Corona-Infektionswege: Wie kommt das Virus in die Schule?

Ein Beitrag von Leni aus der 9. Klasse

Forschungen zum Corona-Virus und dessen Ausbreitung gibt es zahlreiche. Auch bei an der Schule wurde im Herbst die so genannte TRAC 19 – TRansmissions-AnalytikCovid19 Studie durchgeführt.

Die Studie liefert Daten zur Infektionskette und Infektionsverbreitung und soll so evidenzbasierte Informationen zur Etablierung von Entscheidungshilfen zur Bekämpfung liefern.

Die Ärztin Mira Paulsen hat die Testungen durchgeführt und ich konnte sie interviewen.

Liebe Frau Paulsen, stellen Sie sich bitte einmal vor?

Einige von euch kennen mich vielleicht schon von der Blutentnahmestation der TRAC19 Studie. Ich bin Mira Paulsen, habe hier in Hannover studiert und arbeite nun seit letztem Jahr als Ärztin bei der TRAC19 Studie. Ich kümmere mich also um die Organisation an den Schulen, mache die Blutentnahmen und werte anschließend die Daten aus. 

Sie haben bei uns an der IGS Roderbruch TRAC 19 – TRansmissions-AnalytikCovid19 – das Niedersächsische Schul-Modellprojekt zur Aufklärung von SARS-CoV-2-Infektionswegen bei Schülerinnnen und Schülern im Kindes-und Jugendalter und deren Lehrkräften durchgeführt. Was genau ist Ziel dieses Projektes – erklären Sie es uns bitte in einfachen Worten?

Wir möchten etwas mehr darüber herausfinden, viele Kinder-und Jugendlichen an Schulen eine Infektion mit COVID19, und wie sich das während der Pandemie verändert. Deshalb gucken wir mit dem Rachenabstrich nach einer akuten Virusinfektion und mit der Blutentnahme nach Antikörpern, also ob ihr schon einmal COVID19 gehabt hattet. Die vielen Fragen, die wir euch stellen, helfen uns die Ergebnisse dann besser zu verstehen. 

Ein Ziel Ihrer Studie ist es zu untersuchen, ob die Inzidenz von COVID-19 durch die vermehrte Interaktion von Kindern und Jugendlichen untereinander und mit Erwachsenen zunimmt. Konnten Sie das nachweisen?

Nein, das konnten wir bislang nicht nachweisen. Bei den Untersuchungen gab es an eurer Schule keine Schüler*innen oder Lehrkräfte mit einer akuten Erkrankung, also einem positiven Testergebniss. Dass muss nicht unbedingt heißen, dass es gar keine Covid19-Fälle an eurer Schule gab, aber wir konnten auch keine großen Ansteckungsketten sehen. Im Gegensatz zur letzten Testphase gibt es aber nun in Hannover auch insgesamt deutlich mehr Covid-19 Fälle, so dass unsere Ergebnisse in der nächste Testrunde vielleicht anders aussehen. Das möchten wir gern untersuchen.

Welche Maßnahmen leiten Sie aus den Ergebnissen ab?

Wir haben bislang zwei Schulen in Hannover untersucht, damit betrachten wir nur einen sehr kleinen Ausschnitt des Infektionsgeschehens. Um Maßnahmen daraus abzuleiten, müsste man in einem nächsten Schritt die Ergebnisse verschiedener Studien aus ganz Deutschland zusammen tragen und die Ergebnisse vergleichen.

Führen Sie die Corona-Tests eigenständig durch? Und sind Sie dann aufgeregt oder ist das schon normal?

Meine Aufgabe ist es, das Blut für den Antikörper Test abzunehmen. Der eigentliche Test wird dann erst im Labor durchgeführt. Ein bisschen aufregend ist es dann schon, wenn wir die Ergebnisse vom Labor erhalten.

Dürfen Sie bereits den Impfstoff spritzen? Fühlt sich das an, als würde man einen Schritt näher zur „Normalität“ kommen?

Die Impfungen werden momentan ja nur an zentralen Impfstellen durchgeführt. Ich selber habe also noch niemanden geimpft. Trotzdem ist die Impfung ein guter Schritt in Richtung „Normalität“, auch wenn es noch einige Zeit dauern wird, bis genug Menschen geimpft sind.

Haben Sie Angst, sich selbst zu infizieren? Sind Sie mit vielen Infizierten in „Kontakt“, durch Untersuchungen und Test, Begegnungen während der Arbeit, etc.?

Momentan kümmere ich mich um die Auswertung der Daten und habe keinen Patientenkontakt und auch im Privaten habe ich meine Kontakte sehr stark eingeschränkt. Deshalb habe ich auch keine große Angst, mich zu infizieren.

Wie stehen Sie zu den aktuell zugelassenen Impfstoffen?

Ich halte es für sehr wichtig, dass sich möglichst viele Menschen mit den aktuell zugelassenen Impfstoffen impfen lassen. Alle diese Impfstoffe haben in Studien gezeigt, dass sie schwere Infektionen vermeiden und wahrscheinlich auch das Infektionsrisiko verringern. 

Denken Sie, ein Lockdown mit harten Maßnahmen – z.B. Ausgangs- und Kontaktsperre, weitere Reduzierung von Kontakten etc. – würde in der aktuellen Lage helfen?

Je weniger Kontakte es von Person zu Person gibt, desto geringer ist natürlich auch die Infektionsübertragung. Grundsätzlich wäre es hilfreich, wenn sich alle an die derzeitigen Beschränkungen halten. Die Frage ist dann, wie die Menschen erreicht werden können, die sich gerade nicht so genau an die Maßnahmen halten. 

Wie schätzen Sie die Menschheit im Umgang mit dem Virus ein – ist dieser gewissenhaft oder ungewissenhaft?

Das kann man nicht so pauschalisieren. Es gibt immer Gruppen von Menschen, die sich gewissenhafter verhalten und andere, die es nicht tun. 

Was würden Sie konkret machen, wenn Sie die Maßnahmen und Regelungen bestimmen dürften?

Anhand der derzeitigen Diskussionen können wir sehen, dass es nicht einfach ist Maßnahmen und Regeln festzulegen. Ich denke es gibt immer mehrere richtige Wege, die uns helfen die steigenden Infektionszahlen einzudämmen.

Welche drei Dinge vermissen bzw. wünschen Sie sich in der aktuellen Lage?

Wie wahrscheinlich viele von uns, würde ich gerne mal wieder ein Konzert besuchen, ins Kino gehen oder mich unbeschwert mit Freunden und Familie treffen. Mir ist aber auch klar, dass die Infektionszahlen dafür sinken müssen.

Wird jemals komplette Normalität zurückkehren?

Ob wir wieder einen „Vor-Corona-Zustand“ erreichen oder Normalität bedeutet, einen Weg zu finden mit dem Virus zu leben, kann zum jetzigen Zeitpunkt glaube ich niemand vorhersehen.

Und zum Schluss bitte ein Tipp von der Expertin: Welche Masken sind aus Ihrer Sicht am effektivsten?

FFP2-Masken sind natürlich am effektivsten, sie filtern etwa 95% der potenziell infektiösen Tröpfchen und Aerosole aus der Luft, also auch die kleinsten Viren. Es ist aber am wichtigsten, dass wir uns und unsere Mitmenschen überhaupt mit einer Maske schützen und sie auch richtig benutzen. Auch ein medizinischer Mund-Nasen-Schutz schützt (vor allem) unsere Mitmenschen vor infektiösen Tröpfchen und hilft somit eine Ansteckung zu Vermeiden.

igsroschuelerzeitung

Schülerblog der IGS Roderbruch

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