#ALLEFÜRSKLIMA: Wjera – wie machen wir das mit der Erde?

Am 20. September 2019 ist der globale Klimastreik. Die Klimaschutz-Bewegung „Fridays for Future“ ruft zum Generalstreik auf. Weltweit werden Klimademos stattfinden, bei denen Kinder, Jugendliche und Erwachsene erstmals gemeinsamen demonstrieren.

Wir haben erneut mit Wjera gesprochen und sie gefragt, was in Hannover geplant ist, warum nun auch Erwachsene auf die Straße gehen sollen und welche Forderungen die Bewegung stellt.

Wjera, warum soll ich am 20. September zur Demo gehen?

Es geht um unsere Zukunft, um die von jedem einzelnen von uns. Doof ist nur, dass wir über das Urteil und die Handhabe nicht mit entscheiden können, da dies der Job der PolitikerInnen ist.

Wir können aber auf die Straßen gehen und so zeigen, dass wir mit der bestehenden Umweltpolitik nicht zufrieden sind, ja sogar Angst haben müssen bzw. sollten.

Was sind eure – neuen – Forderungen?

Ein Arbeitskreis hat mit den StudentsforFuture und den ScientistforFuture unsere Forderungen für Hannover + Region entwickelt. Das Dokument ist seeehr umfangsreich, daher würde ich allen empfehlen auf unsere Website sich die mal an zu schauen.

Ich selber habe für die Website eine vereinfachte Form geschrieben, für die die nicht 12 Seiten lesen wollen 😉

https://fridaysforfuture-hannover.de/forderungen-leichtesprache/

Was erhofft ihr euch von der großen, internationalen Veranstaltung am 20. September?

Wir erhoffen uns natürlich weiterhin Aufmerksamkeit, um damit Druck auf die PolitikerInnen ( wie oben in 1. erklärt ) auszuüben. Unter anderem geht es aber auch darum, das Bewusstsein von jedem Menschen zu verstärken, denn was bringen uns tolle neue Konzepte, wenn der Mensch sich nicht dran hält bzw. nicht bereit ist diese umzusetzen?

https://twitter.com/FridayForFuture?lang=de

Welche Partei macht die beste Umweltpolitik?

Die Frage ist relativ schwierig, muss ich gestehen und auch nicht so ganz einfach zu beantworten. Ganz perfekt ist zur Zeit keine der großen Parteien, denn es geht mehr um Wachstum, also um ressourcenschonend zu handeln ( meiner Meinung nach ).

Mit am offensichtlichsten kämpft die Grüne für eine besser Umweltpoltik. Was aber nicht heißt, dass sie die „beste“ Umweltpoltik macht. Ich empfehle eigentlich jedem sich selber eine eigene Meinung zu machen.

Findet ihr Gehör bei den großen Parteien oder wollt ihr eher Abstand?

Gehör finden wir schon, schließlich sind wir mehr als präsent in den Medien. Es geht aber nicht um Gehör und leere Versprechen, sondern um sichtbare Veränderungen. Das ist das eigentliche Ziel.

Wie sozial verträglich sind eure Forderungen? Können sich arme Leute eure Klimapolitik leisten?

Der Punkt wird in unseren Forderungen sehr groß geschrieben und immer wieder erwähnt, weil auch uns dies sehr wichtig ist. Der letzte Abschnitt von den Forderungen beziehen sich noch mal genau darauf.

Welche Ergebnisse zeigen sich aus den wöchentlichen Friday For Future Streiks?

Erfolge sind natürlich die steigenden TeilnehmerInnen-Zahlen bei unseren Streiks. Aber auch die Sache mit dem Bewusstsein.

Die Metall-Strohhalme zum Beispiel werde total gehyped (man kann sich drüber streiten, wie sinnvoll da die Internetbestellung ist ) oder der Hannocino den es in Hannover gibt, oder das man 10% Rabatt bei Backfactory bekommt, wenn man seinen eigenen Becher mitnimmt.

Was tust du persönlich gegen den Klimawandel?

Wir, meine Mutter und ich, versuchen so klimafreundlich wie möglich zu leben. Beispiele dafür sind zum Beispiel: kaum noch Plastik, auf dem Markt einkaufen, kein Auto mehr, statt zu fliegen, mal mit der Bahn die Städte in Deutschland anschauen, weniger Milch und dafür Hafermilch und natürlich kaum bis gar kein Fleisch oder tierische Produkte und wenn Bio oder regional. Es gibt noch so viel mehr was man ohne großen Aufwand machen kann.

Was kann man persönlich gegen den Klimawandel tun? Eine persönliche Liste: Was kann ich konkret jetzt und heute gegen den Klimawandel tun!

  1. Hab immer einen eigenen Kaffebecher mit
  2. Wenn du dir bei Edeka Brötchen holst: nimm keine Tüte. Das Brötchen kannst du auf die Hand nehmen. Mach ich auch immer
  3. Statt die Plastikflasche zu kaufen, nimm eine Glasflasche und füll sie lieber am nächsten Tag auf
  4. Wenn du shoppen gehst, überleg dir dreimal ob du es wirklich brauchst oder schau mal in secondhandshops
  5. Du musst dir nicht jeden Tag die Haare waschen, Katzenwäsche ist genauso hygienisch
  6. Vermeide alles von Nestlè ( ist eine echt schwere Challenge, weil die fast überall ihre Finder im Spiel haben)
  7. Neuer Block nötig? Kauf welches mit dem blauen Engel drauf oder Recyceltes
  8. Das Licht muss nicht immer an sein und wenn nur die Seite auf der keine Fenster sind
  9. Benutze weniger social Media, denn die Server verbrauchen Unmengen an Energie
  10. Informiere andere und nimm an unseren Demos teil

Wird dir das manchmal zu viel? Dich für eine Lösung des Klimastreikes einzusetzen und Schule und Privates zu vereinbaren?

Auf jeden Fall. Ich selber musste jetzt erstmal zurücktreten, weil ich es nicht mehr unter den Hut bekommen habe.

Ich gehe zur Schule, ich trainiere, ich arbeite und mache FfF ( Demos organisieren, Veranstaltungen planen, vernetzen, Interviews etc. ).

Ich habe deswegen ein AwarenessTeam genau dafür gegründet, um uns in der Ortsgruppe zu unterstützen. Auf Bundesebene und in eigenen Kreis bekommt man den Druck sehr deutlich zu spühren. Dagegen hilft uns unsere Ortsgruppe und das megatolle Gefühl, wenn man vor Tausenden von SchülerInnen steht, die einen und die Dinge die man tut für gut befinden und unterstützen. Gerade wenn man ständigen Diskussionen und Hatern ausgesetzt ist.

Das soll jetzt nicht heißen, dass es nicht mega viel Spaß macht und ein gutes Gefühl bringt, aber es ist verdammt viel Arbeit und das darf man nicht unterschätzen. Nichts desto trotz bereue ich keine einzige Minute und würde es definitiv als mit einer meiner besten Zeiten beschreiben. Wir sind eine Familie und das hilft und stützt.

Link zu Friday for Future Hannover https://fridaysforfuture-hannover.de

Das erste Interview mit Wjera https://yellowpost.blog/2019/07/01/friday-for-future-hannover-ein-interview-mit-wjera/