Ein Interview von Layla, Cennet und Irem.
In diesem Interview gibt Milena Neumes persönliche Einblicke in ihre Arbeit als Moderatorin, was dieser Beruf für sie bedeutet und welche Herausforderungen er mit sich bringt. Sie spricht darüber, warum Wahrheit und Haltung in den Medien so wichtig sind und welche Bedeutung Fake News für unsere Gesellschaft haben. Außerdem sprechen wir mit ihr über einen aktuellen Anlass: die Hannah-Arendt-Tage, und warum die Ideen von Hannah Arendt heute noch relevant sind und politische Debatten prägen. Abschließend teilt sie ihre Perspektive darauf, warum politisches Engagement gerade für junge Menschen eine besondere Rolle spielt und welche Chancen und Herausforderungen damit verbunden sind.

Hallo liebe Milena, was hat dich persönlich dazu inspiriert, Moderatorin zu werden und was bedeutet dieser Beruf für dich?
Grundsätzlich war ich schon immer total interessiert an politischen Prozessen. Nach dem Abi habe ich ein FSJ in Sachsen-Anhalt gemacht und in diesem Kontext verschiedene Ehrenämter übernommen. Durch das Ehrenamt kam dann die Frage im Team auf, ob jemand eine Preisverleihung moderieren möchte, und ich meinte: „Hey, ja, warum nicht?“ Zufälligerweise hat einer, der die Preisverleihung organisiert hat, kurz vorher einen digitalen Moderationsworkshop angeboten. Ich dachte mir: Perfekt – da kann ich mir ein paar Skills aneignen. Ich war damals 18 Jahre alt und hatte das so noch nie gemacht. Der Workshop wurde von einer 24-jährigen Frau geleitet, die mich total begeistert hat – von ihrer Art, ihrer Arbeit und ihren Themen. Ich war sofort inspiriert und dachte: „Ich will so sein wie du!“ Long story short: Ich habe sie danach gefragt, ob wir uns austauschen können, und sie ist dann meine Mentorin geworden. Sie hat mich etwa eineinhalb Jahre begleitet und mir gezeigt, was es heißt, Moderatorin zu sein, gerade bei politischen Themen. Sie hat mir außerdem gezeigt, was es bedeutet, als junge Frau selbstständig zu sein – etwas, womit ich vorher keine Berührungspunkte hatte. Kurz vor meinem 20. Geburtstag habe ich mich dann selbstständig gemacht. Das ist jetzt ungefähr zweieinhalb Jahre her, und heute kann ich sagen: Das ist mein Beruf.
Welche Eigenschaften braucht man oder sind deiner Meinung nach besonders wichtig, um eine gute Moderatorin zu sein oder zu werden?
Das hängt davon ab, von welcher Art Moderation man spricht. Viele denken zuerst an Radio- oder Fernsehmoderation, weil das die bekannteste Form ist – klassisch: Tagesschau. Das ist aber nicht das, was ich mache. Ich mache Veranstaltungsmoderation, also stehe ich nicht direkt vor der Kamera oder dem Radiomikrofon. Das bringt andere Schwerpunkte mit sich. Gerade bei thematischen Schwerpunkten habe ich für mich festgelegt, dass mein Ziel ist, eine Brücke zu bauen – zwischen Inhalten und Publikum. In meinem Fall geht es vor allem um politische Themen und häufig ein junges Publikum. Ich finde, das ist eine sehr wertvolle Aufgabe. Wichtig ist, sich in einer Übersetzerrolle zu sehen: Wenn man ein Podium mit Politiker:innen und Expert:innen hat, kann man nicht davon ausgehen, dass junge Menschen alles verstehen, was dort gesagt wird. Mir ist außerdem ein wertschätzender Umgang mit allen Beteiligten wichtig, weil ich selbst vor ein paar Jahren noch im Publikum saß oder mitorganisiert habe. Heute stehe ich auf der Bühne – und diese Perspektiven helfen mir, den unterschiedlichen Erwartungen gerecht zu werden.
Warum hast du dich für Politik- und Kommunikationswissenschaft entschieden, und wie beeinflusst dieses Studium deine Arbeit als Moderatorin?
