Joshua Paulmann: Beschimpft, geschubst und getreten!

In kraftvollen und mahnenden Worten thematisiert Joshua die Kehrseite des Rettungsdienstes und der Feuerwehr, die oft übersehen wird. Während wir die schnelle Hilfe als selbstverständlich betrachten, lenkt er den Blick auf die Gewalt, den Ärger und die Herausforderungen, mit denen Rettungskräfte immer häufiger konfrontiert werden. Joshua fordert auf, nicht nur Dankbarkeit zu zeigen, sondern auch die Probleme dieses Systems wahrzunehmen und anzuerkennen.

Wenn es einen Notfall gibt, dann kommen Rettungsdienst und Feuerwehr – das weiß

schon jedes Kleinkind seit dem Moment,

in dem es das erste kleine, rot glänzende Miniaturauto in den Händen hält.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der jeder nur drei einzeln getippte Zahlen davon

entfernt ist,

in Sekundenschnelle Hilfe zu bekommen, angesehen wird dies als selbstverständlich.

Doch ich befürchte nicht jedem hier ist das bewusst,

die Lage ist doch recht bedenklich.

Tag und Nacht sind wir für Sie im Einsatz, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche und 365

Tage im Jahr kann man sich darauf verlassen.

Man muss nur eine einzelne Nummer wählen, und man wird sich mit ihren Problemen

befassen.

Tagtäglich braucht ihr uns, tagtäglich ruft ihr uns,

wir begegnen und helfen Ihnen in den schlimmsten Momenten in Ihrem Leben,

und sicher empfinden es die Meisten als einen Segen.

Doch eine Frage stellt sich mir da schon noch…

Warum schauen die Leute nie auf die andere Seite dieses perfekten Systems,

bei all der Ehre, Anerkennung und Dankbarkeit,

warum kennt niemand die Kehrseite, kennt denn niemand das Problem?

Gewalt,

Ärger,

Beleidigungen!

Beschimpft,

Geschubst,

und Getreten!

Für die Meisten ist Silvester ein Fest um das neue Jahr zu begrüßen,

den alten Fehlern und Sünden zu büßen,

um sich bei Sekt und Wein den Start ins nächste Jahr zu versüßen.

Man zündet traditionell Böller und Raketen,

die zum Teil meterlangen Wunderkerzen leuchten greller als Kometen,

es kommt langsam ein Wind auf, der ihnen leise, sanft um die Nase weht,

und Ihnen kommt ein ernüchternder Gedanke…

Ist es für jemand Anderen an diesem Abend schon zu spät?

Kilometerweise in ihrem Umfeld verzichten besonders Freiwillige auf das gemeinsame

Essen mit der Familie,

um sich auf der Wache zu sammeln, nach einem Sicherheitsbriefing eine nächtliche

Extraschicht zu schieben!

Ungewiss ob diese Nacht sie eventuell einen Kameraden kostet?

Ungewiss ob diese Nacht in einem Krankenhausbesuch enden wird?

Ungewiss ob diese Nacht in Beschimpfungen, Schubsen und Treten enden wird?

Die Gewalt gegenüber Rettungskräften wird immer schlimmer,

teilweise sind es gezielte Hinterhalte,

Notrufe werden vorgetäuscht,

Notlagen werden vorgetäuscht,

und wofür?

Damit sich halberwachsene, vermummte Jugendliche überlegen fühlen können,

damit sich eine Gruppe Maskierter einen Spaß daraus machen können?

Wie konnte es soweit kommen, dass ein System selber gerettet werden muss, welches

zum Schutz der Bevölkerung dient?

Und wie kann es sein dass sich niemand hier davon angesprochen fühlt?

Stellt euch vor ihr wählt die 112 und wartet…

Und wartet…

Und wartet…

Und keiner kommt?

Stellen Sie sich so eine Welt einmal vor:

Könnten sie guten Gewissens in den Urlaub fahren, wenn Sie wissen, dass Ihre Oma

zuhause unter Asthma-Attacken leidet?

Könnten Sie überhaupt noch entspannt Auto fahren mit dem Wissen, dass Ihnen niemand

helfen kann, wenn Sie gleich in dem Graben hinter der Leitplanke landen?

Könnten Sie das Haus noch sicher verlassen?

Könnten Sie sich in ihrem eigenen Haus noch sicher fühlen?

Man wird bloß beschimpft, geschubst und getreten,

die Autos und Rettungskräfte mit Böllern beworfen,

wen wundert es also, wenn sich die potenziellen Nachwüchse denken;

Ne, lass mal…

Ne, lass mal nicht unser Leben für ein paar Betrunkene am Silvesterabend riskieren.

Ne, lass mal nicht uns diesem Stress aussetzen.

Ne, lass mal nicht einen 10 Stunden Einsatz an Heiligabend schieben, und dafür auf ein

Fest mit der Familie verzichten.

Ne, lass mal…

Und daher kommt der Personalmangel!

Wir kommen krank von der Arbeit und kommen krank zur Arbeit,

es geht irgendwie alles zu weit!

Das ein Kollege mit Grippesymptomen einen Rettungswagen besetzen muss…

Das einem Kollegen nach einem traumatischen Einsatz keine psychische Unterstützung

angeboten werden kann…

Dass das Privatleben dermaßen unter dem erhöhten Arbeitsdruck leidet…

Das geht doch alles irgendwie zu weit.

Ihr findet vielleicht ich übertreibe!

Vielleicht findet ihr das ist alles zu weit hergeholt,

aber eins kann ich euch sagen:

Ihr wollt nicht in dieser Lage stecken,

eure Uniform nicht mit eurem oder fremdem Blut beflecken!

Niemand erwartet, dass ihr euch dieser Gefahr ebenfalls aussetzt,

doch zumindest, dass ihr euch einmal hinsetzt…

Und die Augen öffnet…

Und seht was alles schief läuft,

nicht nur an Extremen wie Silvesterabenden,

auch an ganz gewöhnlichen, langweiligen Arbeitstagen.

Auch denen die Anderen alltäglich helfen, muss manchmal geholfen werden.

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