Im Strudel der Algorithmen: Wie Social Media unser Denken formt

Ein Beitrag von Emilia, Maja und Maggy

Ein Leben ohne Social Media ist heute kaum noch vorstellbar. Doch wäre es vielleicht ein besseres? Die Zeit vor den sozialen Medien scheint kaum noch greifbar, dabei ist sie noch gar nicht lange her. Seitdem sich TikTok, Instagram und YouTube in unseren Alltag eingeschlichen haben, bestimmen sie unsere Gesellschaft mit. Facebook ist laut einer aktuellen Studie die meistgenutzte Plattform weltweit, dicht gefolgt von Instagram mit rund zwei Milliarden Nutzern pro Monat. Erschreckend sind jedoch nicht allein die Nutzerzahlen, sondern vor allem die Altersgruppen, die diese Plattformen konsumieren. Die Generation Z ist nicht nur diejenige, die am meisten Inhalte hochlädt, sondern auch diejenige, die die meiste Zeit auf diesen Plattformen verbringt. Daher ist es umso wichtiger, sich mit den Konsequenzen, Gefahren und Manipulationsmöglichkeiten auseinanderzusetzen und nachfolgende Generationen ausreichend aufzuklären.

Social Media bestimmt uns, auch wenn wir das nicht wahrhaben wollen. Sei es durch die perfekt auf den Einzelnen abgestimmte „For You Page“, die ständigen Vergleiche mit einem unrealistischen, gesellschaftlich und medial standardisierten Schönheitsideal oder durch voreingestellte Filter, die dieses Ideal zusätzlich verstärken. Auch bestimmte Ansichten werden durch Algorithmen immer wieder präsentiert und dadurch Teil des eigenen Meinungsbildes. Vieles wird übernommen oder einfach hingenommen, ohne kritisch hinterfragt zu werden. Die zahlreichen Plattformen bieten ein Meer an Informationen, doch wir dürfen die Fähigkeit zur Differenzierung nicht verlieren. Wir müssen immer wieder an die Oberfläche zurückkehren, die Inhalte mit der Realität vergleichen und dürfen nicht in der Masse aus Meinungen, Falschnachrichten und Inszenierungen ertrinken.

Unsere Gesellschaft wurde schon immer durch Politik, Trends, Ängste und Träume geprägt. Heute wird sie zusätzlich durch Social Media beeinflusst, was besonders an der Schnelllebigkeit deutlich wird. Noch nie zuvor waren Dinge so schnell „in“ und im nächsten Moment schon wieder „out“. Soziale Medien beeinflussen jedoch nicht nur die Gesellschaft als Ganzes, sondern auch jeden Einzelnen. Gerade bei Jugendlichen spielen Selbstbild und Aussehen eine große Rolle. Man vergleicht sich ständig mit anderen und hat oft das Gefühl, nie so zu sein wie „die anderen“. Schöne Schauspieler, Models oder attraktive Menschen im eigenen Umfeld gab es schon immer. Durch Social Media ist die Zahl der Vergleichsmöglichkeiten jedoch enorm gestiegen. Der Unterschied besteht darin, dass sich heute jeder hinter seinem Profil selbst inszenieren kann.

Die Auswirkungen von Plattformen wie TikTok und Instagram sind deutlich sichtbar. Die Zahl der Menschen mit Dysmorphophobie ist stark gestiegen. Dysmorphophobie ist eine psychische Erkrankung, bei der die Selbstwahrnehmung gestört ist. Sie kann Depressionen, Angstzustände und sozialen Rückzug hervorrufen. Durch diesen persönlichen und gesellschaftlichen Druck ist auch das Verlangen nach äußerer Veränderung und Anpassung an das standardisierte Schönheitsideal gestiegen. Parallel dazu nimmt die Zahl kosmetischer Eingriffe zu. Viele Influencer veröffentlichen ihre Schönheitsoperationen in den sozialen Medien und tragen dadurch zur Normalisierung solcher Eingriffe bei.

Besonders erschreckend ist auch die Zeit, die unsere Generation auf sozialen Netzwerken verbringt. Eine Umfrage zeigt, dass die meisten Jugendlichen zwischen zwei und vier Stunden täglich auf öffentlichen Plattformen unterwegs sind. Auch natürliche Rhythmen wie der Schlaf geraten dadurch aus dem Gleichgewicht. Social Media gaukelt uns einen Ort der Entspannung vor, dabei kommt das Gehirn bei einer dauerhaften Dopaminausschüttung nicht zur Ruhe. Da viele gerade vor dem Einschlafen zu ihrem Smartphone greifen, führt dies zu immensem Schlafmangel. Viele Befragte geben außerdem an, sich deutlich häufiger mit anderen zu vergleichen. Das führt nicht nur zu sozialen Problemen, sondern auch zu psychischen Erkrankungen.

Social Media besteht aus Plattformen, die dem Austausch und der Unterhaltung von Menschen weltweit dienen. Jedem steht die Möglichkeit offen, eigene Meinungen und Ansichten zu veröffentlichen. Firmen, Vereine und Verbände passen sich der Schnelllebigkeit und der sinkenden Aufmerksamkeitsspanne ihrer Kunden an und wechseln von Flyern und Broschüren zu Instagramstorys oder Werbeclips auf TikTok. Doch nicht nur Unternehmen nutzen diese neue Form der Kommunikation, sondern auch die Politik.

