Denkst du dran?

Meine Mutter: die Person, die immer hinter mir steht. Egal wo, egal wann.

Ob bei einem wichtigen Punktspiel, bei dem sie mir allein durch ihre Anwesenheit das Gefühl gibt, nicht alleine zu sein und an mich zu glauben, oder in den kleinen Momenten des Alltags, wenn ich morgens aus dem Haus gehe und vergesse, etwas einzupacken. Sie ruft mir dann hinterher oder schreibt mir eine Nachricht. Am nächsten Tag weiß ich, dass ich nicht noch einmal etwas vergesse, denn Mama erinnert mich daran.

Sie erkennt, wenn es mir schlecht geht. Ohne dass ich etwas sagen muss. Sie merkt, wenn ich reden möchte, wenn mir etwas auf der Seele liegt, aber auch dann, wenn ich meinen Freiraum brauche. Und sie akzeptiert beides.

Egal, worum es geht, ob es die Schule ist, über die ich mich wegen mancher Lehrer beschwere, oder nervige Situationen, die mir über den Tag passiert sind. Nichts wird kleingeredet, egal wie unwichtig es in dem Moment erscheinen mag. Als wäre es selbstverständlich.

Meine Mutter ist eine Person, die alles für ihre Familie tut. Jemand, der Verantwortung übernimmt. Das macht sich bemerkbar, wenn mittags gefragt wird, was wir essen wollen, und abends genau dieses Essen auf dem Tisch steht. Oder wenn am Wochenende die Bahnen nicht mehr regelmäßig fahren und sie dann, ohne sauer zu sein, unser Taxi spielt. Bei Konflikten findet sie meistens die richtigen Worte, sei es bei Diskussionen oder wenn jemand schlecht gelaunt ist. Ich weiß, dass es immer eine Person gibt, die zuhört.

Sie beginnt ihren Tag oft damit, ihn zu planen, während sie ihren Kaffee trinkt. Schon am Morgen denkt sie an das, was noch erledigt werden muss, an das, was wichtig ist, und an das, was vielleicht sonst niemand sieht. Sie übernimmt Verantwortung für den Haushalt, nicht weil es ihre Pflicht ist, sondern weil sie erkennt, dass wir alle viel zu tun haben. Wobei sie unsere Unterstützung hat.

Was sie tut, wirkt oft selbstverständlich. Gerade deshalb wird es leicht übersehen. Doch je älter ich werde, desto mehr merke ich, wie viel Aufmerksamkeit, Kraft und Fürsorge darin steckt.

Meine Mutter ist nicht nur jemand, der da ist, sondern jemand, der mitdenkt, auffängt und zusammenhält. Und genau das macht sie für mich so besonders.

Hallo Mama, stell dich als Erstes einfach mal vor. Was machst du in deiner Freizeit, was arbeitest du und was macht dich aus?

Mein Name ist Jana. Ich bin 45 Jahre alt. Ich habe vier Kinder. Ich arbeite in einem kleinen Geschäft, das meine Mutter geführt hat. Es ist ein Familienunternehmen, das schon vorher meiner Tante gehört hat und von ihr geführt wurde. Wir verkaufen Baby- und Kinderausstattung in Bioqualität. Das ist ein ganz schöner Job. Wir haben viele Kinder auch als Kunden und ich arbeite da sehr gerne. In meiner Freizeit nähe ich ganz gerne, meistens Kleidung. Aber ich kann auch Taschen nähen. Verschiedene kleine Spielsachen habe ich schon genäht und verschenkt. Ich singe seit 30 Jahren im Chor und war damals die Jüngste, die angefangen hat. Ich bin jetzt das längste Mitglied, das noch dabei ist. Ich habe auch 30 Jahre Handball gespielt, kann das jetzt allerdings aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr. Daher habe ich über viele Jahre ganz viele Freundschaften aus dem Handballverein gehabt, mit denen ich jetzt immer noch in Kontakt bin, meine Freizeit teilweise verbringe und mich regelmäßig treffe. Ansonsten bin ich viel beschäftigt, was alles die Kinder betrifft. Der Jüngste braucht immer noch ein bisschen mehr Fürsorge und ist auch noch viel auf meinen Transport angewiesen. Wir kochen auch ganz gerne mal zusammen.

Was hat dich früher ausgemacht, bevor du Mutter wurdest, was jetzt nicht mehr so präsent ist?

