Ein Interview von Franzi, Diden und Eleni.

Magst du dich einmal bitte vorstellen? Na klar. Ich bin Johannes Stagge, ich unterrichte Mathematik und Sport hier. Ich bin im Referendariat, und das sind jetzt meine ersten Monate hier, die ich an der Schule bin.
Warum ausgerechnet diese beiden Fächer? Mathematik ist schon meine Leidenschaft, also ich liebe die Mathematik noch mehr als Sport. Ich bin aber sehr, sehr sportlich aufgewachsen, habe immer Sport gemacht. Mein Vater ist Fußballtrainer gewesen. Ich selbst habe ganz früh angefangen, Fußball zu spielen und andere Sportarten. Deswegen bin ich sehr sportaffin.
Was machst du gerne in deiner Freizeit? Ich habe ein kleines Baby, das nimmt gerade sehr viel Zeit ein, der kleine Juri. Ich habe viel Teqball gespielt in der letzten Zeit. Neben der Schule hier unterrichte ich noch bei Hannover 96 im Nachwuchsleistungszentrum Mathematik. Das würde ich nicht zwingend als Freizeit betiteln, eher als Hobby, weil es einfach Spaß macht.
Bist du früher gerne zur Schule gegangen? Ich bin gerne zu den Fächern gegangen, die ich mochte. Ich sollte es vielleicht nicht sagen, aber ich habe in der Sek. II bzw. im Abitur sehr viele Stunden verpasst, auf die ich nicht so viel Lust hatte. Aber Mathematik und Sport, solche Fächer, da war ich schon sehr gerne. Und allgemein das Zusammenleben in der Schule mit Freunden, das war schon sehr gut, das habe ich auch sehr gerne gemacht. Ich war nur nicht gerne in jedem Unterricht.
In welchen Fächern warst du früher besonders gut? Ja, in den Fächern, in denen ich jetzt auch bin, also Mathematik und Sport. Aber auch Physik, die Naturwissenschaften haben mir gelegen. Sprachlich war ich eine Niete, war nicht so gut, aber Naturwissenschaften waren super. Sport top.
Was war als Kind dein Traumberuf, und hättest du gedacht, dass du den jetzigen Weg einschlägst? Ich bin mir gar nicht sicher, was mein Traumberuf war. Bestimmt als kleines Kind, als kleiner Junge, Fußballprofi werden, so wie es eigentlich alle wollen. Ich habe heute mit meiner Mutter noch darüber geredet und sie gefragt, was mein Ziel war, was ich machen wollte. Sie hat relativ früh gesagt, dass ich schon immer mit jungen Menschen arbeiten und etwas bewegen wollte, und deswegen passt das auch ganz gut zu dem, was ich jetzt geworden bin. Natürlich kein Fußballprofi, aber hier an der Schule zu arbeiten, ist schon schön.
Wie bist du darauf gekommen, dein Referendariat hier an der Schule zu machen? Das habe ich mir tatsächlich nicht ausgesucht. Man kann sich hier auf die Studienseminare bewerben. Ich habe mich für Hannover beworben, habe in Hannover eine Stelle gekriegt, und dann werden einem Schulen zugeordnet, je nach Bedarf. Die IGS Roderbruch hatte Bedarf. Ich habe es mir zwar nicht ausgesucht, aber bin froh, dass ich hier gelandet bin.
An welche Schule hast du vor zu gehen, wenn du Lehrer wirst? Das habe ich mir noch nicht abschließend überlegt. Zum einen würde ich sagen, ich bin ja schon Lehrer, auch wenn ich im Referendariat bin, bin ich trotzdem schon eure Lehrkraft. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass das Konzept der integrierten Gesamtschule schon etwas für mich ist, weil es mir sehr viel Spaß macht. Ich finde es hier super schön, die Atmosphäre, wie hier sozial miteinander umgegangen wird, macht mir sehr viel Spaß. Ich glaube trotzdem, dass ich mir auch mal ein reines Gymnasium anschauen möchte, wenn ich durch bin.
Unterrichtest du lieber in der Sekundarstufe I oder Sekundarstufe II? Eigentlich ist die Antwort ganz klar: in der Sekundarstufe II. Je älter die Schülerinnen und Schüler sind, umso mehr kann man mit ihnen machen, umso spannender sind die Themen, gerade in der Mathematik. Ich finde es viel schöner, über Dinge zu reden, wo es richtig abgeht, und nicht multiplizieren und addieren oder Brüche erklären – auch wenn man das in der Elften auch noch machen muss. Also, wo richtig Substanz dahinter ist, macht mir viel mehr Spaß. Wobei ich jetzt auch gerade merke, dass ich in meiner fünften Klasse sehr schnell Entwicklungsschritte mitbekomme, und das ist auch super schön. Da hat man zwar einen anderen Auftrag, mit ein bisschen mehr Erziehen, damit der Unterricht funktioniert, aber es ist schon klar: definitiv Sek. II.
Wie lange bleibst du wach, um deinen Unterricht vorzubereiten? Es ist komplett unterschiedlich. Ich würde sagen, ich habe gerade den Luxus, dass ich nur sechs Stunden eigenverantwortlich habe. Ich habe die 11/5 vier Stunden in Mathe und noch zwei Stunden Sport in der Fünften. Das heißt, ich habe nicht unfassbar viel vorzubereiten. Nichtsdestotrotz, mit Kind, kann es gut mal sein, dass ich bis 12 Uhr nachts oder auch mal bis halb zwei an der Vorbereitung sitze. Es macht mir aber auch Spaß, gerade die Gedanken in der Mathematik, wie ich das hinbekomme, dass sie die Dinge verstehen – das ist schon cool.
