Ehrgeiziger Sportler und Umweltfreund – Das Interview mit Matthias Grünwald

Ein Interview von Natascha und Sadaf.

Könntest du dich kurz vorstellen?

Gerne, ich bin Matthias Grünwald, ich bin fast 33 Jahre alt, ich habe mittlerweile zwei Kinder, habe die Fächer Mathe und Physik studiert, unterrichte hier deswegen Naturwissenschaften, mache aber auch gerne Informatik, unterrichte hier die WPKs in Jahrgang 9 und 10 in Informatik und ich kümmere mich nebenbei um ISERV, das heißt Hausnetzwerk und auch um die Administration der Tablets.

Was wolltest du als Kind werden?

Das Erste woran ich mich erinnern kann, ist Informatiker, das war so im Jahrgang 8, da habe ich zu Hause viel programmiert und als ich dann die Facharbeit im Jahrgang 12 darüber geschrieben habe, habe ich gemerkt, dass mir das Programmieren zu eintönig ist, aber ich hatte vorher im Jahrgang 11 ein Praktikum gemacht, das war an einer Hauptschule und als ich da dann das erste Mal vor Schülern gestanden habe, wusste ich, das will ich öfter machen, das hat richtig Spaß gemacht, das war früher schon schön anderen Leuten etwas zu erklären, aber wirklich vor einer Klasse zu stehen, ist nochmal eine andere Sache.  

Gab es prägende Momente in deiner Kindheit oder Jugend, aus denen du etwas Wichtiges für das Leben gelernt hast?

Ich habe gemerkt, wenn ich etwas will, dann muss ich mich darum kümmern, um etwas zu erreichen. Das heißt, wenn ich etwas will und irgendwelche Bestimmungen sind nicht klar, dann versuche ich die Bestimmungen so auszulegen, dass ich das erreichen kann, was ich möchte. Das versuche ich auch immer wieder an meine Schüler weiterzugeben. Das Andere, was ich so merke ist, dass immer, wenn man mal zurückschaut, ich habe früher Tischtennis gespielt im Freibad und ich war immer schlecht, ich habe ständig verloren. Ich behaupte mal ich bin momentan der beste Tischtennisspieler hier an der Schule, ich kenne nämlich niemanden, der seit über 20 Jahren spielt oder auch einen Schüler, der relativ viel spielt und gut ist.  Also das waren so zwei Momente, die mein Leben geprägt haben, also was ich möchte, muss ich wirklich selber versuchen zu erreichen und wenn man dranbleibt, hat man am Ende auch was davon. 

Wie kam es dazu, dass du Lehrer geworden bist?

Ich habe im Jahrgang 11 aus Verlegenheit damals sogar dieses Praktikum an einer Hauptschule gemacht, weil ich in einer Firma zum Programmieren nichts gefunden hatte und als ich vor der Klasse gestanden habe, wusste ich, das möchte ich auf jeden Fall weitermachen. Und danach habe ich mein Leben darauf ausgerichtet, dass ich Lehramt studiere und, dass ich möglichst schnell an eine Schule komme.

Du motivierst die Schülerschaft jährlich dazu am Stadtradeln teilzunehmen und somit auch ein Zeichen gegen den Klimawandel und für die Umwelt zu setzen. Woher kommt diese Motivation?

Ich selbst habe kein Auto, ich selbst mag es auch nicht mit der Bahn zu fahren, weil man da nur wartet und sich selbst nicht bewegt. Ich bewege mich, deswegen ausschließlich mit dem Fahrrad fort. Der Aspekt der Umwelt ist etwas, was man nie direkt merkt, aber es ist auf  jeden Fall etwas, was ich immer im Hinterkopf habe. Wenn ich eine Entscheidung treffe Z.B. beim Essen, denke ich immer darüber nach, ob es das auch in einer weniger Klima zerstörenden Art gibt. Ob ich nun ein Stück Fleisch esse oder was anderes, was am besten gar nicht von Tieren ist, dann entscheide ich mich, wenn ich da keine großen Abstriche habe, immer für das Klimaschonende. Es ist irgendwie so, dass ich immer versuche Wege von Treibstoff weg zu kriegen, dass man versucht zu Fuß zu gehen oder mit dem Fahrrad zu fahren. Und das Stadtradeln ist etwas, um die Leute da ran zu führen, dass man Wege auch mit dem Fahrrad überbrücken kann. Das hat ja nicht nur Vorteile für das Klima, sondern auch ist man eventuell wacher, wenn man sich mit dem Fahrrad bewegt hat. Ich behaupte auch, dass man in der Stadt fast immer schneller ist und man kann überall parken, durch diese Vorteile hat man einen angenehmeren Alltag, wenn man das mit dem regnerischen Wetter erträgt. 

