Meine Kindheit in Aleppo

Ein Text von Osama

Ich wurde 2009 in حلب (Aleppo) geboren. Als der Krieg in Syrien im Jahr 2011 begann, war ich erst zwei Jahre alt.

Für viele Menschen änderte sich durch den Krieg ihr ganzes Leben. Auch meine Familie war davon betroffen. Das Leben wurde immer schwieriger: Die Preise für Lebensmittel und andere Dinge stiegen und der Strom fiel ständig aus. Manchmal hatten wir nur ungefähr zwei Stunden Strom am Tag, meistens abends. Auch zwei meiner Onkel starben wegen des Krieges. Ihr Verlust war sehr schwer für meine Familie.

2015: Die Flucht meines Vaters

Im Jahr 2015 musste mein Vater Syrien verlassen. Das Assad-Regime wollte, dass er im Krieg kämpft und gegen das eigene Volk eingesetzt wird. Mein Vater war damit überhaupt nicht einverstanden. Deshalb hatte er Angst, dass er verhaftet werden könnte, und entschied sich, aus Syrien zu fliehen.

Seine Reise nach Deutschland dauerte ungefähr zehn Tage. Für meine Familie war es sehr schwer, von ihm getrennt zu sein. Wir wussten nicht genau, was in dieser Zeit passieren würde, und machten uns große Sorgen um ihn.

2017: Die Flucht aus dem Dorf

Eine Erinnerung werde ich wahrscheinlich nie vergessen. Während des Ramadan besuchten meine Familie und ich meine Oma in einem anderen Dorf. Am nächsten Tag kamen Soldaten und zwangen uns, das Haus zu verlassen, weil sie es als Schutz benutzen wollten. Sie sagten uns, wir sollten so schnell und so weit wie möglich weglaufen.

Ich verstand damals nicht alles, aber ich merkte an den Gesichtern der Erwachsenen, dass wir große Angst haben mussten. Deshalb liefen wir sofort los. Während wir flohen, mussten wir uns manchmal sogar beim Laufen ducken, weil Schüsse in unsere Richtung kamen. Ich war damals erst 7 oder 8 Jahre alt.

Die Suche nach Essen

Nach einer Weile gingen wir in ein fremdes Haus, weil die Kinder Hunger hatten. Die Erwachsenen fasteten wegen des Ramadan. Das Haus war leer, also gingen wir hinein und suchten nach Essen. Ein kleiner Junge fand etwas und rief: „!أكل! لقيت أكل“ Alle Kinder liefen sofort zu ihm.

Mein kleiner Bruder ging in die Küche, um nach mehr Essen zu suchen. Als er wieder aus der Küche kam, explodierte direkt daneben eine Bombe. Durch die Explosion wurde die Küche stark beschädigt. Ich hatte große Angst um meinen Bruder. Deshalb mussten wir diesen Ort sofort wieder verlassen.

Einige Stunden später gingen wir zum Haus meiner Oma zurück, um zu sehen, ob die Soldaten noch dort waren. Sie waren bereits weg, hatten aber unsere Vorräte mitgenommen.

2018: Familiennachzug nach Deutschland

Im Jahr 2018 konnten wir wegen des Familiennachzugs zu meinem Vater nach Deutschland kommen. Wir flogen vom Libanon nach Deutschland. Ich war sehr froh, dass wir endlich wieder mit meinem Vater zusammen sein konnten. Gleichzeitig war in Deutschland alles neu für mich und meine Familie: die Sprache, die Umgebung und das ganze Leben.

Mein neues Leben in Deutschland

Am Anfang hatte ich große Angst und verließ deshalb monatelang kaum das Haus. Ich fühlte mich unsicher und wusste nicht, wie ich mit den vielen Veränderungen umgehen sollte. Mit der Zeit wurde es jedoch besser. Irgendwann traute ich mich wieder nach draußen und lernte neue Freunde kennen.

Heute

Heute bin ich sehr froh, dass mein Vater nach Deutschland gekommen ist, um für sich und seine Familie ein besseres Leben aufzubauen. Ich bin dankbar, dass ich heute in einem sicheren und schönen Land leben darf.

Trotzdem denke ich manchmal an meine Kindheit und an alles zurück, was wir erlebt haben. Meine Vergangenheit werde ich nie vergessen. Gleichzeitig bin ich froh, dass ich heute hier bin und eine sichere Zukunft haben kann.

Wenn man an Syrien denkt, denken viele Menschen zuerst an die Ereignisse der letzten Jahre. Doch Syrien besitzt eine viel ältere Geschichte. Das Land liegt im Herzen des Nahen Ostens und war schon vor Tausenden von Jahren ein wichtiger Ort für Handel, Kultur und verschiedene Zivilisationen.

Eine Geschichte, die Tausende Jahre zurückreicht

Das Gebiet des heutigen Syriens gehört zum Fruchtbaren Halbmond einer Region in der sich einige der frühesten menschlichen Siedlungen entwickelten. Zu den bedeutenden antiken Städten gehörten Ebla und Mari. Dort wurden tausende Tontafeln gefunden die viel über das Leben, den Handel und die Politik der damaligen Menschen erzählen.

Später wurde Syrien von verschiedenen Reichen beeinflusst unter anderem von den Assyrern, Babyloniern, Persern, Griechen und Römern. Dadurch entstanden verschiedene Kulturen.

Palmyra und Königin Zenobia

Eine der bekanntesten antiken Städte Syriens ist Palmyra. Die Stadt lag mitten in der Wüste war aber ein wichtiger Handelsplatz zwischen dem Römischen Reich und dem Osten. Palmyra ist besonders für seine Tempel und langen Säulenstraßen bekannt. Heute gehören die Ruinen zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Mit Palmyra ist auch Königin Zenobia verbunden. Im 3. Jahrhundert n. Chr. regierte sie das Reich von Palmyra und stellte sich sogar dem mächtigen Römischen Reich entgegen. Am Ende wurde Palmyra von den Römern besiegt.

Damaskus und Aleppo

Damaskus ist die Hauptstadt Syriens und eine der ältesten dauerhaft bewohnten Städte der Welt. Im 7. Jahrhundert wurde sie unter den Umayyaden zur Hauptstadt eines großen islamischen Reiches. Besonders bekannt ist die Umayyaden-Moschee. Die historische Altstadt von Damaskus gehört heute zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Auch Aleppo hat eine sehr lange Geschichte. Die Stadt war über Jahrhunderte ein wichtiges Handelszentrum. Die berühmte Zitadelle von Aleppo gehört zu ihren bekanntesten Bauwerken.

Die syrische Kultur

Die syrische Kultur wurde durch viele verschiedene Völker und Epochen geprägt. Familie, Gastfreundschaft, Essen und Handwerk spielen eine wichtige Rolle.

Bekannte syrische Gerichte sind Kibbeh, Hummus, Fattoush, Taboulé und Schawarma. Auch Süßigkeiten wie Baklava und Ma’amoul gehören zur traditionellen Küche. Ein bekanntes traditionelles Produkt ist die Aleppo-Seife, die aus Olivenöl und Lorbeeröl hergestellt wird.


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