Ins Nordlicht blicken

Von Janneke Mehl. 

Am 6. Februar 2018 las Cornelia Franz an der IGS Roderbruch aus ihrem Roman „Ins Nordlicht blicken“ und sprach im Anschluss über ihr Buch, das Schreiben daran und ihr Leben als Autorin.

Begrüßung und Vorstellung

Drei 10. Klassen zusammen mit ausgewählten Moderatoren und den Lehrern versammeln sich im Freizeitraum der Gesamtschule IGS Roderbruch, um der Autorin der Prüfungslektüre „Ins Nordlicht blicken“ zuzuhören und Fragen zu stellen. Alle finden sie sich auf ihren Stühlen ein und sehen gebannt zu Cornelia Franz, die sich bereits auf den Tisch niedergelassen hat und gerade noch das Mikrophon einstellt. Als schließlich alle da sind, beginnt einer der Moderatoren mit der Begrüßung und stellt Cornelia Franz vor. Die Klassen erfahren, dass sie  Germanistik und Amerikanistik studiert und bereits viele andere Jugendbücher geschrieben hat. Nachdem sich auch die Autorin selbst kurz vorgestellt hat, beginnt sie die erste von ihr ausgewählte Textstelle zu lesen.

Lesung

Es handelt sich um das erste Kapitel, in dem sich Jonathan Querido auf einem Kreuzfahrtschiff nach Grönland befindet und Panikattacken erleidet. Im Anschluss daran erklärt Cornelia Franz, was in diesem Kapitel schon auf das spätere Geschehen im Roman hinweist. Außerdem erfahren die Schüler, dass die Autorin das Buch in chronologischer Reihenfolge geschrieben hat und nicht durcheinander oder zeitgleich an mehreren Kapiteln gearbeitet hat. Aus diesem Grund wusste sie beispielsweise zu Beginn des Schreibprozesses auch noch nicht, warum der Protagonist eigentlich Panikattacken auf der MS Alaska erleidet. Nachdem diese erste Frage gestellt und beantwortet worden ist, beginnt Cornelia Franz das ihrer Meinung nach wichtigste Schlüsselkapitel vorzulesen. Das Kapitel, in dem Jonathan den Grabstein von Pakkutaq Wildhausen findet und mit dem Identitätswechsel stärker als sonst konfrontiert wird. Wie beim ersten Kapitel auch, erzählt sie kurz etwas über das Kapitel, denn es wird darin sehr deutlich, was passiert bereits ist und noch passieren wird. Nach dieser kleinen Deutung bedanken sich die Moderatoren höflich und beginnen, die vorher in den Klassen formulierten Fragen zu stellen.

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Luisa Mattke

Konzeption des Romans und Schreibprozess

Interessiert hat die Schüler vor allem, wie Cornelia Franz auf die ganze Geschichte gekommen ist. Sie erfahren, dass sie eine Idee von einem Jungen hatte, der unglücklich aus seinem alten Leben floh und später wieder zu diesem Leben zurückkehrte. Obwohl sie das Buch ohne konkrete Planung geschrieben hat, informierte sich die Autorin im Voraus und musste sich auch für ein Heimatland des Protagonisten entscheiden. Sie wählte Grönland eigentlich ohne bestimmten Grund, denn sie war fasziniert von ruhigen und einsamen Orten, weshalb sie auch Orte wie die Wüste in Betracht gezogen hat. Schließlich entschied sie sich jedoch für Grönland und begann sich näher über das Land zu informieren. Dabei stieß sie auf den Klimawandel und die Auswirkungen, die in Grönland so einschneidend sind. Sie entschloss sich, das Thema des Klimawandels in ihren Roman einfließen zu lassen, weil es zu der Grundaussage passt, dass man zu dem stehen soll, was man getan hat. Dadurch dass Grönländisch eine ganz andere und schwierigere Sprache als Deutsch ist, informierte sie sich viel im Internet und fragte bei einem Besuch in Grönland auch die Einwohner,  beispielsweise nach einem berühmten Wiegenlied aus Grönland. Auch die Namen musste sie irgendwie erfinden und Cornelia Franz nutzte dazu hauptsächlich Facebook. Dort suchte sie nach jugendlichen Grönländern und übernahm deren Namen. Bei den Charakteren konzentrierte sie sich auf ihre Grundkonstellation, um die Charaktereigenschaften des Protagonisten Pakku bzw. Jonathan (Pakku nimmt den Namen des von ihm getöteten Schiffjungen Jonathan Querido an) zu entwerfen. Jonathans Charakter wird sehr durch seine Tat, die er noch als Pakkutaq ausübt, beeinflusst, wodurch er ruhig und schweigsam wird. Er wird und zeigt kaum noch Gefühle.

