Wenn jeder einzelne Punkt zählt

Ein Text von Angelina aus dem Jahrgang 11.

Gedanken eines Neulings im Volleyball

Nicht jeder Punkt kann im Volleyball gerettet werden. Das wurde mir erst viel zu spät klar. Als ich vor zwei Jahren, im Jahr 2024, mit Volleyball angefangen habe, dachte ich nur: Was für ein interessanter Sport! Ich ahnte nicht, wie süchtig er machen kann. Talentiert oder begabt war ich am Anfang nämlich nicht. Ich musste mich mit harter Arbeit und viel Kraft durchkämpfen, um überhaupt spielen zu können. Ich kannte noch keine Techniken und hatte die Regeln nicht klar im Kopf. Wenn mir ein Fehler passierte, machte ich mich wegen eines einzigen Versehens den Rest des Trainings fertig. Aber darum geht es beim Volleyball nicht. Volleyball soll Spaß und Freude bringen und niemanden runterziehen. Und genau das tat es auch. Danach ging ich jeden Tag zum Training, um wieder einen Ball in den Händen zu halten und zu sehen, wie sich meine Fähigkeiten verbessern.

Ein Trainingstag mit zwei Stunden läuft bei uns so ab: Zuerst machen wir Aufwärmübungen. Danach wird zu zweit gepritscht und gebaggert. Darauf folgen spezielle Übungen, zum Beispiel für die Annahme oder den Block. Anschließend gibt es Angriffsübungen, damit die Angriffsspieler ihre Schlagkraft verbessern. Zum Schluss spielen wir alle zusammen. Die Reihenfolge ist immer dieselbe, und das finde ich gut, weil ich mich daran gewöhnen konnte: Aufwärmen, Pritschen und Baggern, spezielle Übungen, Angriffsübungen, Spiel. So konnte ich sie mir leicht merken.

Beim Durchführen der Übungen fühlte sich das Ganze aber nicht wie ein fester Ablauf an, sondern wie ein Videospiel. Jede Trainingsstation war ein Level, das ich besiegen wollte. Nehmen wir das Pritschen und Baggern: Am Anfang stand ich hier natürlich auf „Level 0“. Ich konnte den Ball nicht einmal richtig nach oben spielen und hatte bei ungünstigen Bällen Angst, mir die Knie am Boden aufzuschürfen. Doch mit der Zeit gab es nach jedem Training ein „Level up“, egal ob die Verbesserung klein oder groß war. Aus jedem Training bin ich mit mehr Können herausgegangen.

Früher war Volleyball für mich so etwas wie ein Stressball, den ich nach einem anstrengenden Tag benutzen konnte, um meine Sorgen und Schwierigkeiten für einen Moment zu vergessen. Heute löst Volleyball ganz andere Gefühle in mir aus, nämlich eine unerklärliche Besessenheit. Seit ich zum ersten Mal mein Trikot mit der Nummer 25 auf dem Rücken bekommen habe und endlich als Mittelblocker bei Spielen mitmachen durfte, bekomme ich Volleyball nicht mehr aus dem Kopf. Ständig denke ich darüber nach, wie ich mich verbessern kann, mit welchen Tricks ich meine Gegner täuschen kann und was ich tun kann, um mehr Punkte zu machen.

Genau um diese Gedanken geht es bei offiziellen Spielen. Sie unterscheiden sich stark von normalen Spielen, denn hier wird auf alles geachtet, und ein einziger Fehler kann den ganzen Satz kosten. Der Druck, den man mitten im Spiel spürt, besteht für mich aus Angst und ein bisschen Enttäuschung. Eine schlechte Leistung kann nämlich ziemlich unangenehme Gefühle auslösen, besonders in einem wichtigen Spiel. Aber genau solche Gefühle sind einer der Gründe, warum ich überhaupt weitermache. Die Aufregung und das Adrenalin beim Spielen fühlen sich an wie im Vergnügungspark. Natürlich gibt es auch Tage, an denen ich keine Aufregung spüre und mein Körper erschöpft ist. Aber das gehört dazu, denn Volleyball hat Höhen und Tiefen, die nicht immer leicht sind.

Wenn meine Mannschaft in einem offiziellen Spiel die Oberhand hat, fühle ich mich großartig, als könnte mich nichts mehr aufhalten. Die Energie ist unglaublich, und alle sind einfach gut gelaunt. An solchen Tagen schaue ich mir abends Videos von meinem Vorbild Paola Egonu an, einer Spielerin der italienischen Nationalmannschaft. So bleibt das Adrenalin in mir und ich spiele im nächsten Spiel doppelt so gut.

Abschließend möchte ich noch sagen, dass Volleyball eine Sportart ist, bei der man mental richtig fit sein muss. Im Spiel kann es Situationen geben, in denen sich ein kleiner Fehler anfühlt, als hätte er riesige Folgen. Deshalb sollte man sich bewusst machen, dass Volleyball ein Spiel voller Fehler ist und dass man sich Fehler erlauben darf, um sie danach zu verbessern. Darum finde ich den Spruch „Jeder Punkt zählt“ sehr erleichternd. Er erinnert mich daran, dass ich den Punkt, den ich durch einen Fehler verloren habe, im nächsten Spiel wieder zurückholen kann.

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