Ein Beitrag von Franzi, Cennet und Fabienne.
In einer Welt, die sich ständig wandelt und zunehmend vernetzt ist, stehen Jugendliche vor Herausforderungen, die weit über die traditionellen Grenzen von Schule und Freizeit hinausgehen. Der Druck, schulisch und sozial zu glänzen, ist allgegenwärtig und wird durch die immerwährende Präsenz sozialer Medien intensiviert. Schulstress, ein Phänomen, das bereits tief in den Alltag vieler Schülerinnen und Schüler eingebettet ist, erhält durch die rasante technologische Entwicklung und die sich wandelnden familiären Strukturen neue Dimensionen. In unserem Interview mit dem Psychotherapeuten Jakob Fertmann beleuchten wir die subtilen und oft unterschätzten Auswirkungen von Schulstress und sozialer Isolation auf Jugendliche. Dieses Gespräch öffnet nicht nur die Türen zu den persönlichen Kämpfen und Ängsten, die viele junge Menschen heutzutage erleben, sondern bietet auch Einblicke in praktische Lösungsansätze, die Resilienz und Heilung fördern können.
Wir haben zunächst mit einer Schülerin gesprochen, um ihre persönlichen Erfahrungen mit Schulstress und dessen Auswirkungen auf ihr Leben zu verstehen.
Die Schülerin beschreibt Schulstress als Belastung, die vor allem durch Hausaufgaben und das Lernen für Tests entsteht. Diese Anforderungen führen bei ihr oft zu Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten und Demotivation. „Besonders in Fächern wie Englisch, wo mir die Grundlagen nie richtig vermittelt wurden und die Anforderungen ständig steigen, spüre ich einen enormen Druck“, erklärt sie. Auch ihr Sozialleben leidet unter dem Stress. Obwohl sie engen Kontakt zu ihren Freunden pflegt, wird dieser soziale Kreis oft zu einem Ort, um über Schulstress zu sprechen, was ihr hilft, ihn zu bewältigen. „Im Gespräch mit Freunden kann ich meinen Stress abbauen“, sagt sie. Auf die Frage nach langfristigen Auswirkungen von Schulstress äußert die Schülerin Bedenken: „Stress kann langfristige Folgen haben, da er Angst vor zukünftigen Stresssituationen schürt. Diese ständige Angst ist eine große Belastung.“
Sie meint, dass ein gewisses Maß an Stress zum Schulalltag gehört, warnt jedoch davor, dass dieser nicht zu stark werden sollte. „Ein bisschen Stress ist normal, aber wenn er körperlich und psychisch spürbar wird, ist das ein Zeichen, dass man eingreifen muss“, betont sie. Die Schülerin ist der Ansicht, dass Schulen mehr zur Stressprävention beitragen sollten: „Es sollte mehr Verständnis und Unterstützung für Schüler geben, die unter Stress leiden. Schulen könnten zum Beispiel Projektwochen zum Thema Stressbewältigung organisieren, besonders für jüngere Jahrgangsstufen.“
Ihre Erfahrungen zeigen deutlich, dass es notwendig ist, in Schulen offen über Stress und psychische Gesundheit zu sprechen und präventive Maßnahmen zu ergreifen, um das Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler zu fördern.
Eine Lehrkraft an unserer Schule beobachtet, dass sich der Stress bei Grundschülern häufig körperlich äußert. „Jüngere Kinder zeigen oft Kopfschmerzen oder Bauchschmerzen, wenn sie gestresst sind“, erklärt sie. Jugendliche, insbesondere die in Abschlussklassen, zeigen dagegen eher, ob sie gelernt haben, gesund mit Stress umzugehen. „Einige Jugendliche können Stress als Teil ihres Alltags akzeptieren und ihn bewältigen, während andere deutliche Zeichen von Überforderung zeigen“, fügt sie hinzu.
