Der Druck, gute Noten zu erzielen und hohe akademische Leistungen zu erbringen, kann für viele Schüler zu einer täglichen Quelle von Stress und Angst werden. Diese Art von Leistungsdruck hat weitreichende Auswirkungen auf die psychische Gesundheit von Schülern und kann zu Erschöpfung, Burnout und sogar zu einer Abneigung gegen das Lernen führen. Angesichts dieser Herausforderungen ist es wichtig zu fragen, wie das Bildungssystem und die politischen Entscheidungsträger reagieren sollten, um den Stress zu minimieren und eine unterstützendere Lernumgebung zu schaffen. Ein innovatives Experiment in Sachsen, bei dem 11 Schulen eine „Schule ohne Noten“ testen, bietet einen interessanten Ansatzpunkt zur Diskussion dieser Fragen.
Die Herausforderungen des traditionellen Schulsystems
Traditionelle Schulsysteme basieren oft auf einer strengen Bewertung durch Noten, die als direkte Messung der Leistung und des Verständnisses von Schülern in verschiedenen Fachbereichen angesehen werden. Diese Noten können entscheidend sein für den Zugang zu weiterführenden Bildungswegen oder beruflichen Möglichkeiten, was den Druck auf die Schüler weiter erhöht. Der Fokus auf Noten kann dazu führen, dass Schüler eher lernen, Prüfungen zu bestehen, anstatt Wissen zu erlangen und kritische Denkfähigkeiten zu entwickeln.
Der Ansatz in Sachsen: Schule ohne Noten
In Sachsen wird dieser traditionelle Ansatz in Frage gestellt durch das Pilotprojekt „Schule ohne Noten“. Diese Schulen versuchen, den Schülern den Leistungsdruck zu nehmen, indem sie alternative Bewertungsmethoden einführen, die nicht auf traditionellen Noten basieren. Diese Methoden konzentrieren sich mehr auf individuelle Fortschritte, Kompetenzen und die ganzheitliche Entwicklung der Schüler. Solche Ansätze können helfen, den Schülern ein detaillierteres Feedback zu geben, das über das einfache Endergebnis einer Prüfung hinausgeht und ihnen erlaubt, ihre eigenen Stärken und Schwächen besser zu verstehen und daran zu arbeiten.
Möglichkeiten und Herausforderungen der Umsetzung
Die Umsetzung einer „Schule ohne Noten“ stellt sowohl Möglichkeiten als auch Herausforderungen dar. Zu den Vorteilen gehört die Reduzierung von Prüfungsangst und die Förderung einer Lernkultur, die Neugier und eigenständiges Denken schätzt. Schüler könnten sich eher als aktive Teilnehmer an ihrem Bildungsprozess fühlen, anstatt als passive Empfänger von Bewertungen.
Viele Schüler leiden fast täglich unter Schulstress und Leistungsdruck in der Schule, aber wie müsste sich die Schule als Institution und die Politik verändern, um den Stress von den Schülern zu nehmen? Und ist dies überhaupt umsetzbar? In Sachsen testen 11 Schulen, Schule ohne Noten, um den Schülern den Leistungsdruck und den Schulstress, der auf den Schülern liegt, zu nehmen.
Die Grundschule Emil Ufer testet dies in einem 4-Jahres-Zeitraum aus, mit großen Hoffnungen für die Zukunft. Dafür wurde eigens ein neues Bewertungssystem entwickelt, mit z. B. 17 verschiedenen Punkten im Werkunterricht, um beispielsweise nicht nur das Endergebnis, sondern auch Kompetenzen und Stärken wie beispielsweise Einfallsreichtum in die Bewertung mit einfließen zu lassen. Jeder Punkt wird für jeden Schüler individuell bestimmt, somit werden den Schülern sowohl gute als auch schlechte Punkte aufgezeigt, was den Leistungsdruck mildern kann und zu einem besseren Schulklima führen kann. Eine befragte Person berichtet von Ähnlichem: „Ich würde es besser finden, wenn ich mehr zu meiner persönlichen Entwicklung in der Schule erfahren würde.“
Vor allem aber ist dies ein perfektes Beispiel, um zu zeigen, dass Schule bereits im Wandel ist. Die Institutionen sind bereit, die alten Systeme aufzubrechen und neu und verbessert zu modellieren. Dies findet statt, um den Schülern und Schülerinnen ein besseres Schulleben zu ermöglichen, indem Kinder keine Angst vor der Schule haben müssen. „Die Schule hilft mir zwar, Angst zu bewältigen, aber es ist immer noch nicht genug, damit ich keine Angst habe, in die Schule zu gehen“, sagte eine anonyme Person des 12. Jahrgangs.
