedächtnis einbrennen soll. Bei einem geplanten Rendezvous stecken sie Falstaff in einen engen Waschkorb und er erlebt wortwörtlich sein blaues Wunder. Er landet in der eiskalten Themse.

Man könnte denken er hätte dazugelernt, aber falsch gedacht. Falstaff hält sich weiterhin für charmant und unwiderstehlich und lässt sich auf ein weiteres Treffen ein, (nachdem er zur Aufwärmung Alkohol getrunken hat, versteht sich.)Um Mitternacht soll er sich bei Hermes Eiche im Park von Windsor einfinden, verkleidet mit einem Hirschgeweih auf dem Kopf.

 

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  Fotos: © Thomas M. Jauk

 

 

Hier ist das Bühnenbild  so realistisch umgesetzt, dass man das Gefühl bekommt wirklich einen Sternhimmel zu sehen. Wunderbar dazu hebt sich der strahlend, volle Mond vom Umriss der Eiche ab. Zur Geisterstunde erscheinen der vekleidete Ritter Falstaff und Alice, auf die er sich voller Inbrunst und Leidenschaft stürzen möchte. Doch der Wald wird lebendig. Meg und die Bürger  von Windsor, die sich als Feen und Geister verkleidet haben, überraschen ihn. Er bekommt es mit der Angst zu tun und versteckt sich, wird aber bald gefunden und von den Bürgern verspottet. Als er merkt, welches Spiel mit ihm gespielt wurde, stimmen alle nach und nach in die Schlussfuge mit ein: Tutto nel mondo è burla, l’uom è nato burlone. (Alles ist Spaß auf Erden, der Mensch als Narr geboren.)

 

Die Staatsoper Hannover zeigt ein modern inszeniertes Stück, voller Witz und Leichtigkeit (trotz Falstaffs Fülle). Das Publikum klatschte energisch, rief Bravo und lachte amüsiert mit. Unterm Strich: Eine gelungene Aufführung, die es zu besuchen lohnt.

Wieder zu sehen am 10. Juli um 19:30 Uhr. (Zum letzten Mal).

 

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Kurze Pause auf dem Laves- Balkon

 

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©Viktoria Sochor

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