Das war zunächst unabhängig von der Moderation. Nach dem Abi habe ich mich entschieden, ein politisches FSJ zu machen. Ich war davor schon politisch interessiert und aktiv und wusste, dass Politik mich interessiert, war mir aber unsicher, ob ein politikwissenschaftliches Studium das Richtige ist. Im Landtag wurde mir dann klar: Das ist genau das, was ich machen möchte. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass politische Kommunikation total spannend ist – also wie Entscheidungen nicht nur getroffen, sondern auch vermittelt werden. Es bringt ja nichts, Entscheidungen zu treffen, wenn niemand versteht, worum es geht. Deshalb kam der Gedanke: Ich möchte Kommunikationswissenschaft studieren – und warum nicht beides kombinieren? Die Moderation kam erst kurz vor Beginn des Studiums dazu, also lief beides parallel. Durch mein Studium verstehe ich heute besser, warum Entscheidungen getroffen werden, wie sie diskutiert werden und welche Strukturen dahinterstehen. Außerdem konnte ich journalistische Erfahrungen sammeln, die meine Arbeit als Moderatorin bereichern – auch wenn ich mich selbst nicht als Journalistin sehe.
Da du bereits einiges gemacht hast und auch sehr engagiert warst – gibt es Dinge, die dich besonders beeinflusst haben, sowohl positiv als auch negativ? Welche Aspekte haben dich in deinem Berufsleben stark geprägt oder begleiten dich noch immer?
Ich kann von Glück reden, dass ich bisher wenig negative Erfahrungen gemacht habe. Das Einzige, was manchmal Thema war, ist mein Alter – ich bin 22. Manche gingen anfangs davon aus, dass ich die Arbeit nur „halb“ mache oder nicht professionell sei – und dass man mir deshalb weniger zahlen müsse. Dabei mache ich das nicht wegen des Geldes, sondern weil es mein Beruf ist und professionell behandelt werden sollte. Positiv ist auf jeden Fall, wie gut sich mein Studium mit meiner Arbeit ergänzt – sowohl inhaltlich als auch methodisch. Ich wüsste keinen Beruf, der mich besser auf die Moderation vorbereitet hätte.
Was kann eine gute Moderation leisten, um das Vertrauen in Medien und öffentliche Debatten wieder zu stärken?
Eine gute Moderation kann viel dazu beitragen, indem sie Transparenz schafft, respektvolle Diskussionen ermöglicht und verschiedene Perspektiven ernsthaft zu Wort kommen lässt. Sie kann helfen, Brücken zwischen Fachwissen und Publikum zu bauen, Inhalte verständlich zu machen und Debatten so zu strukturieren, dass sich Menschen gehört fühlen.
Wie gehst du persönlich damit um, wenn Menschen während einer Diskussion Falschinformationen verbreiten oder stark emotional reagieren?
Ich versuche, ruhig zu bleiben und transparent zu sein. Wenn etwas nicht stimmt, hake ich nach, frage nach der Quelle oder fasse neutral zusammen: „Habe ich Sie richtig verstanden, dass…?“ So kann man Falschinformationen oft sachlich korrigieren, ohne jemanden bloßzustellen. Wenn Diskussionen emotional werden, hilft es, empathisch zu bleiben und den Fokus auf das Thema zurückzuführen, um die Gesprächskultur zu wahren.
Wie gelingt es dir, bei sensiblen oder polarisierten Themen neutral zu bleiben, ohne an Klarheit zu verlieren?
Ich bereite mich intensiv vor und versuche, alle Perspektiven zu verstehen. Neutralität heißt für mich nicht, keine Haltung zu haben, sondern Themen so zu moderieren, dass alle Seiten fair dargestellt werden. Mir ist wichtig, dass ich als Moderatorin den Raum halte – nicht urteile, sondern ermögliche.
Wie können wir deiner Meinung nach lernen, Fake News besser zu erkennen und mit ihnen umzugehen?