Jugendliche sind sehr aktiv auf Social Media, und die einzelnen Parteien nutzen dies auf unterschiedliche Weise. Die AfD nutzt soziale Medien besonders intensiv, um neue Wähler zu erreichen. Sie stellt politische Probleme häufig stark vereinfacht dar und inszeniert sich selbst als einzigen Ausweg aus Unzufriedenheit und Verzweiflung. Dabei teilt sie die Welt nach dem Schema „Wir“ gegen „die anderen“ auf. Die AfD nutzt gezielt die Algorithmen von TikTok und anderen Plattformen, um durch provokante Aussagen auf den „For You Pages“ junger Menschen zu erscheinen. Videos werden bewusst zugeschnitten und bearbeitet, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Menschen fühlen sich häufig von extremen Positionen angezogen. Die AfD bietet solche Positionen nicht nur im Bundestag, sondern zunehmend auch auf Social Media und erzielt dadurch eine höhere Reichweite als viele andere Parteien. Mit etwa 730.000 Followern auf TikTok hat die AfD deutlich mehr Follower als die CDU mit rund 100.000. Außerdem nutzen 17 von 30 AfD-Mitgliedern aktiv soziale Medien, während dies bei anderen Parteien nur auf etwa 7 von 30 Kandidaten zutrifft.

Die AfD verwendet gezielt das Hashtag #AfD, das Erstwählern häufiger angezeigt wird als Hashtags anderer Parteien. Untersuchungen zufolge erscheinen nach dem Erstellen eines neuen Profils bereits nach etwa zwölf Minuten Inhalte mit diesem Hashtag, während Inhalte anderer Parteien teilweise deutlich später vorgeschlagen werden. Polarisierende Inhalte erhalten auf diesen Plattformen besonders viel Aufmerksamkeit, was politische Meinungsbildung erheblich beeinflussen kann. Zusätzlich verwenden manche AfD-Anhänger künstliche Intelligenz zur Erstellung politischer Inhalte. Ein Beispiel ist ein KI-generiertes Bild, das Friedrich Merz zeigt und den Eindruck vermittelt, er würde die AfD unterstützen. Solche Bilder können die Meinung von Menschen beeinflussen, da einige Nutzer glauben könnten, dass diese Darstellungen echt sind.

Besonders gefährlich wird es für diejenigen, die mit diesen Technologien aufwachsen und oft nicht mehr wissen, wo sie verlässliche Quellen finden können. Fast jeder aus der Generation Z ist bereits mit Deepfakes in Berührung gekommen, sei es über Social Media, Fernsehberichte oder sogar im eigenen Gruppenchat. Seitdem künstliche Intelligenz es ermöglicht, innerhalb kürzester Zeit täuschend echte Fälschungen zu erstellen, wachsen die Sorgen, sie werden jedoch häufig unterschätzt. Vor allem viele Mädchen haben Angst davor, dass von ihnen solche Aufnahmen erstellt werden könnten. Mittlerweile reicht oft schon ein einzelnes Foto des Gesichts aus, um täuschend echte Videos oder Bilder zu erzeugen. Auch in der Influencerwelt spielt dieses Thema eine große Rolle. Von der Influencerin Jule Borsch, besser bekannt als „Julesboringlife“, wurde mithilfe eines einfachen Fotos ihres Gesichts ein pornografischer Deepfake erstellt.

Unsere Generation bekommt solche Vorfälle direkt mit oder ist im schlimmsten Fall selbst betroffen. Wir haben dazu ein Stimmungsbild an unserer Schule eingefangen:

„Ich benutze Social Media schon sehr lange und poste auch regelmäßig. Seitdem ich von diesen Deepfakes gehört habe, habe ich schon öfter darüber nachgedacht, meine Videos zu löschen.“

„Ich habe total Angst, dass mir das auch passiert und plötzlich so ein Bild oder sogar Video in einem Klassenchat landet.“

„Man muss aufpassen, was man postet. Wenn man freizügige Bilder veröffentlicht, bietet man natürlich eine Vorlage.“

„Bei einer Freundin von mir ist das passiert. Sie hat erst durch einen guten Freund erfahren, dass ein KI-generiertes Nacktfoto von ihr in einer Gruppe von Jungen verschickt wurde.“

Es handelt sich also nicht um eine Frage der Zukunft, sondern bereits um ein Problem der Gegenwart. KI-Anwendungen benötigen bessere Kontrollmechanismen, um Missbrauch zu verhindern. Künstliche Intelligenz sollte ein Hilfsmittel bleiben und nicht zu einem Instrument der Manipulation werden.

Social Media ist und bleibt ein wichtiger Teil unserer Zukunft. Dennoch müssen wir lernen, diese neue Dimension der Kommunikation besser einzuschätzen. Es reicht nicht aus, Inhalte nur oberflächlich wahrzunehmen. Wir müssen lernen, sie zu verstehen, kritisch zu hinterfragen und auch kontroverse Meinungen in unser eigenes Argumentationsspektrum einzubeziehen. Nur so können wir eine vielfältige, informierte und konstruktive Diskussionskultur schaffen. Die Zukunft sollte durch Mitgestaltung geprägt werden, nicht durch Angst.

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