Rezension zu „Die drei Leben der Hannah Arendt“

Kann man Denken zeichnen? Ken Krimstein hat es versucht.

In „Die drei Leben der Hannah Arendt“ erzählt er das Leben einer der wichtigsten Philosophinnen des 20. Jahrhunderts als Graphic Novel: mit Sprechblasen, skizzenhaften Strichen und einer Hauptfigur, die fast immer eine Zigarette in der Hand hält.

Wir haben das Buch gelesen und uns gefragt, ob dieses Format der Sache gerecht wird.

Eine Graphic Novel ist eine längere, zusammenhängende Geschichte, die hauptsächlich mit Bildern und kurzen Texten erzählt wird. Sie ähnelt einem Comic, beschäftigt sich aber meistens mit komplexeren Themen und hat häufig einen größeren Umfang. In diesem Fall wird also nicht nur mit einem normalen Fließtext über Hannah Arendt erzählt, sondern ihr Leben wird durch Zeichnungen, Sprechblasen und erzählende Texte dargestellt.

Wir fanden diese Form passend, weil Hannah Arendts Leben ziemlich ereignisreich war. Das Buch erzählt unter anderem von ihrer Kindheit und Jugend, ihrem Studium, ihrer Beziehung zu Martin Heidegger, ihrer Flucht vor den Nationalsozialisten und ihrem späteren Leben in den USA. Dabei wird deutlich, dass ihre persönlichen Erfahrungen einen großen Einfluss auf ihr Denken hatten.

Uns hat besonders gefallen, dass Hannah Arendt nicht nur als berühmte Philosophin dargestellt wird. Wir bekommen auch einen Eindruck von ihrer Persönlichkeit. Sie wird als intelligente, neugierige und teilweise auch ziemlich eigenwillige Frau gezeigt, die ihre eigene Meinung hatte und sich nicht einfach an die Meinung anderer angepasst hat.

Die Zeichnungen sind eher skizzenhaft und teilweise etwas überspitzt. Trotzdem passen sie unserer Meinung nach gut zur Geschichte. Sie machen das Buch abwechslungsreich und helfen dabei, sich bestimmte Personen und Situationen besser vorzustellen. Dadurch ist das Buch auch leichter zu lesen als eine klassische Biografie.

Allerdings fanden wir das Buch an manchen Stellen etwas schwierig. Es werden viele Personen und historische Ereignisse erwähnt. Wenn man vorher noch nicht viel über Hannah Arendt oder die Zeit des Nationalsozialismus weiß, kann man deshalb schnell den Überblick verlieren. Auch ihre philosophischen Gedanken werden teilweise nur kurz erklärt. Wir finden deshalb, dass das Buch zwar einen guten Einstieg bietet, aber nicht ausreicht, wenn man sich ausführlicher mit ihrer Philosophie beschäftigen möchte.

Besonders interessant fanden wir den Teil über den Eichmann-Prozess. Hannah Arendt beobachtete 1961 in Jerusalem den Prozess gegen Adolf Eichmann und entwickelte dabei ihre bekannte Vorstellung von der „Banalität des Bösen“. Ihre Berichte waren damals sehr umstritten. Wir fanden es spannend, dass Arendt trotz der Kritik an ihren Gedanken festhielt und weiterhin versuchte, die Dinge kritisch zu hinterfragen.

Insgesamt hat uns „Die drei Leben der Hannah Arendt“ gut gefallen. Wir finden die Idee, das Leben einer Philosophin als Graphic Novel darzustellen, gelungen. Das Buch ist dadurch leichter zugänglich und beschäftigt sich trotzdem mit wichtigen Themen wie Freiheit, Verantwortung, Politik und Totalitarismus.

Wir würden das Buch vor allem Menschen empfehlen, die Hannah Arendt bisher noch nicht kennen. Man bekommt einen guten Überblick über ihr Leben und bekommt gleichzeitig Lust, sich danach genauer mit ihren Ideen zu beschäftigen.

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