Einsamkeit. Eine Kurzgeschichte.

#CORONA #STAYHOME #ESGEHTWIEDERLOS #FREUNDEFEHLEN #WICHTIGIST #MACHTTEXTE

Von Tilman Hase (9/1)

Langsam gehe ich die Treppe hoch. Es ist sehr viel stiller als sonst. Vielleicht kommt es mir aber auch nur so vor, weil ich mich sonst immer gefreut habe nach Hause zu kommen und es jetzt nichts mehr gibt, was mich auf die nächsten Stunden freuen lässt. Ich fühle mich einfach komisch – irgendwie so leer. Meine Mutter liegt im Krankenhaus und mein Vater ist arbeiten. Normalerweise komme ich nach Hause und normalerweise gehe ich erstmal in die Küche und mache mir normalerweise was zu essen. Oder ich würde das übriggebliebene Essen von gestern auspacken. Heute nicht, denn ich habe keinen Hunger. 

Der Gang auf der Treppe zieht sich so komisch in die Länge. Als ich oben angekommen bin, gehe ich in mein merkwürdig dunkles Zimmer. Das Zimmer habe ich mit meinen Eltern erst vor ein paar Wochen renoviert, trotzdem sieht das Zimmer für mich öde und langweilig aus, als würde ich seit Jahren immer nur dasselbe Zimmer sehen. Irgendwie stimmt das aber auch – seit den Ausgangsperren habe ich extrem viel Zeit zu Hause verbracht. Es gibt ja auch keinen Ort mehr, wo man hindarf. Die letzten paar Wochen waren nicht leicht, denke ich mir, als ich mich auf mein Bett werfe und meinen Ranzen in irgendeine leere Ecke schmettere. Am Anfang der Krise war es noch lustig, nicht in die Schule zu müssen. Normalerweise würde ich jetzt etwas für die Schule machen, mich mit Freunden treffen oder irgendwas Produktives halt. Es hat sich aber eine gewissen Motivationslosigkeit in mir aufgebaut, die sich immer weiter verstärkt. Ich fühle mich wie eine winzig kleine Ameise in einer Großstadt – sie wird nicht beachtet und von niemandem gebraucht. 

Plötzlich klingelt das Telefon. Nach ein paar Sekunden, in denen ich mich überwinden muss aufzustehen, greife ich endlich zum Hörer. Es ist die Nummer des Krankenhauses, in dem meine Mutter liegt. Ich hoffe, dieser Anruf kommt von ihr. Seit einiger Zeit sind keine Besucher mehr in den Krankenhäusern erlaubt. Ich habe sie sehr lange nicht mehr gesehen. Nach einem kleinen Moment – in dem ich mit unschlüssiger Ungewissheit das Telefon anstarre – gehe ich endlich ran. 

#SEIKREATIV
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