Wie siehst du die Balance zwischen technologiebasiertem Lernen und traditionellem Lernen? Ich finde es gerade in der Mathematik super, dass wir mit iPads arbeiten, dass wir GeoGebra auf dem iPad haben, dass ich einfach Dateien rumschicken kann, dass ich nicht so viel ausdrucken muss, dass man selber mit mathematischen Werkzeugen arbeiten kann, dass man Lösungen einfach mal an die Tafel werfen kann – das finde ich schon sehr gut. In der Sporthalle ist es schon ein bisschen schwieriger, aber ich habe auch da in der Elften, wo ich einen Handstützüberschlag gemacht habe, gesagt, kommt, bringt eure iPads mit, schaut euch mal ein Video an, wie das ein Profi macht. Ich finde es schon sehr gut, diesen Schritt zur Digitalisierung zu gehen und diese Schritte auch mitzumachen und zu lernen, wie man damit richtig umgeht. Ich sehe aber auch Nachteile, wo es einfach super ist, analog auf einem Blatt Papier zu rechnen, ohne dass man großartig am iPad rumspielt.
Hatten deine Lehrkräfte einen Einfluss auf deine Entscheidung, selbst Lehrer zu werden? Ich hätte eigentlich gesagt, nein, nicht so wirklich. Ich habe aber einen Mathelehrer gehabt, Herr Sommer, der war eine absolute Maschine. Der war so gut, und der Unterricht hat total viel Spaß gemacht. Ich war so gerne da. Ich glaube, am ehesten hätte ich gesagt, dass er noch dafür gesorgt hat, dass ich Mathelehrer werde und auch so viel Spaß an Mathe hatte und die Sinnhaftigkeit dahinter verstanden habe. Es gibt ja viele, die sitzen hier und fragen sich, wofür sie das überhaupt brauchen.
Wie wichtig ist deiner Meinung nach emotionale Intelligenz in der Bildung, und wie förderst du diese bei deinen Schülern?
In Mathematik kann das eine Herausforderung sein, aber wir haben kürzlich eine Fortbildung zum kooperativen Lernen gehabt, was mir sehr am Herzen liegt. Im Sportunterricht, zum Beispiel beim Handstützüberschlag, zeigt sich, wie essentiell Teamarbeit und Selbstwahrnehmung sind. Diese Erfahrungen bringen nicht nur individuellen Fortschritt, sondern stärken auch das Gemeinschaftsgefühl. Besonders im Sport gelingt es, solche Kompetenzen zu fördern, da die Schüler bei gemeinsamen Übungen Vertrauen und gegenseitige Unterstützung erfahren. In der fünften Klasse beispielsweise ist es wunderbar zu sehen, wie die Schüler durch Fairplay und Teamgeist wachsen.
Welche Rolle spielt kulturelle Vielfalt im Klassenraum für dich, und wie gehst du damit um? Kulturelle Vielfalt ist für mich eine Bereicherung. Ich habe bisher keine Konflikte diesbezüglich erlebt. In der ersten Mathematikstunde habe ich beispielsweise nach den Lieblingsgerichten der Schüler gefragt und Antworten aus zehn verschiedenen Ländern erhalten, was ich faszinierend fand. Für mich ist jeder Schüler gleich wichtig, unabhängig von seinem kulturellen Hintergrund. Entscheidend ist der respektvolle Umgang miteinander.
Wenn du ein Superheld wärst, welche Superkräfte hättest du gerne? Ich würde mich gerne an jeden Ort beamen können – stellen Sie sich vor, nach sechs Stunden Mathematikunterricht einfach an den Strand der Bahamas zu schnipsen! Außerdem wäre ich gerne unzerstörbar. Nach vielen Jahren im Sport habe ich meinen Körper ziemlich strapaziert, also wäre es großartig, wenn ich wüsste, dass ich nicht weiter kaputtgehen kann.
Wenn du einen Tag unsichtbar wärst, was würdest du tun? Ich würde wohl neugierig sein und hinter die Kulissen blicken. Es wäre interessant, vertrauliche Gespräche in der Politik oder in der Schule zu belauschen, um zu hören, was hinter verschlossenen Türen besprochen wird.
Gibt es ein Ziel oder einen Traum, den du in deinem Berufsleben noch erreichen möchtest? Da ich noch im Referendariat bin, ist es mein erstes Ziel, dieses erfolgreich zu absolvieren und vollwertiger Lehrer zu werden. Ob ich mich verbeamten lassen möchte, steht noch nicht fest, aber ich strebe danach, weiterhin qualitativ hochwertigen Mathematik- und Sportunterricht zu bieten.
Wie möchtest du von deinen Schülerinnen und Schülern in Erinnerung behalten werden? Ich möchte als jemand in Erinnerung bleiben, der seine Begeisterung für Mathematik teilt und weiterträgt. Es ist mir wichtig, dass meine Schüler sich jederzeit an mich wenden können, ohne Angst vor Fragen oder Fehlern zu haben. Mein Ziel ist es, eine Atmosphäre zu schaffen, in der alle frei sprechen und auch aus Fehlern lernen können.
Vielen Dank für das Interview, Johannes!
