Ein Beitrag von Cennet und Meryem
Hallo Ann-Kathrin, wie wär es, wenn du dich einmal vorstellst?
Ich bin Ann-Kathrin Hielscher, ich bin Mutter, 39 Jahre alt, unterrichte die Fächer Deutsch und Gesellschaftslehre hier an der Schule und habe eine sechste Klasse als Stammgruppenleitung.
Bist du früher gerne zur Schule gegangen?
Ich muss ganz ehrlich sagen, ich bin wirklich gerne zur Schule gegangen, also vor allem bis Klasse 10 hat mir das immer sehr viel Spaß gemacht und auch, weil meine Freunde da waren und ich die Themen interessant fand. Das hat dann in der Oberstufe so ein bisschen nachgelassen, aber ich war insgesamt gerne in der Schule.
Unterrichtest du lieber in der Ober- oder in der Mittelstufe?
Ich glaube, dass es die Mischung macht. Also ich bin sowohl gerne in der Mittelstufe als auch in der Oberstufe, obwohl man schon sagen muss, dass man da doch ein anderer Lehrertyp ist. Also je nachdem, ob man bei den Kleinen unterrichtet oder halt bei den etwas Älteren, ist man einfach auch ein anderer Lehrertyp, habe ich das Gefühl. Ich finde, es macht beides Spaß, aber vielleicht bin ich tendenziell lieber bei den etwas Älteren, weil man da ein bisschen lockerer sein kann und ja, auch mal ein paar Späße machen kann. Kann man natürlich bei den Kleinen auch, aber es fällt einem bei den etwas Älteren ein bisschen einfacher.
Wie lange bist du schon Lehrerin und wie lange bist du schon auf dieser Schule?
Lehrerin bin ich mit dem Referendariat seit 2012, und 2014 bin ich dann auch genau an dieser Schule, also jetzt seit zehn Jahren.
Was denkst du über die Lehrpläne und was würdest du gerne ändern?
Da fällt mir gerade ein bisschen das KC in Gesellschaftslehre ein, was verändert wurde. Da bin ich als Geschichtslehrerin nicht ganz so zufrieden mit, weil das Fach Geschichte etwas stiefmütterlich behandelt und auch sehr reduziert wird und man gar nicht mehr richtig die Zusammenhänge beleuchtet, sondern das Fach immer nur um Teilaspekte geht. Ich glaube, das fällt den Schülern schwer, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, wenn das nur auf einen Punkt fokussiert ist und die Zusammenhänge gar nicht klar sind.
Was machst du gerne in deiner Freizeit?
Ich habe ja zwei Kinder, die beschäftigen mich auf jeden Fall, die ganzen Verabredungen organisieren oder die Kinder wohinfahren. Aber ich habe auch das Lesen wieder für mich entdeckt und lese gerne am Abend oder schaue einen schönen Film.
Bezieht sich dein Beruf auf dein Privatleben?
Natürlich, da die Unterrichtsplanung und die Korrekturen ins Privatleben fallen. Also da muss man immer schon organisieren, am Wochenende: Wer übernimmt die Kinder? Das würde ich sagen. Dass man auf jeden Fall auch im Privatleben gut organisiert sein muss und den freien Tag auf jeden Fall nutzen muss. Das ist gar nicht so einfach, finde ich, da so einen Kompromiss zu finden und die Kinder auch nicht zu vernachlässigen.
Welchen Einfluss hatten deine Lehrer:innen auf deine Entscheidung, selbst Lehrerin zu werden?
Ehrlich gesagt, gar keinen. Natürlich habe ich ein paar Lehrer:innen, die mir bis heute noch in Erinnerung geblieben sind, die aber gar nicht so ein riesiges methodisches Repertoire hatten und mich auch gar nicht dazu bewegt haben, Lehrerin zu werden. Ich habe selbst bemerkt, dass mir das Unterrichten Spaß macht.
Was war als Kind dein Traumberuf?
Ich war eines von den Kindern, die gar keinen Traumberuf hatten. Wenn wir jetzt vielleicht meine Eltern fragen würden, würden sie etwas anderes sagen, aber ich erinnere mich jetzt nicht an einen Traumberuf. Früher hatte ich mir mal vorstellen können, Medizin zu studieren, aber ansonsten hatte ich keinen richtigen Traumjob.
Hast du schon einmal Rassismus in dieser Schule erlebt?
Ja, dass dann rassistische Äußerungen getätigt wurden gegenüber Schülern mit Migrationshintergrund, das ist mir schon aufgefallen, aber jetzt in den letzten Jahren – ich glaube so zu Beginn meiner Tätigkeit hier an der Schule – eher weniger. Aber es hält sich noch in Maßen.
Welche Superkraft hättest du gern?
Aufgrund dessen, dass ich zwei Kinder habe: Zeit schaffen oder Zeit überspringen, dass ein Tag mehr als 24 Stunden hat oder ich einfach Dinge viel schneller schaffen könnte. Ich glaube, das wäre eine Fähigkeit, die mir ganz gut tun würde, dass man auch noch mal Zeit für sich hat.
Gibt es ein Ziel oder einen Traum, den du gerne in deinem Beruf oder Privatleben erreichen möchtest?
Beruflich erst mal nicht, da bin ich erst mal zufrieden so, wie es ist. Privat würde ich einfach gerne wieder mehr reisen, das ist etwas, was mir länger im Hinterkopf herumschwebt. Ich würde gerne mal wieder außerhalb Europas reisen, das wäre so etwas, was ich bald mal wieder gerne machen möchte.
Was würdest du angehenden Lehrer:innen raten, die gerade anfangen?
Sich nicht demotivieren zu lassen. Ich glaube, gerade das Referendariat ist ziemlich hart. Ich glaube, man muss an sich selber glauben und wissen, wo man hin will, sich da nicht verunsichern zu lassen und immer versuchen, sich zu verbessern, reflektiert zu sein, Fehler zu akzeptieren, aber dann auch das Beste daraus zu machen und es beim nächsten Mal einfach besser zu machen und das, was korrigiert wurde, irgendwie umzusetzen. Einfach Spaß am Job haben und sich nicht verstellen. Die Schüler merken es, wenn Lehrer eine andere Rolle spielen. Man sollte in der Beziehungsebene mit den Schülern arbeiten.
Wie möchtest du gerne von Schüler:innen in Erinnerung bleiben?
Ich würde sagen, als faire Lehrkraft, jemand, der fair ist, mit dem es auch mal vielleicht lustig sein kann, bei dem man was lernt und mit dem man auch in Kontakt treten kann nach der Schulzeit. Wenn man sich dann irgendwo mal über den Weg läuft, dass man nicht schnell auf den Boden guckt, sondern dass man sich freut, sich zu sehen, dass man noch mal etwas voneinander hört und, wie gesagt, man sich offen begegnet und sich freut, dass man sich sieht.