Die Politik muss offener für Neuerungen werden und das Budget der Schulen erhöhen, um mehr solcher Pilotprojekte finanzieren zu können. Das Weglassen von alten Normen und Umdenken in der Schulpolitik und schulintern ist ein wichtiger Schritt in Richtung Innovation der konventionellen Schule und in Richtung Minderung des Schulstresses.
Zusätzlich könnten beispielsweise im Politikunterricht die versteiften Lehrpläne etwas gelockert werden und die Möglichkeit erhalten, aktuelle Ereignisse zu thematisieren. Solch aktuelle Themen haben für die Schüler mehr Relevanz und sind ebenfalls auch nahbarer, da sie auch in Nachrichten besprochen werden und medial präsent sind. Dadurch entsteht für die Schüler spannenderer, interessanterer Unterricht, und sie nehmen ebenfalls durch besagte Nachrichten etwas Vorwissen mit. „Ich will auch nicht nur ständig so langweiligen Unterricht haben, sondern auch ein bisschen über eigene Interessen arbeiten“, so sagte ein anonymer Schüler aus dem 10. Jahrgang. Durch die Aktualität ist es ebenfalls einfacher, über die Themen zu recherchieren, was den Schulstress zu Hause mindert. Zusätzlich kann man sich mit Nachrichtensendungen und seriösen Social-Media-Kanälen, wie z. B. dem Instagram-Kanal der Tagesschau, leichter und schneller informieren, statt sein Schulbuch durchzublättern. Diese These wird von einer anonymen Schüleraussage aus dem 11. Jahrgang gestützt, die dazu meinte: „Ich finde es richtig, dass man die Lehrpläne ändern sollte. Wir lernen so viele Sachen auf einmal, die man später so nie wieder braucht, und haben gar keine bis kaum Zeit, uns auf unsere Hobbys und Freizeit zu freuen. Das macht einfach nur Druck.“
Eine weitere Möglichkeit ist die Flexibilisierung des Unterrichts. An Montessori-Schulen wird dies bereits praktiziert. Hierbei können die Schüler und Schülerinnen selbst wählen, in welchen Unterricht sie gehen möchten. Da jeder Unterricht zur selben Zeit stattfindet, kann der Schüler bei Bedarf mehr z. B. Mathe lernen. Wenn ein Problem in einem Fach besteht oder eine Klausur ansteht, muss der Schüler nicht im Geschichtsunterricht sitzen, obwohl er diese Stunde gar nicht braucht, sondern kann sich mit einer zusätzlichen Stunde Mathe besser auf die Klausur vorbereiten. Auch in Hannover gibt es eine Montessori-Schule am Maschsee, die diese Praktiken bereits umsetzt. Eine Schülerin ist seit der 11. Klasse auf der Montessori-Schule und hat berichtet, dass der flexible Stundenplan durch die gesteigerte Individualität den Unterrichtsstoff viel besser vermitteln kann bzw. die Chancen, ihn zu verstehen, viel höher sind, durch die Möglichkeit, die Stunde noch einmal zu wiederholen.
Auch Testersatzleistungen statt Tests und Klausuren können zur Reduzierung des Schulstresses beitragen. Testersatzleistungen werden von den meisten Schülern als einfacher und somit auch als entspannter wahrgenommen und sind somit eine innovative Umdenke zu konventionellen Tests, um den Schulstress weiter zu reduzieren. Eine weitere Aussage von einem anonymen Schüler aus dem 11. Jahrgang bestätigt diese Annahme: „Das Prüfungssystem ist total unfair. Es kommt einfach nur auf ein paar Klausuren an, und wenn man da einen schlechten Tag hat, ist sofort die ganze Note im Eimer. Ich fände es besser, wenn man mehr mündlich oder Projekte machen könnte und nicht immer diesen ganzen Klausurenstress hat.“
Jedoch muss auch bei diesen Systemen mit der Norm gebrochen werden, und es muss der Wille und das Interesse zur Veränderung und Innovation in der Schule bei den Schulleitern und bei den Landesbildungsminister*innen bestehen, um solch ein Vorhaben durchzusetzen, und das Budget der Schulen muss hierzu angepasst werden. Im Angesicht all dieser Ideen und Innovationen und dem bereits teilweise gezeigten Willen zur Neuerung kann man zuversichtlich davon ausgehen, dass das Schulsystem in Zukunft viele Veränderungen zugunsten der Schüler vornehmen wird, um das Schulleben entspannter und weniger stressig zu gestalten.
