Bericht über die Eröffnung der Hannah-Arendt-Tage 2024 im Sprengel Museum

Ein Rückblick von Meryem Kahraman, Eleni Psarrianos, Diden Hadise Zeylan

Am Dienstag, den 22. Oktober 2024, fand im Sprengel Museum die feierliche Eröffnung der diesjährigen Hannah-Arendt-Tage statt. Die Veranstaltung, die unter dem Leitmotiv „Was Freiheit ist und sein kann“ stand, zog eine große Anzahl von Besuchern an und setzte ein starkes Zeichen für die Bedeutung von Freiheit und Menschenrechten.

Den Auftakt bildete eine Ansprache des Oberbürgermeisters Belit Onay, der in seiner Rede eindringlich auf die Zerbrechlichkeit und den Wert der Freiheit hinwies. Er betonte, dass Freiheit keine Selbstverständlichkeit sei, sondern ein wertvolles Gut, das stets neu verteidigt werden müsse. Oberbürgermeister Onay nutzte die Gelegenheit, um den Kooperationspartnern, den Spenderinnen und Spendern sowie den Schülerinnen und Schülern der IGS Roderbruch, der Helene-Lange-Schule und der Bismarckschule herzlich zu danken. Diese Schulen hatten Projekte zu den Hannah-Arendt-Tagen entwickelt und präsentierten ihre Arbeit im Rahmen der verschiedenen Veranstaltungen. Unsere Schule nahm an einem Poetry Slam WorkShop Teil in der Leitung der beiden Slammer Matti Linke und Antonia Josefa. Diese Slams wurden nicht nur in der Schulaula vor Familien, Lehrkräften und Freunden präsentiert, sondern zwei davon schafften es sogar auf die Bühne des Xplanatoriums in den Herrenhäuser Gärten zur Abschlussveranstaltung der Hannah Arendt Tage.

In einem anschließenden Podiumsgespräch, moderiert von Dr. Michael Köhler, diskutierten Oberbürgermeister Onay, Dr. Köhler und Prof. Dr. Irina Scherbakowa über die Bedeutung von Freiheit in Zeiten des Wandels und der politischen Umbrüche. Prof. Dr. Irina Scherbakowa, renommierte Historikerin, Publizistin und Nobelpreisträgerin, war der Höhepunkt des Abends. In ihrem Vortrag berichtete sie über ihre umfangreichen Forschungsarbeiten und Familiengeschichten ihrer Schüler, die eng mit dem Thema Freiheit verknüpft sind. Scherbakowa schilderte eindrücklich die Lage von Menschen, die sich in Russland mutig für ihre Freiheit einsetzen und dadurch oftmals staatlicher Repression ausgesetzt sind. Viele von ihnen werden verfolgt und zur Flucht gezwungen oder „verschwinden“ – ihre Geschichten und Erinnerungen drohen damit in Vergessenheit zu geraten. Die Historikerin sprach ebenfalls über die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie im Jahr 2021, die das Leben der Menschen weiter einschränkte und die Dringlichkeit von Freiheits- und Menschenrechtsfragen verschärfte. Sie betont: „Ohne Putin würde es in Russland erhebliche Veränderungen geben,“ da er sich gegen Feminismus und Homosexualität stellt, keine wirksamen Gesetze gegen häusliche Gewalt unterstützt und dies Russland somit als Rechtsstaat infrage stellt. Ihrer Meinung nach sieht Putin sich selbst als unsterblich. Wörtlich ergänzt sie: „Russland ist kalt.“ Zudem zitiert sie den Ausdruck: „Wie gut wir damals schlecht gelebt haben,“ um zu verdeutlichen, dass sich die Lebensbedingungen inzwischen verschlechtert haben. Nun fragt sie sich: „Was brachte uns die Freiheit/Demokratie?“. Denn nach ihrer Aussage merkt man erst, dass man frei war, wenn wir diese Freiheit nicht mehr haben.

Belit Onay brachte in die Diskussion auch seine eigenen Erfahrungen mit ein. Er erzählte von seiner Studienzeit in St. Petersburg und berichtete von politischen Bewegungen in Istanbul, seiner Heimatstadt in der Türkei. In Istanbul sei die Bevölkerung, insbesondere Studierende, Schulen und Familien, regelmäßig mit staatlicher Gewalt und Unterdrückung konfrontiert. Er schilderte die zahlreichen Proteste für Freiheitsrechte und die oft harte und gewalttätige Reaktion der Polizei gegenüber den Demonstrierenden.

Die Eröffnungsveranstaltung der Hannah-Arendt-Tage 2024 vermittelte durch bewegende Worte und fundierte Diskussionen einen tiefen Einblick in die Bedeutung von Freiheit in unserer heutigen Gesellschaft. Sie regte zum Nachdenken an und setzte ein klares Zeichen für die Notwendigkeit, Freiheit zu schützen und zu bewahren.

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