Sieben Töchter, starke Mutter

Meine Mutter hat im Leben schon viele Herausforderungen meistern müssen, trotzdem ist sie nicht nur eine liebevolle Mutter, sondern auch ein sehr guter Mensch. Sie stellt die Bedürfnisse anderer oft über ihre eigenen und denkt zuerst an das Wohl ihrer Familie. Schon kleine Gesten zeigen ihre Selbstlosigkeit: Wenn zum Beispiel ein Stück Schokoladenkuchen zu wenig da war, hat sie darauf verzichtet, obwohl es ihr Lieblingskuchen ist. Solche Momente zeigen, wie sehr sie für andere da ist.

Dabei hatte sie selbst keine einfache Kindheit. Sie verlor ihren Vater mit elf Jahren, und die Ablehnung durch Gesellschaft und Familie, die ihr den Traum, Hebamme zu werden, verwehrte, begleitet sie bis heute. Später arbeitete sie als Friseurin und besaß sogar ihren eigenen Salon in ihrer Heimat. Doch aufgrund der Verantwortung für ihre Mutter musste sie den Salon schweren Herzens aufgeben. Besonders schwer war auch die Entscheidung, ihre sieben Töchter vorübergehend in Syrien zurückzulassen und alleine nach Deutschland zu gehen, damit wir eine bessere und sicherere Zukunft bekommen.

Trotz all ihrer eigenen Schwierigkeiten ist sie immer für uns da. Selbst meine älteren Schwestern suchen noch Rat bei ihr und finden bei ihr Geborgenheit, selbst mit über dreißig Jahren. Außerdem ist sie eine großartige Oma, die ihren Enkelkindern mit viel Liebe, Geduld und Fürsorge begegnet und ihnen genau die Wärme gibt, die sie selbst manchmal in ihrer Kindheit vermisst hat.

Auch wenn zwischen uns ein großer Altersunterschied liegt, hat sie immer versucht, mich so zu akzeptieren, wie ich bin. Streitigkeiten über Kleinigkeiten kommen zwar vor, aber nach kurzer Zeit ist alles wieder in Ordnung. Ihr Humor, ihre Geduld und ihr großes Herz machen sie zu einer besonderen Mutter und Großmutter, die unsere Familie jeden Tag unterstützt und bereichert.

Meine Fragen an meine Mutter: Kannst du dich bitte kurz vorstellen?

Antwort: Mein Name ist Lona Hussen. Ich bin 55 Jahre alt, ich bin Kurdin und komme aus Syrien. Ich bin Mutter von sieben Töchtern.

Wenn du dich selbst in drei Worten beschreiben müsstest, welche wären das?

Ich würde sagen, ich bin fleißig, zielstrebig und liebevoll. Fleißig, weil ich immer hart gearbeitet habe, um für meine Familie zu sorgen und viele Dinge gleichzeitig zu erledigen.

Zielstrebig, weil ich mir immer Ziele gesetzt habe und versucht habe, sie trotz aller Schwierigkeiten zu erreichen. Und liebevoll, weil mir die Kinder und die Familie immer am Herzen lagen und ich immer versucht habe, ihnen Aufmerksamkeit und Unterstützung zu geben.

Was bedeutet es für dich, Mutter zu sein?

Mutter zu sein bedeutet für mich, jeden Tag Verantwortung zu übernehmen sowohl in alltäglichen Aufgaben wie Kochen, Putzen oder Einkaufen, als auch bei wichtigen Entscheidungen, die das Leben meiner Kinder betreffen. Es heißt auch, für sie da zu sein, sie zu unterstützen und ihnen Sicherheit zu geben, damit sie Vertrauen und Selbstbewusstsein entwickeln können.

Wie war es für dich, sieben Töchter großzuziehen?

Es war sehr schwierig, weil es viel Energie, Geduld und Organisation erforderte, allen Kindern gerecht zu werden. Aber meine Liebe zu meinen Kindern war immer größer als jede Herausforderung.

Was war deine größte Herausforderung als Mutter?

Die größte Herausforderung war es, mehrere Kinder gleichzeitig zu erziehen und jedem einzelnen gerecht zu werden. Besonders schwer war es, meine Kinder vorübergehend in Syrien zurückzulassen, um nach Deutschland zu gehen und ihnen dort eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Es war eine Entscheidung, die viel Mut und Kraft erforderte.

