Das Geschenk des Abiturs

Von Georg Hölting.

Vor kurzem wurde ich völlig überraschend mit einer Frage konfrontiert, auf die ich keine Antwort wusste. Allgemein bekannt ist, dass man an diesem Umstand eine gute Frage erkennt. Eine Frage die man nicht schnell abtun kann, auf die eine schlagfertige oder witzige Antwort unangebracht wirkt. Kurz: mit einer guten Frage muss man sich beschäftigen um eine Antwort zu finden. Das sollte ja auch in der Schule der Fall sein. Im Unterricht soll man Antworten finden auf gute, ja bedeutsame Fragen. Wobei vermutlich die wenigsten Schüler bestätigen würde, dass man sich in der Schule ausschließlich mit guten Fragen auseinandersetzt. Da mag etwas dran sein. Dennoch wird in der Schule stets nach Antworten gesucht. Auf die Frage wie lange Frau Meyer sparen muss, wenn Sie 30 000 Euro auf der Bank hat, die mit 2,5 % jährlich verzinst werden, und sie eine Reise machen möchte die 3.000 Euro kostet. Oder eben ob Sam und Terry ins Cinema oder doch Skateboarden gehen wollen. Bis hin zu der Frage, was Kafka wohl damit ausdrücken will, wenn sich sein Protagonist Gregor Samsa in ein käferartiges Ungeheuer verwandelt.  Das alles sind gute Fragen, weil man sich mit ihnen beschäftigen muss. Ausnahme sind Sam und Terry. Die sollen einfach ins Kino gehen schließlich regnet es.

Doch auch außerhalb der Schule muss man sich immer mal wieder mit guten Fragen auseinandersetzen. Zum Beispiel wenn man nichtsahnend gefragt wird, was einem das Abitur denn bedeute.

Eine gute Frage. In dem Moment als sie mir gestellt wurde hatte ich keine Antwort parat. Ganz einfach deswegen, weil ich mich nie zuvor mit der Frage auseinandergesetzt hatte. Ich nickte also und nahm mir dann schnell ein Stück Brot auf dem ich sehr langsam rumkaute um weiter über die Frage nachdenken zu können. Groß hätte ich in dem Moment ansetzen könne, dass mir das Abitur schon immer viel bedeutet habe, da ich ja studieren will und überhaupt bietet der höchste deutsche Schulabschluss ja eine immense Freiheit, eine große Auswahl an Möglichkeiten und sei eine Errungenschaft die sich nicht nur im Lebenslauf gut mache sondern auch für sich allein stehen könnte und das Ergebnis von Disziplin, Neugier und Ehrgeiz sei. Aber ehrlich gesagt war keine der Punkte Teil meiner Überlegungen als ich nach der 10. Klasse den Weg zum Abitur einschlug. Damals war es vor allem die Zeit, die das Abitur für mich interessant machte. Die Entscheidung das Abi zu machen brachte mir drei Jahre Zeit ein. Drei Jahre, in denen ich, in einer gewohnten Umgebung und mit Anforderungen die zwar versprachen anspruchsvoller zu werden mir aber dennoch vertraut waren, mir darüber klar werden konnte, was ich nach dem Abitur machen möchte. Und wie ich gerade jetzt, zwischen den einzelnen Abiturprüfungen feststellen muss, hat man während des Abiturs zwar oft unfassbar wenig, oft aber eben auch unfassbar viel Zeit. Zeit um sich mit guten Fragen auseinanderzusetzen. Habt ihr eine Antwort parat?

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