Hey Clarissa: Was macht die Kunst?

Clarissa geht in die Oberstufe und ist mit Leib und Seele Künstlerin. Für die Schülercafete hat sie ein großes Bild geschaffen und wir hatten ein paar Fragen dazu. Danke für das Interview Clarissa!

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Clarissa, wie bist du auf die Idee zu deinem Bild, das in der Schülercafete hängt, gekommen? 

Ich bin das Projekt so angegangen, wie ich das auch in meinem Leistungskurs Kunst gelernt habe. Zuerst habe ich einmal alle groben Ideen, die mir eingefallen sind aufgeschrieben und skizzenhaft festgehalten. Dann die, die mir am besten gefallen haben, etwas ausgearbeitet und angefangen mit Freunden und Familie über meine Entwürfe zu sprechen. Ich finde es ist wichtig zu wissen, wie Außenstehende meine Werke betrachten und was sie anzieht oder interessiert. Letztendlich ist es dieser Entwurf geworden, da ich mit diesem Gemälde wichtige Themen ansprechen, die besonders Jugendliche in unserem Alter beschäftigen. Deshalb dachte ich, würde diese Idee das entsprechende Publikum in der Cafete am meisten ansprechen.

Warum fällt in deinem Bild farbiger Regen?

Es ist nicht der Regen selbst der farbig ist, sondern das, was seine reinigende Kraft freilegen kann. Wir Menschen verstecken uns oft hinter gesellschaftlichen Idealen und Vorbildern, wir tendieren (besonders als Jugendliche) den Drang zu entwickeln „dazu gehören zu wollen“.

Ich erinnere mich daran, wie ich früher versucht habe mich wie meine Freunde anzuziehen und die gleichen schönen langen Haare zu haben, jetzt ist das nicht mehr so. Meine Haare habe ich mir abgeschnitten und ich lerne, wie ich mich als Individuum ausdrücken kann.

Man lernt als Kind was anders sein bedeutet, aber nicht immer, dass das was Schönes ist. Wir sehen alle anders aus und haben andere Talente. Besonders in der Schule sollte es wichtig sein, herauszufinden was man besonders gut kann.

Wir sollten hier nicht nur lernen, dass unsere Gesellschaft aus Individuen besteht, sondern dass WIR die Individuen sind und die Gesellschaft formen.

Müssen wir uns Sorgen machen, weil deine Personen sich dem Betrachter abwenden? Oder gehen die bloß vor?

Das Bild soll durch den Blickwinkel des Betrachters einen „Aha“ Moment zeigen. Wir sehen als Außenstehende Menschen durch den Regen spazieren, abgewendet voneinander und uninteressiert an ihrer Umgebung. Dies sehen wir jeden Tag, Menschen laufen durch die Stadt oder sitzen in der U-Bahn neben uns. Aber wir vergessen, das Leben das jeder einzige von uns führt, die Familie, die Freunde, die Arbeit oder die Schule! Alles rauscht an uns vorbei und wir erkennen nicht, wie blind wir geworden sind. Wir beobachten im Gemälde einen abgewandten Mann, der so wie wir, Menschen beobachtet, nur das ihm auffällt, dass mehr hinter den grauen Gesichtern steckt als man auf dem ersten Blick erkennen kann.

Du kommst aus einer künstlerischen Familie. Wie kommt es, dass alle drei Schwestern so gut und gerne zeichnen, malen und sich künstlerisch ausdrücken?

Meine Eltern haben immer darauf geachtet, dass wir uns ausdrücken. Egal wie, ich habe schon immer getanzt und geschauspielert, meine große Schwester schon immer gemalt (studiert dementsprechend jetzt auch Kunst) und meine kleine Schwester findet im Moment auch ihre Verbindung zum Tanz und Malen. Es war meinen Eltern immer wichtig, dass wir die Wichtigkeit von Kunst verstehen, was es bedeutet sein Innerstes ausdrücken zu können.

Ich schätze mich glücklich, dass ich gelernt habe meine Gefühle so auszudrücken, anstatt sie in mich reinfressen zu lassen. Jeder Mensch braucht einen Auspuff mit dem er Gefühle verarbeiten kann. Ich schätze mich glücklich, dass ich weiß wie ich meine Hobbys nutzen kann um mir zu helfen und gleichzeitig Dinge oder Momente erschaffen kann, in denen ich Menschen berühre und Emotionen in ihnen auslöse.

Woher hast du deine Ideen?

Das ist eine schwere Frage, aber grundsätzlich kann ich sagen, dass ich meine Ideen von meinem alltäglichen Leben bekomme, mich interessiert die Welt einfach. Menschen und wie wir uns bewegen, unsere Umwelt, welche Gefühle durch Farben und Formen in uns Menschen auslöst, unsere Weltpolitik die unser Leben bestimmt und zwischenmenschliche Ereignisse, wie Liebe, Hass und Angst, all diese Sachen inspirieren mich und regen mich zum Nachdenken an. Was möchte ich kritisieren? Was möchte ich beim Betrachter auslösen? Wie kann ich das erreichen? Im Grunde denke ich einfach viel nach und möchte meine Gedanken und Gefühle mit meinen Mitmenschen teilen.

Was denkst du: Kunst kommt von Können, ist ein Talent oder kann – wie Fahrradfahren – geübt und gelernt werden?

Ich glaube, dass viele sich bei dem Wort Kunst auf eine Form der Kunst beschränken. Die meisten denken sofort nur ans Malen und Zeichnen. Es gibt aber so viele andere Medien die man nutzen kann um Kunst zu erschaffen! Ich glaube, dass das Wort Kunst auch auf Theater, Tanz und Schrift anwendbar ist. Also sich erst einmal dessen bewusst zu werden ist der erste Schritt zum Künstler sein. Nach meinem Verständnis von Kunst, kann erstmal jeder Kunst erschaffen. Das Handwerk kann gelernt werden, man kann Zeichnen, Tanzen und Schreiben üben. Jedoch braucht man glaube ich etwas zusätzlich um Künstler zu sein. Es ist schwer zu beschreiben, aber vielleicht trifft das Wort Talent es ganz gut. Man muss den Drang dazu haben, bzw. die Lust seine Person auf irgendeiner Weise darzustellen. Für mich ist Künstler sein, Menschen mit seinen Werken berühren zu wollen.

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