Ich würde die Frage aus zwei Blickwinkeln beantworten – dem konkreten und dem übergeordneten. Konkret: Man sollte prüfen, ob eine Aussage, ein Bild oder ein Video auf einen komisch wirkt. Stimmen die Details? Wirkt etwas merkwürdig? Dann lohnt sich ein Blick auf die Quelle: Woher kommt das? Ist sie vertrauenswürdig? Natürlich kann man nicht jedes TikTok überprüfen – aber besonders bei politischen oder diskriminierenden Inhalten sollte man hinterfragen und gegebenenfalls melden oder nicht weiterverbreiten. Übergeordnet glaube ich, dass Medienkompetenz dauerhaft gestärkt werden muss. Das ist keine einmalige Sache. Wir brauchen heute – im Zeitalter der KI – eine andere Art von Medienbildung als noch vor 10, 20 oder 30 Jahren. Schulen können dabei eine wichtige Rolle spielen, aber auch Erwachsene sollten kostenlose Möglichkeiten haben, sich weiterzubilden.
Welche Schwierigkeiten hast du, wenn du über schwierige Themen wie „Fake News“ sprichst?
Ich glaube, es ist total wichtig, transparent zu sein und Dinge zu erklären. Manchmal braucht es ein, zwei oder drei Nachfragen, um sicherzugehen, dass alle verstehen, worum es geht. Das ist nicht immer leicht, weil man oft wenig Zeit hat und Inhalte vereinfachen muss. Wenn man es aber richtig macht, wird das vom Publikum sehr geschätzt. Ich bereite mich intensiv vor, damit ich auf der Bühne sicher bin. Auch wenn man sich mal verspricht – das Wissen bleibt. Diese Vorbereitung sorgt dafür, dass das Feedback meist sehr positiv ist.
Welche Verantwortung tragen Moderator:innen im Umgang mit Fake News?
Moderator:innen tragen eine große Verantwortung, denn sie gestalten mit, wie Informationen vermittelt werden. Gute Vorbereitung, Faktenchecks und Transparenz sind entscheidend, um das Vertrauen in die öffentliche Kommunikation zu stärken.
Was hältst du persönlich, aber auch gesellschaftlich von Hannah Arendt, und was interessiert dich daran am meisten?
Da sind Dinge mit dabei, die man auch heute anwenden kann und die man nutzen kann, um die heutigen jungen Menschen anzuordnen und besser zu verstehen und kritisch zu hinterfragen und ich glaub, das ist vielleicht einfach allgemein sehr hilfreiches Learning, dass nur weil sich Dinge verändern, man vielleicht trotzdem aus der Vergangenheit Learnings mitnehmen kann und Dinge überprüfen kann. Gerade so Ideen, wo es darum geht, wann ist Politik legitim? Wann können wir dafür sorgen, dass die Macht wirklich bei vielen liegt und wann macht wirklich auch kontrolliert werden kann und nicht nur bei einer Institution die macht, was sie möchte. Ich glaube das war damals genauso irrelevant wie heute.
Wie bereitest du dich inhaltlich und persönlich auf eine große Podiumsdiskussion, wie z. B. bei den Hannah-Arendt-Tagen, vor?
Ich mache das nun seit zweieinhalb Jahren und habe mit jeder Diskussion dazugelernt. Dadurch habe ich ein besseres Gefühl dafür bekommen, worauf ich methodisch achten muss, wie ich thematische Schwerpunkte setze oder wie ich Interaktionen mit dem Publikum gestalte. Ich bereite mich inhaltlich gut vor, lese mich in die Themen ein, spreche mit den Podiumsgästen und den Veranstalter:innen. Wichtig ist, genug informiert zu sein, um den Expert:innen zu folgen, gute Fragen zu stellen – und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass das Publikum alles versteht.
Welche Relevanz haben Hannah Arendts Ideen, etwa zu Wahrheit, Politik oder Öffentlichkeit, für aktuelle Debatten über z.B. Fake News?