Cornelia Franz benennt auch autobiografische Gemeinsamkeiten mit dem Protagonisten, denn sie hatte ebenfalls eine nicht so schöne Kindheit mit vielen Abschieden und abgebrochenen Kontakten. Es waren zwar komplett andere Geschehnisse als die, die der Protagonist erleiden musste, doch das Grundgefühl war gleich. Als die Moderatoren sie fragen, was es mit dem gleichen Nachnamen von Evie und Sven Kristiansen auf sich hat, muss die Autorin zugeben, dass dies ein Zufall ist, der möglicherweise durch eine Namensänderung im Lektorat zustande kam und keinerlei Bedeutung hat. Genau wie Spider, Pakkus Internetfreund. Es sei nicht wichtig, wer er wäre, denn er habe nur die Funktion, Pakku nach Deutschland zu locken, beantwortet Cornelia Franz die Frage. Anders als die Homosexualität von Lloyd, dem Ziehvater von Jonathan. Ohne diese wäre die erste Begegnung der beiden sehr viel anders verlaufen und sie wären nicht zusammen nach Hause gegangen.

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Luisa Mattke

Das Leben als Autorin

Das nächste große Thema, was die Moderatoren und auch die anderen Schüler interessiert, ist, wie Cornelia Franz als Autorin lebt, wie sie ihre Bücher schreibt und auch, wie sie dazu steht, dass immer weniger gelesen wird. Cornelia Franz beginnt zu erzählen, dass sie ihre Bücher früher immer einfach drauf los geschrieben hat und erst mit dem fertigen Manuskript zu ihrem Verlag gegangen ist. Dies ist allerdings sehr risikoreich, denn falls der Verlag nicht von dem Buch begeistert ist, hat man umsonst gearbeitet und verdient auch nichts. Mittlerweile geht sie zuerst mit dem Thema und meistens einem Probekapitel zu ihrem Verlag, um es vorzustellen und die Absicherung zu bekommen, dass es verlegt wird.

Während des Schreibens gibt es natürlich auch oft Schreibblockaden, die vor allem daraus resultieren, dass die Figur selbst in einer schwierigen Situation ist und die Autorin dann oft erst überlegen muss, was jetzt eigentlich weiter passieren und wie sie/er aus der Situation wieder herauskommen soll. Darum kreisen dann auch, wenn Cornelia Franz gerade nicht schreibt, oft ihre Gedanken und sie denkt viel über den Roman nach. Denn dadurch, dass sie so viel mit den Figuren arbeitet, ‚lebt‘ sie quasi mit ihnen. Cornelia Franz sagt jedoch auch, dass sie gut abschalten kann und nicht immer über das Buch nachdenken muss. Sie erzählt den Schülern, dass die Frage, ob man davon leben könne sehr subjektiv sei, denn sie könne mit dem Beruf sehr gut leben, doch es gebe bestimmt Menschen, die damit unglücklich seien. Denn sie verdiene sehr unregelmäßig und lebe in ständiger Ungewissheit. Als sie erzählt, wie wenig sie pro verkauftem Buchexemplar verdient, sind viele erschrocken. Dadurch dass ‚Ins Nordlicht blicken‘ zur Prüfungslektüre geworden ist, habe dies den Verkauf deutlich gesteigert, dieser Roman sei zu Cornelia Franz‘ persönlichem Bestseller geworden. Abschließend beantwortet die Autorin die Frage, ob Bücher weniger lukrativ würden, damit, dass dies ihrer Meinung nach nicht stimme, denn es gebe immer noch genug Menschen, die läsen. Viele würden auch Hörbuch hören.

Signieren

Dankbar sagen die Moderatoren noch ein paar Worte, nachdem alle Fragen gestellt wurden und auf Nachfrage hin, signiert Cornelia Franz noch einige der Bücher, die die Schüler mitgebracht haben. Nach dieser gelungenen Lesung verlassen alle Schüler allmählich den Freizeitraum und begeben sich zurück in ihre Klassen, um die Pause zu genießen. Und auch Cornelia Franz packt ihre Sachen zusammen, um die Schule zu verlassen und sich über die Lesung zu freuen, die vielen der Anwesenden geholfen hat, den Roman besser zu verstehen und einen besseren Einblick in das Leben und die Arbeit von Schriftstellern zu bekommen.

Diese Veranstaltung wurde vom Friedrich-Bödecker-Kreis gefördert.

 

 

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