Gab es eine besonders schwere Zeit als Mutter?

Ja, am Anfang meiner Mutterschaft. Ich bekam drei Kinder in drei aufeinanderfolgenden Jahren, und das war körperlich und emotional sehr anstrengend. Trotzdem habe ich nie aufgehört, für meine Kinder da zu sein und ihnen meine Liebe zu geben.

Welche Verantwortung hast du getragen, die oft als selbstverständlich galt?

Ich habe jeden Tag Verantwortung im Haushalt und in der Erziehung übernommen. Vieles wurde als selbstverständlich angesehen, wie zum Beispiel Kochen, Putzen oder die Kinder zur Schule bringen, aber es war eine große und wichtige Aufgabe, die viel Einsatz und Organisation erforderte.

Welche Entscheidung war für dich die schwerste?

Eine der schwersten Entscheidungen war es, meine Heimat zu verlassen. Besonders schwer war es, meine Kinder vorübergehend zurückzulassen, um ihnen eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Diese Entscheidung hat mich viel Kraft gekostet und war emotional sehr belastend.

Kannst du erzählen, wie du nach Deutschland gekommen bist?

Ja, das war eine sehr schwierige und anstrengende Zeit. Am 30. Juli 2014 bin ich in Deutschland angekommen. Eine Woche zuvor bin ich von Syrien in die Türkei gegangen unerlaubt, zu Fuß dann weiter von der Türkei nach Bulgarien, ebenfalls zu Fuß, weiter nach Rumänien und schließlich nach Österreich und nach Deutschland, immer zu Fuß und zwischendurch ab und zu mit Autos. Insgesamt waren wir acht Personen zusammen. Diese Reise in so kurzer Zeit war körperlich und emotional extrem belastend, aber ich wusste, dass sie notwendig war, um meinen Kindern eine sichere Zukunft zu ermöglichen.

Wie war dein Leben, nachdem dein Vater gestorben ist und du 11 Jahre alt warst?

Antwort: Nach dem Tod meines Vaters war mein Leben sehr schwer. Ich war die älteste Tochter und musste plötzlich viel Verantwortung übernehmen, obwohl ich selbst noch ein Kind war. Meine Mutter war damals schwanger und konnte nicht alles allein schaffen, trotzdem musste sie arbeiten, um unsere Familie zu versorgen. Ich habe meinen jüngeren Geschwistern geholfen, Aufgaben im Haushalt übernommen und versucht, meiner Mutter so gut es ging zu helfen. Diese Zeit war emotional sehr belastend, aber sie hat mich stark gemacht und mir gezeigt, dass ich Verantwortung tragen kann und für andere da sein muss.

Erinnerst du dich an eine besondere Kindheitserfahrung, die dich geprägt hat?

Ja, ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass ich mit fünf Jahren einmal in einen Brunnen gefallen bin. Zum Glück konnte ich rechtzeitig gerettet werden

Welche Entscheidung hat dich viel gekostet?

In jungem Alter zu heiraten hat mich viel gekostet. Wegen meiner Kultur musste ich viele eigene Träume aufgeben, zum Beispiel bestimmte berufliche Ziele oder persönliche Pläne, die mir wichtig waren. 

Was hast du aus schwierigen Situationen gelernt?

Ich habe gelernt, niemals aufzugeben und immer weiterzumachen. Auch wenn es manchmal sehr schwer ist, darf man die Hoffnung nicht verlieren und muss immer nach Lösungen suchen. 

Was findest du besonders wichtig für junge Frauen?

Für junge Frauen ist es besonders wichtig, nicht zu früh und nicht ohne Bildung oder Abschluss zu heiraten. Bildung und ein eigener Abschluss geben die Möglichkeit, selbstständig und stark zu sein und später eigene Entscheidungen im Leben treffen zu können.

Welche Träume hast du noch für dich selbst?

Ich würde sehr gerne wieder arbeiten und aktiv sein, weil mir meine Arbeit Freude bereitet und mir das Gefühl gibt, gebraucht zu werden. Aber im Moment ist es wegen meiner gesundheitlichen Lage sehr schwer. Ich muss auf meinen Körper achten und kann nicht alles so machen, wie ich es früher konnte.

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