Das Stadtradeln ist eine nach Nürnberger Vorbild weiterentwickelte Kampagne  des Klima-Bündnisses, dem größten Netzwerk von Städten, Gemeinden und Landkreisen zum Schutz des Weltklimas, dem rund 1.700 Mitglieder in 26 Ländern Europas angehören. Im Rahmen des Wettbewerbs treten Teams  aus Schulklassen, Vereinen, Unternehmen und BürgerInnen für Radförderung, Klimaschutz und Lebensqualität in die Pedale. An 21 aufeinanderfolgenden Tagen, welche von den Kommunen frei gewählt werden, sollen möglichst viele Kilometer beruflich und privat CO²-frei mit dem Rad zurückgelegt werden. Die zurückgelegten Kilometer werden in den sogenannten Online-Radkalender eingetragen und veröffentlicht, sodass bundesweite Vergleiche zwischen den Kommunen sowie den individuell erstellten Teams möglich sind. Zu gewinnen gibt es für die Ranglistenersten hochwertige Fahrräder sowie zahlreiche nützliche Fahrradutensilien wie z.B. Fahrradlichter, -helme, -schlösser und -reifen. 

https://www.stadtradeln.de/radlerbereich/

Inwieweit hast du deine Lebensweise noch für den Schutz der Umwelt geändert?

Mein Verhalten ist so, ich versuche möglichst wenige Rohstoffe zu verbrauchen, ohne Abstriche in meinem Leben zu haben, das heißt, dass ich zufrieden bin ohne die Umwelt zu belasten. Bezüglich der Ernährung, würde ich sagen, dass ich weder vegan noch vegetarisch bin, aber bei zwei Optionen, entscheide ich mich immer für die Umweltschonende. Ich bin noch nie mit einem Flugzeug geflogen. Die Fortbewegung versuche ich größtenteils zu reduzieren, das heißt, dass ich versuche immer mit dem Fahrrad irgendwo hinzufahren. Urlaube habe ich jetzt wegen der Kinder in letzter Zeit mit dem Auto gemacht, das habe ich mit dem Zug nicht gewagt. Kleidung kaufe ich mir in der Regel neu, wenn meine Frau mir sagt, das geht nicht mehr oder wenn die Kleidung auseinanderfällt. Ich habe auch diverse Hosen schon reparieren lassen, das heißt bei Kleidung bin ich relativ vorsichtig. Bei der Elektrik ist es schon so, dass ich etwas mehr verbrauche als ich müsste, aber in der Regel ist es so, dass ich meine alten Elektronikgeräte weitergebe an meine Frau oder den Kindern zum Spielen. Also Elektronik verbrauche ich relativ viel, da kaufe ich mir alle paar Jahre  einen neuen Computer, mittlerweile habe ich fünf Computer, die auch funktionieren, aber halt unterschiedlich gut. Also ich versuche grundsätzlich, wenn ich etwas Neues habe das Alte weiterzugeben. Aber ich würde behaupten, da könnte ich das noch optimieren.

Das Umweltbundesamt besitzt eine umfangreiche Datenbank, welche die Emissionen von Luftschadstoffen aller in Deutschland betriebenen Personen- und Güterverkehrsarten (Pkw, Busse, Flugzeuge, Schiffe etc.) von 1960 bis 2030 erfasst. Als Emissionen werden Stickstoffoxide, Methan,  Kohlenwasserstoffe, Kohlenstoffdioxid, Schwefeloxide etc. erfasst. Pkws mit 139 g/Pkm (gramm pro Personenkilometer) und Flugzeuge mit 201 g/Pkm an Treibhausgasemissionen werden als die umweltschädlichsten Verkehrsmittel eingestuft.  Züge (36 g/Pkm) und Reisebusse (32 g/Pkm) sind in Anbetracht ihrer Treibhausgasemissionen die umweltfreundlichsten Verkehrsmittel für den Urlaub. Das umweltfreundlichste Verkehrsmittel ist und bleibt jedoch das Fahrrad mit keinerlei Emissionen. https://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr-laerm/emissionsdaten

