Günter Pohl: „Den Kontakt mit euch – mit jungen Menschen – und auch das Kollegium werde ich vermissen.“

Das Interview mit Günter Pohl von Sara und Sophie.

Wie alt bist du?

Ich bin 65 Jahre alt.

Wann hast du Geburtstag?

Mein Geburtstag ist am 10. Februar.

Welche Adjektive passen zu dir bzw. beschreiben dich?

Ich würde mich mit „zuverlässig“, „exakt“ und „freundlich“ beschreiben.

Was fällt dir schwerer als anderen?

Da muss ich etwas überlegen, aber Unaufrichtigkeit kann ich schwer ertragen. Das heißt, wenn jemand nicht die Wahrheit sagt und mich anlügt oder mich zu betupsen versucht. Ich möchte Leuten vertrauen können.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Ich spiele gern Volleyball, treibe gern Fitness und wandere gerne. Und wenn ich ganz viel Zeit habe – im Urlaub – lese ich gerne.

Mit wem verbringst du diese Freizeitaktivitäten?

Volleyball z. B. spiele ich mit ehemaligen Kollegen und meine Frau spielt auch mit. Wandern meist gemeinsam mit meiner Frau im Urlaub oder auch mal am Wochenende und Fitness auch meist mit meiner Frau im Fitnessstudio.

Wie lange spielst du schon Volleyball?

Bald so ca. 40 Jahre, also ich und meine Frau etwa 25 Jahre. Es ist auch schön, dass man nicht allein loszieht, sondern ich dieses Hobby mit meiner Frau teilen kann.

Hast du Kinder? Wenn ja, wie viele und wie alt sind sie?

Meine Tochter ist 43 Jahre alt.

Welche Eissorte isst du am liebsten?

Am allerliebsten Vanilleeis, aber auch Himbeereis esse ich sehr gerne. Muss nicht mit Sahne sein, gerne auch ohne.

In welchen Ländern warst du schon und welche haben dir sehr gut gefallen bzw. wo möchtest du gerne mal hin?

Ganz häufig sind wir in England, weil es uns dort sehr gut gefällt, meiner Frau und mir. Italien finde ich toll. Auch Kanada ist eine Reise wert und wo ich gerne einmal hin möchte, ist Australien.

Was machst du so im Urlaub? Eher am Strand liegen oder Städtetouren?

Also nicht nur kulturmäßig, aber auch nicht die „Strandlieger“, in der Sonne braten ist nicht unser Ding. Etwas anschauen, etwas herumlaufen und aktiv sein, deshalb fahren wir häufig in die Berge. Im Sommer geht es wieder nach Norditalien zum Wandern in den Bergen.

Wie viel Stunden Schlaf brauchst du um ausgeschlafen zu sein?

9 Stunden brauch ich da schon.

Also gehst du auch früh ins Bett um auf 9 Stunden Schlaf zu kommen?

Ja, meist schon. So gegen 21:00 Uhr/21:30 Uhr dann nach 9 Stunden Schlaf ist alles ok.

Wann stehst du dann morgens auf?

Naja, am liebsten, wenn man mich lässt zwischen 08:00 Uhr und 08:30 Uhr. Während der Schulzeit geht der Wecker immer um 06:00 Uhr an. Jeden Tag, weil ich drei Mal zur ersten Stunde habe und zwei Mal zur „Nullten“ um den Vertretungsplan zu machen.

Bist du ein Morgenmuffel oder ein Frühaufsteher?

Weder noch, wenn ich muss, dann kann ich auch früh aufstehen und kann morgens auch ganz normal reden und sitze nicht rum um erst mal wach zu werden. Ich bin morgens also auch gut gelaunt.

Was würdest du deinem heutigen Ich raten?

Gelassener zu sein, manchmal rege ich mich doch mehr auf als notwendig und das ist alles vielleicht gar nicht so wichtig.

Was war dein Traumberuf als du so alt warst wie wir?

Ich wollte mal Zahnarzt werden.

Wie kam es dazu?

Keine Ahnung, wie es dazu kam. Als ich ganz klein war, wollte ich Lokomotivführer werden und irgendwann kam mal der Trichter, dass ich in die Zahnarzt-Richtung gedacht habe. Vielleicht weil ich von irgendwelchen Eltern meiner Freunde beeinflusst war.

Wieso kam es nicht dazu? Wieso hast du dich dann fürs Lehramt und nicht für die Medizin entschieden?

Hmm, weil meine Tochter dann geboren wurde und dann habe ich mir gedacht, nun musst du mal etwas machen, wo man schnell fertig wird. Ich hatte dann begonnen Chemie und Physik zu studieren und dachte mir, das mache ich auf Lehramt. Ich habe das Studium begonnen und wollte dann eigentlich in die Zahnmedizin wechseln und mit Physik und Chemie könnte man fürs Vorphysikum viel machen. Da aber meine Tochter dann schon da war, dachte ich, naja jetzt musst du doch mal Geld verdienen. Ich bin aber nie traurig gewesen, dass ich kein Zahnarzt geworden bin. Ich fühle mich in meinem Beruf sehr wohl.

