Glück im Unglück

Ein Geschichte von Pauline Eva Eikens

Ich sitze mit meinem Sohn auf der Autobahn im Auto, die grau-getigerte Katze hinten im Kofferraum in ihrem Transportkorb.

Hinter uns unser voll gepackter Wohnwagen für den Urlaub. Vor uns bildet sich ein langer, dichter Stau. Ich schalte zurück, werde langsamer und setze vorsichtshalber den Warnblinker. Dann muss ich stehen bleiben – nichts geht mehr. Man hört nur das Hupen einiger ungeduldiger Autofahrer.

Plötzlich überkommt mich ein ungutes Gefühl, und ich schaue in den Rückspiegel. Ich kann meinen Augen kaum glauben: von hinten rast ein großer LKW auf uns zu!! Ich zähle noch 3-2-1 – bäng!

Große Stille liegt über der Autobahn. Die Airbags drücken uns von allen Seiten in den Sitz. Mit aller Kraft versuchen wir sie wegzuschieben. Es gelingt. Mein Sohn und ich schauen uns ängstlich und auch fragend an. Wir drehen uns vorsichtig und langsam um. Vom Wohnwagen ???? Keine Spur. Wir gucken in unseren eingedrückten Kofferraum zu unserer kläglich miauenden Katze, die neben ihrem aufgeplatzten Transportkorb sitzt.

Vor uns, aus der eingedrückten Motorhaube steigt langsam aber sicher Rauch auf. Noch bevor man es sehen kann rieche ich das Feuer, Flammen schlagen aus der Motorhaube. Mit all meiner Kraft, die ich noch habe, versuche ich mich aus dem Auto zu befreien und in Sicherheit zu kommen. Die Tür klemmt, daher krieche ich durch die zerbrochene Seitenscheibe. Mein Sohn schreit, denn er kommt nicht aus dem brennenden Auto.

Verzweifelt versuche ich ihm zu helfen, rüttele an der zerbeulten Tür, doch sie geht nicht auf. Von der Ferne höre ich die Rettungswagen zu Hilfe kommen. Noch ein Blick und ich sehe, dass sie nicht durchkommen. Mit Erleichterung sehe ich Bundeswehrsoldaten mit Feuerlöschern auf uns zukommen. Rettung naht. Ich denke jetzt wird alles gut, doch dann schweift mein Blick unter die Trümmer des Autos: eine volle Gasflasche aus dem Wohnwagen liegt unter dem zerdrückten Kofferraum.

Einer der Helfer versucht den Motorbrand zu löschen, der Zweite versucht die Gasflasche zu kühlen, während ein Dritter sein Leben riskiert und ins brennende Auto steigt und versucht meinen Sohn zu beruhigen und mit allem, was in seiner Macht steht, zu helfen. Knatternd nähert sich ein Hubschrauber. Mittlerweile hat sich jemand um unsere Katze gekümmert, sie ist unverletzt, und sie bringen sie für uns nach Hause.

Ein Blick, und ich sehe die Rettungswagen und die Feuerwehr immer mehr auf der Gegenfahrbahn auf uns zurasen, da auf unserer Fahrbahn immer noch keine Rettungsgasse gebildet wurde. Mittlerweile ist das Feuer gelöscht und ich rieche nur noch den Qualm, der vom Feuer übrig geblieben ist. Die Feuerwehr rennt zum zerstörten Auto und befreit meinen Sohn. Endlich können wir uns erleichtert in die Arme fallen, Tränen laufen uns übers Gesicht. Ich hatte die Hoffnung für ihn schon fast aufgegeben. Dann finden wir uns im Rettungswagen wieder, von der ganzen Aufregung habe ich die Wunde an meinem Bein gar nicht erst gemerkt. Nun geht es für uns ins Krankenhaus, wo uns eine lange Nacht voller Untersuchungen und Operationen bevorsteht. Im Nachhinein stellt sich heraus, dass mal wieder ein LKW-Fahrer am Steuer eingeschlafen ist. Wie immer auf der Autobahn… Noch Wochen danach mögen wir kaum Auto fahren und haben immer noch Albträume davon. Doch trotz aller Schmerzen und des finanziellen Verlustes sind wir dankbar, denn wir leben, was ohne der Hilfe fremder Menschen nicht möglich wäre.

Man könnte sagen, wir hatten Glück im Unglück.

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