7:15 Uhr, Bahnhof Lehrte. Auf der Anzeigetafel steht wieder „Zug fällt aus“. Die nächste S-Bahn kommt zwar, aber nur mit halber Länge und die Leute quetschen sich in die Türen. Wer hier jeden Morgen zur Schule oder zur Arbeit fährt, kennt das inzwischen. Zu kurz, zu voll, zu spät: So erleben viele Pendler gerade die S-Bahn Hannover.
Seit August fährt sie im ganzen Netz mit verkürzten Zügen, manche Linien fielen zeitweise komplett aus. Für die Region ist das nicht nur ärgerlich, sondern auch ein Wahlkampfthema geworden. Evan sich, warum das so ist.
Der Anfang der S-Bahn Hannover
Seit der EXPO 2000 auf dem Messegelände in Hannover besteht in der Region Hannover ein S-Bahn Netz, das Hannover und das Umland verbinden soll. Dies hat über 20 Jahre durch den Betreiber DB Regio sehr gut funktioniert.
2018 wurde das S-Bahn Netz Hannover von den Aufgabenträgern, der Region Hannover, der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) und dem Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL), europaweit ausgeschrieben. Bei dieser Ausschreibung wurde Transdev (bekannt auch durch die NordWestBahn) ausgewählt. Transdev hat die ersten Linien im Dezember 2021 und das gesamte Netz im Juni 2022 übernommen.
Kommunalwahlen 2026
Nun ist die S-Bahn ein großes Thema bei den diesjährigen Kommunalwahlen in der Region Hannover. Laut NDR stellen die Region Hannover und die LNVG dem Betreiber Transdev 77 Züge zur Verfügung. Das sollen mehr als genug Züge sein, um den Betrieb in der Region Hannover erfolgreich zu führen.
Doch seit August ist nur etwas mehr als die Hälfte der Züge unterwegs. Das führt zu kürzeren Zügen, Ersatzbussen sowie alten, geliehenen Tri-Waggons. Natürlich frustriert das die Fahrgäste, besonders Berufstätige und Schüler:innen morgens auf dem Weg zur Arbeit oder in die Schule. Außerdem bringt das Berufstätige auf die Idee, morgens wieder das Auto zu nutzen, da die S-Bahn unzuverlässig ist. Das Problem dabei ist, dass so wieder mehr CO2 Emissionen durch den Verkehr entstehen, was Klimaziele (z. B. Klimaneutralität bis 2035) zurückwirft.
Dieses Thema macht die Kommunalwahlen sehr hitzig. Einige Kandidaten für das Amt des Regionspräsidenten fordern sogar die Kündigung von Strecken oder gar eine Teilkündigung des Vertrages mit Transdev.
Zum Beispiel:
CDU, Oliver Junk gegenüber der Neuen Presse / HAZ: „Gegen die Abhängigkeit von Konzernen helfe nur Kompetenz im eigenen Haus. Insofern müsse man prüfen, ob wir die S-Bahn künftig bei der Üstra ansiedeln.“
Übersetzt aus der Fachsprache bedeutet Oliver Junks Vorschlag, dass die Region Hannover als Aufgabenträger die S-Bahn selbst übernimmt und sie von der ÜSTRA betrieben wird.
Aber auch die Kandidatin der SPD, Eva Bender, derzeit Bildungs- und Kulturdezernentin der Landeshauptstadt Hannover, hat auf ihrem Instagram Kanal in einem Reel vorgeschlagen, einige S-Bahn Linien im Netz teilweise zu kündigen. Damit sollen andere Betreiber die Chance bekommen, diese Linien zu übernehmen, um so das S-Bahn Liniennetz aufrechtzuerhalten.
Wo liegt aber die jetzige Problematik der S-Bahn Hannover?
Zum einen wurde ja schon angesprochen, dass der Zugmangel zu groß ist. Aber warum und wie kann dies verhindert werden? Hier spielt die Werkstatt der S-Bahn Hannover in Celle eine große Rolle.
Zur EXPO 2000 war die DB Regio AG der S-Bahn Betreiber. Sie besitzt im Stadtteil Leinhausen im Nordwesten Hannovers eine Wartungs- und Abstellstätte.
Im Juni 2025 haben Transdev und die OHE (Osthannoversche Eisenbahnen, auch bekannt unter den Marken Erixx, Metronom und Enno) eine Wartungs- und Abstellstätte in Celle eröffnet. Die Wartungs- und Abstellstätte liegt auf dem Gelände der OHE, wo sich Transdev eingemietet hat. Beide Betreiber haben zwischen 15 und 25 Millionen € in die neue Stätte investiert.
Laut Cellescher Zeitung liegt das Hauptproblem an dem massiven Auftragsstau sowie den nicht ausreichenden Werkstattkapazitäten in der Celler Werkstatt. Genau hier liegt das Hauptproblem von Transdev.
Transdev hat sich auf dem Gelände der OHE eingemietet. Das heißt, dort werden nicht nur Fahrzeuge von Transdev gewartet, sondern auch Züge der OHE und von externen Kunden. Zudem fehlen derzeit Fachkräfte, um den Rückstau der beschädigten Fahrzeuge abzuarbeiten. Deshalb versucht die OHE, das Werkstattpersonal aufzustocken, um zusätzliche Schichten zu ermöglichen.
Lösungsvorschläge
Ist die S-Bahn Hannover nun ein Fluch für die Region Hannover? Ja, die Aufgabenträger Region Hannover, LNVG und NWL lassen hier mit sich spielen und müssen konsequent gegen Transdev vorgehen.
Denn gerade jetzt ist die Situation der S-Bahn sehr kritisch und muss definitiv verbessert werden. Meiner Meinung nach sollte Transdev höhere Strafzahlungen an die Aufgabenträger zahlen, da sie sich nicht an die versprochene Qualität hält, die sie laut Vertrag liefern sollte. Zudem müssen langfristige Ersatzkonzepte her, wie z. B. Züge von Drittanbietern zu mieten, was derzeit aber nur für einen kurzen Zeitraum getan wurde.
Wie stehst du zur S-Bahn Hannover? Fährst du vielleicht täglich mit der S-Bahn Hannover und würdest du auf die S-Bahn verzichten, wenn du die Möglichkeit hättest, mit dem Auto zu fahren?
