Wie wird man Musikerin, Upendo?

Hallo, ich bin Upendo Mascarenhas und Bratschistin in der NDR Radiophilharmonie.
Dein Weg 
Ich habe bereits mit 7 Jahren angefangen Geige zu spielen. Die meisten Bratscher beginnen zunächst mit Geige und wechseln dann später zur Bratsche. Das mag recht früh klingen – ist es aber in der Profimusikerwelt gar nicht. Es gibt viele Musiker, die bereits mit 3 oder 4 Jahren mit Ihrem Instrument beginnen. Insofern war ich gar nicht mal so früh dran 🙂
Begonnen habe ich hauptsächlich, weil meine große Schwester bereits Geigenunterricht bekam und ich das somit auch unbedingt wollte.
Die Ausbildung
Ich hatte an der Musikschule also Geigenunterricht und später auch Klavierunterricht, was zur Instrumentalausbildung immer dazu gehört. Mit 11 Jahren bin ich dann zur Bratsche gewechselt.
Nach dem Abitur habe ich dann die Aufnahmeprüfung an der UDK (Universität der Künste Berlin) gemacht. Das Studienfach heißt Künstlerische Ausbildung. Die Aufnahmeprüfung bestand aus drei Teilen: Zunächst ein Vorspiel auf dem Hauptinstrument (bei mir also Bratsche), ein Vorspiel auf dem Pflichtinstrument ( das ist immer Klavier), sowie einem theoretischen Teil, d.h Musiktheorie, Tonsatz, Gehörbildung.
Das Studium dauert dann ca. 8 Semester. Die sind weitestgehend ausgefüllt mit üben, üben, üben. 6-8 Stunden am Tag sind keine Seltenheit. Das klingt vielleicht viel, aber dafür hatten wir nur 2-3 Vorlesungen in der Woche. Ansonsten viel Instrumentalunterricht, Kammermusikunterricht und Hochschulorchesterprojekte. Unser Abschlußexamen bestand dann in der Vorbereitung zweier Konzertabende, die wir vorbereiten und vortragen mussten.
Typischer Arbeitsalltag
Das Schöne an unserem Beruf ist, dass es einen „typischen“ Arbeitsalltag nicht wirklich gibt.
In unserem Orchester erarbeiten wir jede Woche ein neues Programm mit wechselnden Dirigenten und Solisten, welches wir dann zum Ende der Woche aufführen. Wir haben somit oft Abenddienste, Wochenenddienste und sehr oft kürzere, aber auch immer mal wieder längere Reisen.
Erfolgserlebnisse
Mein größtes Erfolgserlebnis war auf jeden Fall, als ich das Probespiel für diese Stelle gewonnen habe auf die es 200 Bewerbungen gab.  Es gibt leider immer noch viel zu viele Absolventen und viel zu wenig Stellen für all die tollen Musiker da draußen. Viele bleiben erfolgreich freischaffend und einige haben das große Glück eine Festanstellung in einem guten Orchester zu bekommen.
Ich bin jetzt seit 6 Jahren angestellt und nach wie vor jeden Tag dankbar so einen tollen Beruf ausüben zu dürfen, der mir so viel Freude macht und mich sehr erfüllt.
Privatleben
Ich habe meinen Mann vor 6 Jahren im Orchester kennengelernt, dadurch erübrigt sich bei uns das Problem mit dem Privatleben. Wir haben deshalb das Glück, viel Zeit miteinander verbringen zu können, nicht nur, weil wir zusammen arbeiten, sondern noch mehr, weil wir immer zusammen frei haben! 🙂 Auch für Freunde und Reisen bleibt genügend Zeit. Es gibt natürlich immer mal Phasen, in denen mehr Projekte anstehen, aber dann kommen auch mal wieder ruhigere Zeiten.
Typische Fragen
“ Kann man das studieren?“
“ Kann man davon Leben?“ (ja, man kann es 🙂 )
“ Was ist eine Bratsche?“
“ Kannst Du auch singen?“