Früher waren mir Schule und Freundschaften innerhalb der Schule und auch nach der Schule sehr wichtig. Wir trafen uns immer auf einem Campingplatz, dort waren mir die Freundschaften sehr wichtig. Mit den Leuten habe ich mich regelmäßig jedes Wochenende getroffen. Wochentags ging ich zweimal die Woche babysitten und hatte damit also auch schon früh mit Kinderbetreuung zu tun. Das hat mir immer sehr viel Spaß gemacht, gleichzeitig habe ich damit auch ein bisschen Taschengeld bekommen. Außerdem habe ich ein bisschen in dem Geschäft meiner Tante gejobbt, in dem ich jetzt ja auch seit ein paar Jahren arbeite. Ich war Schülerin, bevor mein erstes Kind geboren wurde. Da war ich 19 Jahre alt. Maja ist als drittes Kind geboren, da war ich dann schon 28 und war ein bisschen darauf vorbereitet, was ein Baby so mit sich bringt.

Welche Ängste oder Zweifel waren da, über die man nicht offen spricht?

Die Angst, etwas falsch zu machen oder gänzlich zu versagen, dass die Kinder nicht genug Aufmerksamkeit bekommen, nicht genug versorgt sind, dass sie Probleme haben mit der Schule oder mit Freunden. Man will sie behüten und beschützen. Und das ist schwierig, darüber zu sprechen. Und trotzdem ist die Angst immer da, dass irgendetwas passieren könnte.

Wo hast du überall Verantwortung getragen?

Für alles habe ich die Verantwortung getragen. Ob die Kinder genug Kleidung haben, genug Essen, ob sie in den Sportverein gehen. Das sehe ich auch als selbstverständlich an.

Welche Erwartungen gab es daran, wie du als Mutter sein sollst?

Immer für die Kinder da zu sein, wird erwartet, denke ich. Einen Großteil ihrer Wünsche zu erfüllen. Und am wichtigsten eigentlich, dass man immer ansprechbar ist, dass man immer für die Kinder da ist. Das würde ich sagen. Das ist das Wichtigste, was die Kinder brauchen.

Welche Rolle haben Betreuung, Arbeitszeiten und Geld in deinem Alltag gespielt?

In meiner Vollzeitausbildung musste ich sehr viel Fremdbetreuung in Anspruch nehmen, sowohl durch eine Krabbelgruppe, also Vor-Kindergartenbetreuung, als auch die Betreuung durch Familienangehörige, durch Omas und Uromas. Auch Onkel und Tanten haben einen Großteil der Betreuung während meiner Arbeitszeit übernommen. Da ich die Ausbildung machte, war das Geld auch knapp. Als weitere Kinder dazukamen, natürlich auch, weil ich nicht mehr gearbeitet habe und damit kein eigenes Einkommen mehr hatte. Insofern war das Geld eher knapp als im Überfluss vorhanden.

Was hast du durch die Mutterschaft verloren oder zurückgestellt?

Ich habe für die Kinder gelebt und meine eigenen Interessen und Bedürfnisse zurückgestellt. Was man dann, wenn die Kinder größer geworden sind und die Betreuung gewährleistet war, sich auch wieder zurückgeholt hat. Aber gerade mit kleinen Kindern, mit Babys oder zwei Kindern, die nur zwei Jahre Altersunterschied hatten, ist die Freizeitgestaltung eher ausgefallen. Man hat die Kinder mitgenommen oder sie in Betreuung gewusst.

In welchen Momenten hat es Mut von dir verlangt?

Immer wenn ein Neustart war, wenn ein Kind in den Kindergarten kam oder ein Kind in die Schule kam. Das hat ganz viel Mut abverlangt, die Kinder loszulassen und zu sagen: das schaffen die, das können die alleine. Oder wenn sie irgendetwas Neues ausprobiert haben, wenn sie zum Sport gegangen sind und das dann alleine geschafft haben, dorthin zu fahren. Das hat immer ein Stück Mut gekostet zu akzeptieren, dass sie jetzt schon ein Stück größer geworden sind.

Würdest du heute etwas anders machen?

Ich würde versuchen, später in die Mutterschaft einzutreten, nicht mit 19 schon Mutter zu sein, sondern vielleicht auch vorher schon ein bisschen was von der Welt gesehen zu haben. Was man natürlich auch mit 45 noch machen kann, aber in einem anderen Maße.

Und jetzt zum Abschluss: Wenn du Mutterschaft in einem Satz beschreiben müsstest, wie würde dieser Satz lauten?

Es ist das Großartigste überhaupt, Mutter zu sein.

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