Das Umweltbundesamt gibt neben ausführlichen Datenbanken und Statistiken zum Verkehr auch Ratschläge zu einem umweltfreundlicheren Konsumverhalten, kategorisiert in Elektronik, Ernährung, Mobilität, Haushalt und  Freizeit. Einer dieser Ratschläge thematisiert z.B. die Wichtigkeit von Biolebensmitteln, welche durch den Verzicht von umweltschädlichen Düngemitteln bei der Herstellung und wegen der artgerechten Tierhaltung beim Anbau dem Umwelt- und Tierschutz dienen. Außerdem wird z.B. im Kampf gegen Plastik zur Nutzung von mehrfach verwendbaren Taschen, Körben und Rücksäcken geraten. Des Weiteren wird auf korrekte Mülltrennung, Recycling von Kleidung, auf den Kauf von energieeffizienten Geräten, Wechsel zum Ökostrom-Anbieter und  vielem mehr hingewiesen. https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag

Viele Schüler gingen in den letzten Wochen während der Schulzeit wegen des Klimawandels und für ihre Zukunft auf die Straßen, was hältst du davon, dass künftig Schüler dafür bestraft werden sollen?

Wir sind gerade in einer Zeit, in der es unruhiger wird, wo mehr Proteste stattfinden, das heißt irgendwann werden diese im Sinne einer höheren Ordnung hier in Deutschland reduziert werden und das geht nur, indem man Sachen verbietet. Das kann natürlich dazu führen, dass weitere Proteste kommen. Grundsätzlich finde ich, dass es auf jeden Fall sinnvoll ist, irgendwas dagegen zu sagen, wenn etwas nicht in Ordnung ist z.B. wenn die Umwelt zerstört wird. Die Frage ist nur, in welcher Form macht man das. Diese große Organisation von Demonstrationen ist eine gute Methode, um Aufmerksamkeit zu erzeugen, das kann aber nicht der letzte Schritt sein, es muss immer noch etwas kommen, was wie wir setzen uns danach mit den Politikern an einen Tisch und diskutieren was wir genau tun können. Da muss dann ein Dialog her, um zu einer Lösung zu gelangen. Also ich finde es eigentlich nicht gut, dass es verboten wird, ich fände es aber in Ordnung, wenn man sagt, es ist nicht mehr nötig, weil man andere Methoden hat, um diesen Konflikt zu lösen, also im Sinne von Gesprächen zwischen Schülern und Politikern, die auch wirklich was bewegen können.

Seit einigen Wochen haben Tausende Jugendliche in mehr als 50 deutschen Städten während der Schulzeit unter dem Motto „#FridaysForFuture“ für eine bessere Klimapolitik demonstriert. Die ursprüngliche Ideengeberin der Proteste ist die schwedische Schülerin Greta Thunberg. Die Aktivistin demonstriert seit Monaten immer freitags in Stockholm gegen den Klimawandel. Am 25. Januar sollen in Hannover laut Polizeiangaben 2300, in Freiburg 3500 und in Berlin rund 10.000 Schüler dem Unterricht den Rücken gekehrt haben und auf die Straßen gegangen sein. Nun sorgen die Demonstration aber für Kritik vor allem in den Bildungsministerien und vom Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes, Hans-Peter Meidinger. Dieser fordert nämlich, dass Schüler künftig mit Nachsitzen zum Aufarbeiten des versäumten Unterrichts bestraft werden sollen. 

http://www.maz-online.de/Brandenburg/Fridays-for-Future-in-Berlin-Tausende-Schueler-demonstrieren-fuer-Klimaschutz-und-Kohleausstieg

Was ist dein schönster Schüler-Lehrer-Moment?

Es gibt mehrere Momente, wo ich mir denke „Jetzt bin ich richtig stolz auf euch!“, wenn ich vor der Klasse stehe. Intensiv gefühlt habe ich das auf der Klassenfahrt im 6. Jahrgang. Am letzten Abend gab es eine Party und als dann um 10 Uhr die Musik ausging waren viele, die vorher unzufrieden waren und sich irgendwie nicht richtig auf die Party einlassen konnten, genervt davon, dass sie zu Ende war. Da habe ich wirklich gemerkt, dass sie jetzt eine Gemeinschaft sind und etwas gemeinsam wollen.

