Objektkunst – Aus Alltagsgegenständen wird Kunst

Heute habe ich dem Platz einen Besuch abgestattet, wo die Aschenmänner jetzt den Müll hinbringen. Mein Gott, war das schön!

Ich bekomme morgen einige interessante Dinge von diesem Misthaufen, u. a. kaputte Straßenlaternen, zur Ansicht oder als Modelle, wenn Du willst. Es war etwas für ein Märchen von Andersen, diese Sammlung abgedankter Eimer, Körbe, Kessel, Essnäpfe, Ölkannen, Eisendraht, Straßenlaternen, Tonpfeifen (…). Ich werde heute Nacht wohl im Traum damit zu schaffen haben, aber vor allem diesen Winter bei der Arbeit. Wenn Du wieder einmal nach den Haag kommst, empfehle ich mich bestens, dich einmal zu diesem Platz und an noch ein paar andere Stellen hinzuführen, die, obzwar so unansehnlich wie möglich, für einen Künstler doch ein Paradies sind.“

Das Erlebnis, von dem der Maler Vincent von Gogh 1883 in einem Brief an einen Freund berichtet, kann wohl jeder nachempfinden, der einmal einen Haufen Sperrmüll nach schmuddeligen Schätzen durchstöbert hat. Van Gogh, den ja sein Schicksal in die Gosse trieb, wusste um den Reiz, der oft in solchen Gegenständen schlummert; er setzte den Müll in Malerei um. Erst drei Jahrzehnte später fanden Künstler dann den Mut, Abfallstücke dieser Art direkt in ihre Werke einzufügen. Die Kubisten klebten 1912 Zeitungsausschnitte, Tapetenreste oder Teile leerer Zigarettenpäckchen in ihre Zeichnungen ein; der Materialpoet Kurt Schwitters sammelte Weggeworfenes und Liegengelassenes und komponierte es zu Bildern von morbider Schönheit.

Der Franzose Marcel Duchamp (18871968) ging noch radikaler vor. Im Jahre 1913 montierte er das Vorderrad eines alten Fahrrads auf einen Küchenhocker, so dass es aussah wie ein rätselhaftes Sonnenrad auf seinem Sockel. Dieses berühmte Objekt begriff Duchamp durchaus als eine ironische Attacke auf die herkömmliche Museumskunst. Er ging sogar noch weiter: In einem Fachgeschäft erwarb er einen Flaschentrockner aus Metall und deklarierte das bizarre Blechgestell zur Kunst. Er habe, so verteidigte er seine Praxis, ein gewöhnliches Element unserer Existenz genommen und es so hergerichtet, dass seine Zweckbestimmung hinter dem neuen Gesichtspunkt verschwindet“, und zwar dadurch, dass er einen neuen Gedanken für diesen Gegenstand gefunden“ habe. Duchamps Methode machte Schule. Inzwischen haben Künstler aller Sparten neben der Ästhetik des Abfalls auch längst die vorfabrizierten Alltagsprodukte der modernen Warenwelt für ihren Werkprozess entdeckt. Auch die Schülerinnen und Schüler des P4-/P5-Kunstkurses des 13. Jahrgangs, geleitet von Kaja Klingemann-Eilert, haben sich von Alltagsgegenständen zu Objektkunstwerken inspirieren lassen. Die Ergebnisse von Leona Wehrenberg, Sasja Fuchs, Leah Busch und Lara Meier seht ihr in Bild 1. Bild 2 zeigt die Ergebnisse von Andrea Tietz, Mareike Jander, Leoni Egner und Mareike Lange. Im dritten Bild ist das Objekt von Leonard Mätzner zu sehen.

Bild 1
Bild 1 – von Leona, Sasja, Leah und Lara

 

Bild 2
Bild 2 – von Andrea, Mareike J., Leoni und Mareike L.

 

Bild 3
Bild 3 – von Leonard

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