Emilia (16) über ihre Mutter Evelin (38)

Meine Mutter und ich sind uns unglaublich ähnlich.

Wir haben den selben Stil und die selben Interessen, wodurch sie nicht nur meine Mutter, sondern auch meine beste Freundin ist. Viele sagen ich komme nach meiner Mutter. Das fällt uns in vielen Gesprächen auch auf. Vor allem wenn es darum geht, dass meine Mutter in meinem Alter genau war wie ich es heute bin.

Meine Mutter ist diejenige, die nach Hause kommt und fragt, wie mein Tag war, wie es mir geht, ohne vorher über was anderes zu sprechen. Sie ist diejenige, die direkt merkt, wenn etwas nicht stimmt, selbst wenn man es versucht zu verstecken.

Sie zeigt mir immer wieder, dass ich mit ihr über alles reden kann, sie nimmt sich immer die Zeit für meine Probleme, auch wenn sie grade mit ihren eigenen beschäftigt ist. Ich kann mit ihr über ernste Sachen reden und im Nächsten Moment auch wieder mit ihr lachen.

Wenn ich an meine Mutter denke, denke ich nicht daran, wie sie am Herd steht oder die Wäsche macht, denn das ist nicht alles. Sie ist diejenige, mit der wir alles machen können, mit der wir viel Zeit verbringen. Wenn wir sie fragen ob sie Lust hat, was mit uns zu unternehmen, ist die Antwort fast immer ja. Ihr Alltag wirkt oft stressig und anstrengend, sie zeigt es aber meist nicht. Es kommt selten vor, dass sie zeigt, dass sie müde ist und sich am liebsten auf das Sofa legen würde. Wenn ich von der Schule komme habe ich meistens nicht mehr die beste Laune, was ich von meiner Mutter nicht behaupten könnte. Sie schließt die Tür, mit so einer guten Laune auf, dass es so wirkt, als hätte sie nicht einen achtstündigen Arbeitstag hinter sich.

Sie ist mit einer der aufmerksamsten Personen, die ich kenne. Ich erzähle ihr etwas, was sie sich neben allem, an was sie noch so denken muss, merkt, um im nächsten Gespräch wieder darauf aufmerksam zu machen oder mir eine Freude zu machen. Wenn ich ihr etwas über meinen Tag erzähle vergisst sie das auch nie, was mich sehr freut. Vor allem dankbar bin ich dafür, dass sie sich alles was ich erzähle, zu Herzen nimmt und das dann auch umsetzt oder darüber nachdenkt.

Wenn ich drüber nachdenke, merke ich erst, wie locker meine Mutter, im Vergleich zu anderen Eltern ist. Meine Mutter sagt immer, ich muss meine eigenen Fehler machen, um draus zu lernen. Das heißt nicht, dass ich alles darf, aber ich kann sagen, dass ich schon ganz schön viel Glück habe, sie zu haben.

Wenn ich meine Mutter beobachte, sehe ich eine Person, die schon über ihren nächsten Schritt nachdenkt, während sie noch bei ihrem jetzigen Schritt ist. Sie denkt immer voraus, auch wenn es um mich geht. Wenn meine Mutter einkaufen ist, denkt sie immer an meine Sachen, ohne, dass ich ihr was gesagt habe.

In dem Gespräch mit ihr, versuche ich noch mehr über ihre Persönlichkeit, neben ihrem „Mutter-sein“ herauszufinden. Dabei werde ich aber trotzdem auch auf ihr Empfinden der Mutterschaft eingehen.

Ich möchte auch wissen, was ihre Pläne gewesen wären, wenn sie nicht Mutter geworden wäre, ob es genau so geplant war oder ob sie diese Pläne nicht vielleicht trotzdem umgesetzt bekommen hat. Auch stelle ich ihr Fragen zu ihren Schwierigkeiten als Mutter und was es vielleicht schwierig gemacht hat.

Beschreibe dich in drei Worten, Mama.

Liebevoll, konsequent, humorvoll. Weil Liebe trägt, Klarheit stärkt und Humor verbindet.

Mich würde interessieren, was deine Pläne gewesen wären, wenn du keine Mutter geworden wärst?

Mein Plan war es in Richtung Medizin zu gehen. Mir war aber auch klar, dass ich unbedingt Kinder haben möchte, wodurch ich mich für einen anderen Beruf entschieden habe. Ein weiterer Plan war es ein bisschen mehr von der Welt zu sehen.

Was hat dich am meisten überrascht, als du Mutter wurdest?

Mich hat überrascht, dass Sorge und Glück oft gleichzeitig existieren, aber auch wie sehr sich Zeit verändert, dass Tage endlos wirken können, Jahre aber verfliegen, dass man sich selbst auch mehr kennenlernt und dass ein Lächeln, ein Wort, eine Umarmung den alltäglichen Stress verfliegen lassen können.

Welche Arbeit kam mit der Mutterschaft dazu?

Mit Arbeit kann man zum einen schlaflose Nächte verbinden, aber auch das Planen von Arbeit, Schule, Arztterminen, vor allem aber Fürsorge. Beruf und Familie zu vereinbaren. Bei all diesen Aufgaben darf man aber auch nicht vergessen sich selbst zu sehen. Mutterschaft ist ein Vollzeitjob mit Herz und Verantwortung rund um die Uhr.

Was hast du durch Mutterschaft zurückgestellt?

Ich habe vor allem meine eigene Zeit, wie zum Beispiel Hobbies, spontane Treffen oder Schlaf aufgeschoben. Wie schon gesagt habe ich berufliche Ziele und meine soziale Freiheit, wie zum Beispiel allgemeine spontane Entscheidungen zurückgestellt. Auch habe ich eigene Sorgen (Selbstfürsorge) hintenan gestellt. Aber es ist nicht auf Dauer – irgendwann bekommt man alles wieder zurück.

Was ist dauerhaft belastend, sowohl jetzt als auch anfangs?

Belastend ist der Schlafmangel und körperliche Erschöpfung, besonders in den ersten Lebensjahren. Psychischer Druck, wie Sorgen, Gesundheit, Zukunft und Schuldgefühle sind kräftezehrend. Nicht immer einfach ist die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit. Auch finanzielle Sorgen, die auftreten können sind belastend, sowie auch Konflikte innerhalb der Familie.

Würdest du heute etwas anders machen, woran du früher nicht gedacht hast?

Ich würde nicht viel verändern wollen. Ich würde mich nur weniger als Mutter, sondern mehr als Frau mit eigenen Bedürfnissen, Interessen und Wünschen sehen. Ich würde uns weniger als Eltern sehen und der Partnerschaft mehr Raum geben, sowie sie bewusster pflegen.

Wenn du Mutterschaft in einem Satz beschreiben müsstest, wie würde dieser Satz lauten?

Mutterschaft heißt loszulassen und trotzdem immer da zu sein.

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