An unserer Schule gelten Einschränkungen, wenn nicht sogar ein Verbot  für die Durchführung von bestimmten Abi-Streichen, wie stehst du dazu?

Also ein Verbot gibt es generell nicht. Nur letztes Jahr war der Abi-Streich nicht so ein Streich, wie ich ihn aus meiner Schulzeit kenne. Da gab es sehr heftige Geschichten, wo beispielsweise die Lehrerzimmertür zugemauert wurde. So ein Abi-Streich würde hier stören. Letztes Jahr war der Abi-Streich eine Show, bei der man zusehen konnte. Diesen Abschluss fand ich ganz schön, da man nochmal alle Schüler außerhalb des Unterrichts gesehen hat. Ich denke man kann als Schüler auch darauf verzichten irgendwelche Lehrersachen kaputt zu machen.

Was macht dir persönlich am meisten Spaß in Mathe? 

Dass man faul sein kann. Und durch die Mathematik kann man Zusammenhänge verstehen und nutzen, um den Alltag zu erleichtern. Außerdem mache ich ganz viele Sachen für Lehrer, wo ich die Mathematik nutze, um Abläufe zu erleichtern. Das finde ich so toll daran.

Gibt es Momente im Alltag, bei denen deine Mathematikkenntnisse besonders von Nutzen sind?

Ich kenne Leute, die Kochrezepte ohne Zahlen schaffen, die machen das ganz nach Gefühl. Wenn ich ein Kochrezept für vier Personen habe und ich möchte es für sechs haben, dann nutze ich die Mathematik. Wenn es um komplizierte Finanzen geht, also ich hab mein Haus renoviert, da ist es mit der Finanzierung schon recht kompliziert, wenn es darum geht größere Investitionen zu machen wie z.B. beim Kauf von Fenstern bei verschiedenen Händlern. Die komplexere Mathematik benötige ich in der Regel im Unterricht, das heißt, um es Anderen zu vermitteln oder für die Auswertung von Unterricht. Das heißt, dass ich in Excel Tabellen komplexere Zusammenhänge nutze, um weniger selber nachdenken zu müssen.  

Kannst du uns drei interessante Fakten über dich verraten?

Ich bin letztes Jahr 11. bei einer Weltmeisterschaft geworden, bei einer Quadrathlon Distanz. Das ist Schwimmen, Laufen, Radfahren und Paddeln. Ich kann ganz viel über Sport erzählen, weil ich außerhalb der Schule sehr viel Sport mache. Zum Beispiel habe ich im letzten Jahr auch einen Startplatz für ein Turnier gewonnen. Darauf bereite ich mich gerade vor und das beschäftigt mich innerlich, wenn ich mal nicht in der Schule oder bei meinen Kindern bin. Als Drittes könnte ich noch mehr über Sport erzählen, aber ich sollte vielleicht mal auf was anderes kommen. Ich höre hauptsächlich deutschen Pop, aber das verändert sich über die Jahre immer mal. Was ich nicht mag, ist so unruhige Musik wie Techno. 

Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest, was würdest du dann tun?

Ich würde behaupten, ich habe bisher schon viele gute Dinge erlebt. Ich bin aber erst in der ersten 30er Hälfte, habe also, wenn alles gut läuft, noch mehr als die Hälfte meines Lebens vor mir. Ich habe schon vieles erlebt, habe aber auch noch viel vor. Schön wäre es, wenn ich mit meiner Familie einen schönen Vormittag verbringen könnte und am Nachmittag dann intensiven Sport machen könnte, um gut einzuschlafen.

Wenn du nicht finanziell davon abhängig wärst, welchen Beruf würdest du dann ausüben?

Ich vermute bei meinem Sportpensum außerhalb der Schule, dass ich hauptsächlich Sport machen würde. Ich plane sogar, wenn meine Frau mit ihrem Studium fertig ist, weniger zu arbeiten, weil sie dann mehr Geld verdienen kann, was momentan noch umgekehrt ist. Dann kann ich mich mehr um meine Familie und den Sport kümmern.

Was möchtest du uns als Schüler auf den Lebensweg mitgeben?

Überlegt euch gut, was ihr mit dem Rest eures Lebens anfangen wollt, bevor ihr einen Beruf oder ein Studium anfangt. Überlegt euch das vorher richtig, durch zum Beispiel Praktika. Wenn einem der Beruf am Ende nicht gefällt, hat man alles umsonst gemacht und muss wieder von vorne anfangen.