Vom Klassenzimmer zum Quantenuniversum: Chemielehrer mit Superkräften

Lehrerinterview mit Daniel Pliquet von Nisa Samast und Anton Kronemeyer

Hallo Daniel, könntest du dich einmal vorstellen?
Mein Name ist Daniel Pliquet. Ich bin 36 Jahre alt und unterrichte hier an der Schule Chemie und Physik. An meiner anderen Schule unterrichte ich noch Biologie.

Wie lange bist du schon auf dieser Schule?
Ich bin seit den Sommerferien 2024 hier an dieser Schule, werde aber nur für dieses Schuljahr hier bleiben, da ich zeitweise abgeordnet bin.

Was wolltest du als Kind werden?
Tatsächlich wollte ich als Kind immer Landwirt werden, da mein Opa Landwirt war und es mir deshalb unheimlich Spaß gemacht hat, mit ihm zusammen mit dem Traktor über die Felder zu fahren.

Warst du schon immer daran interessiert, die Fächer Biologie, Physik und Chemie zu unterrichten?
Tatsächlich habe ich gar nicht Lehramt studiert, sondern Bio/Chemie. Da mich diese Fächer unheimlich interessierten, entschied ich mich nach meinem Studium, zurück an die Schule zu gehen.

Was ist deine Motivation im Leben?
Grundsätzlich motiviert mich meine positive Grundeinstellung zum Leben, das bedeutet, jeder Tag hat das Potenzial, der nächste beste Tag zu werden.

Woran siehst du die größte Herausforderung beim Arbeiten mit Schülern?
Ich finde, zurzeit ist es der Wettbewerb und die Herausforderung von vielen verschiedenen Ablenkungen. Schülerinnen und Schüler müssen sozusagen eine Motivation haben, sich mit dem, was wir im Unterricht beibringen, auseinanderzusetzen, auch wenn es manchmal langweilig erscheint.

Was hältst du von dem Schulsystem der integrierten Gesamtschulen?
Ich denke, es ist wichtig, dass wir verschiedene Möglichkeiten haben für Kinder, die zur Schule gehen. Es gibt mehrere Schularten, denn nicht jedes Kind passt in jedes System, auch wenn ich eigentlich an einem Gymnasium unterrichte.

Hast du jemals etwas von einem Schüler gelernt, das dich überrascht hat?
Schülerinnen und Schüler haben mir relativ schnell klar gemacht, dass wir alle Menschen direkt in Schubladen stecken, aber es immer wichtig ist, diese Schubladen immer wieder zu öffnen und die Menschen neu zu sortieren.

Hast du Spaß an deinem Beruf als Lehrer?
Ja, schon. Ich stehe gerne vor einer Klasse und versuche, die Schülerinnen und Schüler zu motivieren, sich mit dem Unterricht auseinanderzusetzen. Es gibt Teile des Berufs, die ich nicht gerne mache, wie zum Beispiel das Korrigieren, aber genau solche Aufgaben sind auch Teil meines Berufs und Papierkrieg mag sowieso keiner so gerne.

Würdest du den Beruf „Lehrer“ weiterempfehlen?
Ich denke, es ist wichtig, die gesamte Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten, und deshalb sollte man ein Praktikum machen. Das Ideal, dass es entspannt sei, vor der Klasse zu stehen, muss man realistisch sehen, besonders wenn man als 30-Jähriger vor Siebtklässlern steht und sie in Physik unterweist.

Was würdest du den Schülern mit auf den Weg geben?
Grundsätzlich würde ich den Schülerinnen und Schülern mit auf den Weg geben, dass Schule zwar ein wichtiger Teil des Lebens ist, aber nicht der gesamte Teil deines Lebens. Auch wenn meine Fächer nicht die wichtigsten Fächer der Schule sind, wenn man Spaß daran hat, darf man mir das auch gerne zeigen.

Was war die unglaubwürdigste Ausrede, die du von einem Schüler gehört hast?
Der Klassiker, den ich immer höre, ist, wenn man mal im Labor ist und ein Schüler oder eine Schülerin eine Wasserflasche in der Hand hat (zufällig jemand nass ist) und dann die Schuld jemand anderem gibt.

Wenn du ein Superheld wärst, welche Superkraft würdest du gerne haben wollen?
Als Chemiker ist diese Frage ganz simpel: Ich würde die Superkräfte von Ant-Man nehmen, um dann zu sagen, dass ich mir die Teilchenebene endlich selbst anschauen kann und ich mich nicht mit bloßen Teilchenmodellen zufriedengeben muss.

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