Nach dem Vorabi ist vor dem Abi

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Ein Beitrag von Georg Hölting.

Der Kopf ist rund (und raucht).

Und das Spiel dauert definitiv länger als 90 Minuten.

Das ist das Vorabi. Kurz zusammengefasst; für alle die sich nichts darunter vorstellen können. Das Vorabitur ist, wie der Name schon sagt, die letzte Klausur in den schriftlichen Prüfungskursen vor dem Abitur. Um die Schüler optimal auf ihre Abiturprüfungen vorzubereiten finden diese Klausuren schon unter Abiturbedingungen statt. Das heißt sie gehen über sechs Schul-und fünf Zeitstunden, beinhalten ein thematischen Übergriff  zweier Halbjahre und auch das sonstige Prozedere des Abiturs wird simuliert. Darunter fällt, dass du tatsächlich schon 15 Minuten früher anwesend sein musst, die Dauer deiner Toilettengänge notiert werden, du dir aber auch dafür auf dem Rückweg kostenlos einen Kaffee holen darfst. Ein spärlicher Versuch die geraubte viertel Stunde Schlaf wieder auszugleichen.

Doch das eigentliche Vorabitur beginnt nicht mit der ersten Prüfung (an einem Samstag!) sondern schon Wochen, eher Monate vorher: in der sonst so besinnlichen Vorweihnachts-und Vorferienzeit. Denn spätestens in den Weihnachtsferien sollte ein jeder mit dem Lernen für das Vorabitur beginnen! So lautet der allgemeine Konsens der Lehrerschaft. Dieser wird von den Schülern, so weit so üblich, mal mehr mal weniger beherzigt. Ich jedenfalls habe gelernt; was es heißt rechtzeitig anzufangen. Gut nicht vor Weihnachten. Und auch nicht vor Sylvester. Aber dann. In den gewohnt ruhigen, ersten Januartagen, in welchen man noch gewillt ist seine Vorsätze einzuhalten, da habe ich mir Kant und Schiller, Aufklärung und Klassik und Kaiser Karl V zu Gemüte geführt.

So weit, so unüblich.

Das neue Halbjahr startet abrupt. In allen Fächern werden neue Themen und neue Abiboxen aufgeschlagen und auf einmal ist das Vorabi wieder ganz weit weg. Es geht darum mit dem neuen Stoff für das kurze Halbjahr voran zu kommen, während man selbst sich noch bemüht mit dem alten Stoff der letzten zwei, überraschend langen, Halbjahre hinterher zu kommen. Dann kommen die Zeugnisferien wie ein Befreiungsschlag. Obwohl man als Sek Zweiler sein Zeugnis ja schon vor Weihnachten quittiert hat, werden einem die zwei freien Tage gewährt. Es scheint endlich genug Zeit da zu sein um sowohl das Wochenendprogramm als auch das Lernpensum zu schaffen.Doch am Mittwoch hat man dann doch wieder nur eins von beidem oder beides eher halb erledigt.

Ab jetzt werden die Tage gezählt: Mittwoch, Donnerstag, Freitag: am Samstag steht die erste Klausur an. Es ist das einzige Mal, dass die Nummern hinter dem P der Prüfungskurse tatsächlich eine Reihenfolge anzeigen. Vom ersten Klausurtag an beginnt ein interessanter Rhythmus: die Tage sind klar getaktet. Von 8 bis spätestens 13:30 wird Klausur geschrieben. Danach und an den Tagen an denen keine Klausur geschrieben wird (an welchen man auch keinen Unterricht hat) studiert man seine Aufzeichnungen und Lernzettel. Es geht in dieser Zeit nicht mehr ums Lernen und verstehen. Es geht darum Begrifflichkeiten, Fachwörter und Formulierungen parat zu haben. Und trotzdem ausreichend Schlaf zu bekommen. Mit der P4 Klausur am Donnerstag endet dieser, an ein Wachkoma erinnernde, Zustand.Der Unterricht, der am Freitag stattfindet ist nur schlecht besucht.  

Das Spiel ist gespielt. Doch noch keiner hat eine Ahnung wie viele Punkte er oder sie erzielt hat. Aber eines wissen alle: es sind nur noch vier Wochen bis zum Finale.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.