Ich glaube, das ist weiterhin innerhalb dieser Gewaltenteilung also dieser vier Gewalten mit Medien total wichtig ist, sich darauf zu konzentrieren, dass eben auch zum Beispiel Institutionen oder Personen, die Fake News und Desinformation verbreiten auf einmal die komplette Macht haben und man ihnen nichts dagegen treten kann, weil wir ja die anderen Institutionen noch haben, zum Beispiel ein Parlament, das sagen kann „Ich führe aber Regeln ein“. Wir lassen aber Plattformen wie wie Facebook und Instagram und TikTok nicht einfach machen, was sie wollen sondern wir wollen unserer Staat und unsere Bürger:innen vor Desinformation fake News schützen und legen Regeln fest und die Exutive führen die Regeln dann aus. Es ist total wichtig, sich diese Entwicklung bewusst zu sein und sie nicht wegzu ignorieren, weil Probleme weg zu ignorieren jetzt selten gut funktioniert. Aber ich glaube, sich trotzdem bewusst zu sein, wir haben das Glück in einem Staat zu Leben, der Macht aufteilt, der dazu in der Lage ist, durch diese Aufteilung in verschiedensten Prozessen oder in verschiedensten Strukturen, Prozesse zu überprüfen und zu kontrollieren und zu verbessern, dass das auch auf die Themen Fake News und Desinformationen angewendet werden kann und dass man einfach mutig genug dazu sein muss, sie wirklich auch einzusetzen.
Welche Rolle können Moderator:innen dabei spielen, junge Menschen stärker für Demokratie und gesellschaftliche Themen zu begeistern?
Als Moderatorin stehe ich nicht im Mittelpunkt. Meine Aufgabe ist es, den Fokus auf die Expert:innen zu legen und durch gute, strukturierte Fragen zu ermöglichen, dass sie ihr Wissen mit dem Publikum teilen. Wenn junge Menschen danach sagen: „Ach spannend, das habe ich neu gelernt“, dann habe ich etwas bewirkt. Ich nehme mir außerdem gerne nach Veranstaltungen Zeit, um mit jungen Menschen zu sprechen – das persönliche Gespräch ist oft das Wertvollste.
Wie erlebst du es, wenn Jugendliche mit eigenen Ideen und großem Engagement zeigen, dass sie etwas in unserer Gesellschaft verändern wollen?
Ich finde das unglaublich inspirierend. Junge Menschen, die sich engagieren, zeigen, dass sie Verantwortung übernehmen und die Zukunft aktiv mitgestalten wollen. Dieses Engagement verdient Anerkennung und Unterstützung.
Wie kann man Jugendliche ermutigen, sich aktiv, aber auch reflektiert, in politische Diskussionen einzubringen?
Jugendliche sollten das Recht darauf haben gehört zu werden und dazu in der Lage zu sein, genau diese Ideen und diese Wünsche und diese Forderungen zu formulieren und auch auf ein offenes Ohr zu treffen beziehungsweise für ihre Arbeit auch ausgezeichneten und wertgeschätzt zu werden. Deshalb finde ich es umso schöner durch meinen Beruf in der Position zu sein, genau das weiterzugeben und ich hoffe, dass das auch rüberkommt.
Als Jurymitglied des Jugend-Demokratie-Preises erlebst du viele junge engagierte Menschen. Welches Potenzial siehst du in der politischen Beteiligung der jungen Generation?
Der Jugenddemokratiepreis ist ein Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung, bei dem sich junge Menschen bis 27 mit Projekten bewerben können, die Demokratie fördern. Ich bin Teil der Jury, die die Bewerbungen sichtet, das Gewinnerprojekt auswählt und die Preisverleihung organisiert. Es ist unglaublich inspirierend zu sehen, wie vielfältig und durchdacht die Projekte sind. In der letzten Runde hatten wir rund 70 Bewerbungen – und die Ideen und Forderungen junger Menschen sind wirklich beeindruckend. Diese jungen Menschen haben das Recht, gehört zu werden. Deshalb ist es so wichtig, ihnen eine Bühne zu geben und ihr Engagement wertzuschätzen. Das ist auch das, was ich in meiner Arbeit weitergeben möchte.
Es gibt ein Zitat von Nelson Mandela, das ich in jungen Jahren gehört habe und mir bis heute nicht aus dem Kopf geht: „Education is the most powerful weapon which you can use to change the world.“ Ich finde, das ist eine Aussage, die sehr viel Hoffnung macht, dass wir mit Weiterbildung und mit Aufklärung dafür sorgen können, dass sich progressive und positive Ideen langfristig durchsetzen und damit auch im besten Fall Gerechtigkeit für verschiedenste Menschen entsteht.