Die Ursachen für den Schulstress sind vielfältig. Familiäre Probleme, Prüfungsdruck und der zunehmende Einfluss sozialer Medien sind nur einige der Belastungsfaktoren, die viele Schüler:innen erfahren. Langfristig kann anhaltender Stress zu schwerwiegenden Problemen führen, wie sozialem Rückzug, Selbstverletzung oder Vermeidungsverhalten, was die Persönlichkeitsentwicklung und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Als Lehrkraft betont sie die Wichtigkeit der Förderung von Selbstorganisation und Priorisierung. „Es ist entscheidend, Schüler:innen früh beizubringen, wie sie Herausforderungen aktiv angehen und bewältigen können“, sagt sie. Eine strukturierte Jahresplanung und klare Strukturen im Schulalltag können ebenfalls dazu beitragen, den Stress zu reduzieren. In schweren Fällen sieht die Lehrkraft die Notwendigkeit therapeutischer Unterstützung. „Manchmal reicht das schulische und familiäre Umfeld allein nicht aus, um den Schüler:innen die notwendige Unterstützung zu bieten. Professionelle Hilfe kann dann einen entscheidenden Unterschied machen“, erklärt sie.
Wir führten ein Gespräch mit Jakob Fertmann, einem erfahrenen Kinder- und Jugendpsychologen vom Bult-Zentrum für Kinder und Jugendliche, um ein tieferes Verständnis darüber zu gewinnen, wie Schulstress das soziale Leben von Jugendlichen beeinflusst.

Jakob Fertmann erklärt, dass Schulstress vorwiegend durch äußere Faktoren wie Leistungsdruck und familiäre Probleme entsteht. Er betont jedoch, dass nicht jeder, der Schulstress erfährt, zwangsläufig erkrankt, aber ohne geeignete Bewältigungsstrategien können ernsthafte Probleme entstehen. „Eltern und Lehrer sollten auf Warnsignale achten, wie Verlust der Freude am Alltag oder Schwierigkeiten im Lernverhalten und sozialen Umgang“, rät Fertmann. Ein besonderes Augenmerk legt der Psychotherapeut auf die soziale Isolation, die oft eine Folge von ungelöstem Stress ist. „Jugendliche, die sich aus ihrem sozialen Umfeld zurückziehen, erleben häufig tiefgreifende negative Konsequenzen. Soziale Interaktionen sind essenziell für die Entwicklung und das Wohlbefinden“, erklärt er. Soziale Medien spielen eine komplizierte Rolle im Leben moderner Jugendlicher. Sie können einerseits Vergleichsdruck und eine ständige Erreichbarkeit erzeugen, andererseits aber auch wichtige Plattformen für Unterstützung und Austausch bieten. Fertmann diskutiert auch die Time Displacement Theorie: „Die Zeit, die früher für direkte soziale Interaktionen genutzt wurde, wird nun oft durch soziale Medien ersetzt, was zusätzlichen Stress verursachen kann.“

Auf die langfristigen Effekte von Schulstress angesprochen, weist Fertmann auf die vielfältigen physischen und psychischen Symptome hin, die von Schlafstörungen und Kopfschmerzen bis zu Angstzuständen und Depressionen reichen können. Diese Symptome beeinflussen nicht nur die schulischen Leistungen, sondern auch das allgemeine Wohlbefinden und die Lebensqualität der Jugendlichen. Zum Abschluss des Gesprächs unterstreicht der Therapeut die Bedeutung der Unterstützung durch Freunde und Familie: „Es ist wichtig, dass Jugendliche wissen, dass es in Ordnung ist, Hilfe zu suchen. Freunde und Familie können eine wichtige Rolle spielen, indem sie unterstützend wirken und auf die Bedeutung professioneller Hilfe hinweisen, wenn nötig.“
Unser Gespräch zeigt, wie komplex die Thematik des Schulstresses ist und wie wichtig es ist, ein unterstützendes Umfeld zu schaffen, das Jugendlichen hilft, effektiv mit Stress umzugehen und sozial aktiv zu bleiben.
