Von Luca.
Die Landeshauptstadt von Niedersachsen, Hannover, wird oft als eine der unschönsten und langweiligsten Städte Deutschlands bezeichnet. Diese Vorwürfe wurden vor allem durch die Nachkriegsarchitektur geprägt und bilden bis heute eine Grundvorstellung von Hannover. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt schwer zerstört. Statt alles wieder originalgetreu aufzubauen, haben sich die Stadtplaner in den 1950er Jahren auf eine modernere, saubere und autogerechte Stadt konzentriert. Genau diese Veränderung wirkt auf manche Besucher zweckmäßig und trocken statt liebevoll und romantisch.
Nicht nur das Nachkriegsbild, sondern auch die Witze von Comedians haben das schlechte Image verstärkt. Über die Jahre haben Fernsehcomedians wie Harald Schmidt in ihren Shows die Stadt als die ödeste und durchschnittlichste Stadt bezeichnet und sich über Hannover lustig gemacht. Genau solche Running Gags haben sich tief in das Gedächtnis der deutschen Kultur eingepflanzt. Dennoch gilt Hannover bis heute vor allem als Standort für Wirtschaft, Verwaltung und Messen, also als Ort, wo man arbeitet und verwaltet. Im Vergleich zu reinen Touristen und Partystädten hat die Stadt oft mit dem Klischee zu kämpfen, dass es hier keine Kultur und kein soziales Leben gäbe.
Aber nur weil manche Menschen die Stadt als trocken und nicht geeignet für Touristen sehen, bedeutet das nicht, dass Hannover diesem Klischee auch entspricht. Unsere Stadt ist sehr touristenfreundlich. Der sogenannte „Rote Faden“ ist eine 4200 Meter lange Linie, die in einem auffälligen Rot direkt auf den Pflasterboden der Gehwege gemalt wurde. Sie führt Touristen oder Bewohner ohne Hindernisse oder Pläne zu Hannovers bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Innenstadt. Das prachtvolle Neue Rathaus, das einem alten Schloss ähnelt, oder das älteste Bürgerhaus, das 1566 als Fachwerkhaus gebaut wurde, gehören zu den besonderen Sehenswürdigkeiten, die Hannover aus seiner Geschichte bietet.
Auch die Kreuzkirche (St. Crucis) wurde zwischen 1320 und 1333 errichtet und im Jahr 1333 geweiht. Damit ist sie die älteste noch erhaltene Kirche der Altstadt und schlägt die berühmte Marktkirche von Hannover um wenige Jahre, deren Bau erst um 1330 begann und bis 1347 dauerte. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche zerstört und ab 1950 vereinfacht wieder aufgebaut, umgebaut und erweitert. Der Beginenturm, der direkt am Historischen Museum steht, ist ein Teil der mittelalterlichen Stadtmauer. Er wurde 1357 gebaut und ist damit der älteste komplett erhaltene Wehrturm von Hannover und nur knapp jünger als die Kreuzkirche.
Und jetzt nehmen wir mal Abstand von der Geschichte Hannovers. Der Maschsee ist ein künstlich angelegter See, der in den 1930er Jahren entstand und 2,4 km lang ist. Er bereichert Hannover schon lange mit Sport, Erholung und Urlaubsflair. Der 6 Kilometer lange, asphaltierte und flache Weg um den See bietet Sportlern eine tolle Möglichkeit, ihrem Sport auch abends bei guter Beleuchtung nachzugehen. Jedes Jahr, meistens im August, findet hier Deutschlands größtes Seefest statt. Dort kann man Streetfood genießen und Konzerte unter freiem Himmel besuchen, die jedes Jahr rund 2 Millionen Besucher anziehen. Am Südufer des Sees liegt das Strandbad Maschsee mit einem echten Sandstrand, Liegewiesen und direktem Zugang zum Schwimmen. Direkt daneben gibt es außerdem ein edles Wellnessresort mit Fitnessclub.
Wer nach dem Ganzen entspannen möchte, muss nicht weit laufen. Mit der Eilenriede besitzt Hannover einen Stadtwald nah am Zentrum, der fast doppelt so groß ist wie der Central Park und die Stadt zu einer der grünsten Großstädte Deutschlands macht. Abends trifft man sich dann im Kultstadtteil Linden auf der Limmerstraße zum sogenannten „Limmern“. Man holt sich ein Getränk am Kiosk und unterhält sich draußen.
Am Ende ist Hannover vielleicht nicht die Stadt, die damit protzt, wie wunderbar sie ist. Aber genau diese Mischung aus viel Natur, bezahlbarem Wohnraum, lebendiger Kultur und stressfreier Entschleunigung macht sie insgeheim zu einer der schönsten Städte Deutschlands.
Zum Schluss möchte ich noch meine eigene Meinung dazu sagen. Hannover bietet eine enorme Vielfalt, sodass wirklich für jeden Geschmack etwas dabei ist. Genau deshalb eignet sich die Stadt sehr gut als Reiseziel für Touristen und Besucher. Wer Erholung im Grünen sucht, findet in der Eilenriede die perfekte Atmosphäre. Wer dagegen Lust auf Feiern hat, findet bei den vielen Events und Partys genug Möglichkeiten. Besonders für Jugendliche ist Hannover geeignet, weil es hier viele Schulen und Hochschulen gibt. Die Stadt bietet damit sowohl gute Zukunftsperspektiven als auch jede Menge Freizeitspaß. Und wer davon nicht überzeugt ist, war noch nie in Hannover.
