3 Fragen an …

Unsere drei Fragen gehen an Frauke Heiligenstadt, Politikerin und Mitglied des Niedersächsischen Landtages. Seit Februar 2013 ist sie niedersächsische Kultusministerin im Kabinett von Stephan Weil

Liebe Frau Heiligenstadt, wer bestimmt eigentlich, was Kinder und Jugendliche in der Schule lernen?

Was Kinder und Jugendliche in der Schule lernen, ist in den Lehrplänen für die einzelnen Fächer und Schulformen festgelegt. Die Lehrpläne werden von den Kultusministerien der Länder erlassen. Sie werden aber nicht alleine von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Ministerien erarbeitet. In den entsprechenden Kommissionen arbeiten vielmehr die Praktiker, also besonders erfahrene Lehrkräfte, an der Entwicklung der Lehrpläne intensiv mit. Im Anschluss können dann noch die entsprechenden Verbände – also der Landesschülerrat, der Landeselternrat, die Lehrerverbände sowie Vertreter der Wissenschaft – ihre Anmerkungen einreichen. Bis ein Lehrplan in Kraft tritt, hat er somit einen längeren Erarbeitungs- und Abstimmungsprozess durchlaufen.

Ganz korrekt müsste man übrigens sagen: Lehrpläne legen fest, was Schülerinnen und Schüler zu einem bestimmten Zeitpunkt können sollen. In der Fachsprache heißt das: Lehrpläne sind kompetenzorientiert. Auf welchem Weg die Schülerinnen und Schüler die geforderten Kompetenzen erwerben, entscheidet die jeweilige Schule. Die Lehrpläne lassen den Lehrkräften also Spielraum für die Gestaltung ihres Unterrichts.

Ein Beispiel: Ob die Kinder in der Grundschule ihre Rechtschreibung anhand eines Diktats, eines Aufsatzes, der Arbeit mit der Tageszeitung oder durch ein Buchstabenquiz trainieren, entscheiden die Lehrkräfte selbst. Wichtig ist das Ergebnis, nämlich dass die Kinder am Ende der Grundschulzeit sicher lesen und schreiben können.

Der Ruf nach Medienkompetenz: Kinder und Jugendliche verbringen einen großen Teil ihrer Zeit mit Medien. Immer mehr beeinflussen Computer und das Internet auch die Bildung. Wie wirkt sich die Digitalisierung auf die Lehrpläne aus?

Da sprecht ihr ein wichtiges und aktuelles Thema an! Die sogenannten neuen Medien sind in der Tat aus dem Alltag der Kinder und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken. Daher ist es ganz wichtig, dass wir unsere Schülerinnen und Schüler fit machen im Umgang mit den Medien. In Niedersachsen sind wir auf diesem Weg schon recht weit. Die Landesregierung hat im Juli 2016 das Landeskonzept „Medienkompetenz in Niedersachsen – Ziellinie 2020“ beschlossen. Das Konzept fasst alle Maßnahmen und Ziele zusammen, die sich das Land mit Blick auf das Thema Medienbildung bzw. Bildung in der digitalen Welt gegeben hat. Es enthält verbindliche Schritte für alle Bildungsbereiche. So ist gewährleistet, dass Menschen jedweden Alters fit gemacht werden für einen kompetenten Umgang mit den digitalen Medien.

Die Vermittlung von Medienkompetenz wird an vielen Schulen im Land bereits sehr engagiert angegangen. Wir verankern das Thema Medienkompetenz sukzessive in den Lehrplänen aller Fächer. Die Schulen erarbeiten eigene Medienkonzepte und unsere Lehrkräfte bilden sich in großer Zahl in diesen Themen fort. An rund 1.000 Schulen in Niedersachsen gibt es bereits sogenannte Tablet-Klassen und zum neuen Schuljahr starten wir an rund 30 niedersächsischen Grundschulen ein Projekt zur Vermittlung von Grundkompetenzen im IT-Bereich.

Ich könnte noch eine Reihe weiterer großer Projekte nennen wie die Niedersächsische Bildungscloud und die sehr gute Arbeit der berufsbildenden Schulen z.B. im Projekt „BBS fit für 4.0“, aber ich glaube, es ist deutlich geworden: Medienbildung spielt für diese Landesregierung eine ganz wichtige Rolle und hier bleiben wir natürlich weiter am Ball!

Einen Lehrer wie Robin Williams im Film Club der toten Dichter hätte wohl jeder gern. Auch der neuseeländische Bildungsforscher John Hattie stellt fest: eigentlich kommt es in der Schule auf die Lehrerinnen und Lehrer an. Was macht denn für Sie einen guten Lehrer aus und was ist guter Unterricht?

Schule hat sich enorm verändert und wird sich weiter verändern. Auf meinen vielen Schulbesuchen im Land erlebe ich, wie sich die Schulen immer mehr von reinen Lern- zu Lebensorten entwickeln. Und ich erlebe unheimlich viele engagierte Lehrkräfte, die ihren Beruf mit großer Leidenschaft ausüben. Dafür sage ich erst einmal ganz herzlichen Dank!

Schule ist heute durch zunehmende Heterogenität gekennzeichnet: In den letzten beiden Jahren sind mehr als 30.000 Kinder und Jugendliche mit Fluchtgeschichte an unsere Schulen gekommen. Und wir haben in Niedersachsen die inklusive Schule; das heißt, wir wollen, dass Kinder mit und ohne eine Behinderung gemeinsam miteinander und voneinander lernen können.

Vor diesem Hintergrund ist ein guter Lehrer bzw. eine gute Lehrerin für mich jemand, der bzw. die den Unterricht so gestaltet, dass er von dieser Heterogenität ausgeht und sie als Chance begreift. Und der bzw. die die Herausforderung annimmt, jeden Schüler bzw. jede Schülerin individuell bestmöglich zu fördern.

Im Übrigen gelingt das vielen Lehrkräften in Niedersachsen bereits ganz hervorragend. Es ist schließlich ganz sicher kein Zufall, dass der Preis für die Beste Schule Deutschlands in diesem Jahr zum zweiten Mal in Folge nach Niedersachsen gegangen ist. Das ist das Ergebnis der hervorragenden Arbeit unserer Lehrkräfte!

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