Welche Schulfächer unterrichtest du?

Ich unterrichte Mathematik und Naturwissenschaften.

Wann wusstest du, dass du Lehrer werden möchtest?

Das war als ich 22 Jahre war, meine Tochter kam auf die Welt da war ich 21 und dann kam der Gedanke: So, wie geht es weiter? Also wurde ich Lehrer.

Hast du bereits an einer anderen Schule gearbeitet/unterrichtet?

Ja, während des Referendariat in Braunschweig an einer Realschule und kurz bevor ich hier nach Hannover kam, in Gifhorn an einer Berufsbildenden Schule.

Wie bist du zur IGS Roderbruch gekommen?

Es war die einzige Stelle, die ausgeschrieben war und ich hatte gar keine Wahl „nein“ zu sagen oder es mir auszusuchen. Seit dem ich hier bin, fühle ich mich „sauwohl„.

Was magst du an der IGS Roderbruch?

Ich mag das Schulklima. Ich finde das Miteinander der Schüler und Schülerinnen und im Kollegium sehr angenehm und auch die vielen Möglichkeiten, die man hier an der Schule hat, als Lehrer.

Wie findest du es, dass man sich hier an der Schule duzt?

Toll, ich sehe darin keinen Nachteil. Ich finde es freundlicher, familiärer und könnte es mir gar nicht mehr anders vorstellen.

Es stört dich also nicht? Du findest nicht, dass dadurch der Respekt verloren geht?

Der Respekt hängt für mich nicht vom Duzen ab, sondern entweder man hat Respekt oder man hat ihn nicht. Wie bei seinen Eltern, man hat Respekt oder eben nicht. Ich finde das Duzen ist ein wenig Geborgenheit, Vertrauen. Das drückt es bei mir aus.

Erkennst du dich in manchen Schülern wieder?

Ja, natürlich. In den vielen Jahren, in denen ich unterrichte – ich bin jetzt 38 Jahre hier an der IGS Roderbruch – da gibt es schon den ein oder anderen wo ich denke: „Jo, so warst du auch mal“.

Wie warst du denn? Wie war deine Position in der Klasse?

Och, ich war immer sehr still und zurückgezogen, hatte zwar eine Freundesgruppe, aber ich war nie so der Leader oder Meinungsführer. Ich war eher so der Mitläufer.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht, als du so alt warst wie wir?

Ich war im Ruderferein, bin viel Rad gefahren, habe viel Musik gehört und war natürlich ganz viel mit Freunden zusammen. Heute nennt man das „chillen“.

Auf was freust du dich, wenn du nicht mehr arbeitest – also in Rente gehst?

Auf die Zeit ohne Plan – ohne Stundenplan, so dass ich also frei über meine Zeit verfügen kann.

Hast du etwas Bestimmtes vor, was du machen möchtest?

Ja natürlich, reisen möchte ich schon noch. Am Haus und Garten gibt es ein paar Dinge, die ich gern erledigen möchte, für die ich bisher keine Zeit hatte.

Geht deine Frau auch mit dir zeitgleich in Rente?

Ein halbes Jahr nach mir, geht sie dann auch in den Ruhestand.

Was wirst du vermissen?

Den Kontakt mit euch – mit jungen Menschen – und auch mit dem Kollegium. Es ist schon so, dass ihr mir ganz schön ans Herz gewachsen seid und im Kollegium fühle ich mich auch sehr wohl und die sind dann eben alle nicht mehr da. Ich denke die Schule selbst (mit dem Unterrichten) das werde ich nicht so sehr vermissen.

Was liebst du an deinem Beruf?

Das habe ich mir tatsächlich aufgeschrieben: Die Möglichkeit junge Menschen beim Erwachsenwerden zu begleiten! Das ist schon eine spannende Geschichte, wenn ich so an euch denke. In Klasse 5 seid ihr so 10 Jahre alt gewesen und dann zu sehen, wie ihr euch entwickelt. Das ist immer wieder toll zu sehen und man trägt schon ein bisschen dazu bei, dass ihr weiterkommt und erfolgreich in die Zukunft geht.

Hast du Kontakt mit ehemaligen Schülern oder mal welche getroffen, bei denen du sagst, aus denen ist richtig etwas geworden?

Natürlich, ab und an gibt es mal ein Klassentreffen mit Ehemaligen. Die allererste Klasse die ich so unterrichtete wie euch, von der 5. bis 10. Klasse, mit denen treffen wir uns eigentlich am meisten/häufigsten und einer meiner damaligen Schüler hat jetzt eine Tochter hier im Primarbereich. Das ist schon komisch, wenn sie dann sagt: „Hallo Günter, ich kenne dich, mein Papa ist bei dir gewesen.“ Das ist schön.