Ein Gespräch mit dem Stadtbrandmeister Michael Psarrianos

Wir sprechen hier mit dem Stadtbrandmeister der Landeshauptstadt Hannover, der uns einen Einblick in seinen Alltag zwischen Einsatzbereitschaft und Verwaltungsarbeit gibt. Er erzählt uns von seinen Anfängen in der Jugendfeuerwehr, den Herausforderungen seines Berufs und wie er das Gleichgewicht zwischen seiner anspruchsvollen Tätigkeit und seinem Privatleben findet.

Was war der entscheidende Moment oder das Erlebnis, dass dich dazu bewogen hat, dich für die Feuerwehr zu entscheiden?

Ein großer Teil meiner Freunde war bereits in der Jugendfeuerwehr aktiv und erzählte oft begeistert von den vielen spannenden Erlebnissen. Das hat mich 1987 dazu bewogen, selbst in die Jugendfeuerwehr einzutreten. Danach entwickelte sich alles fast von selbst: Mit 16 Jahren wechselte ich in die Einsatzabteilung und bis heute bin ich der Feuerwehr treu geblieben. Obwohl ich hauptberuflich im Fachbereich Feuerwehr tätig bin, schlägt mein Herz schon immer für die Freiwillige Feuerwehr. Deshalb habe ich mich entschieden, die Position des Stadtbrandmeisters der Landeshauptstadt Hannover zu übernehmen.

Wie balancierst du die emotionalen und physischen Anforderungen bei der Feuerwehr mit dem Privatleben, insbesondere in stressigen Zeiten?

Die Kombination aus Haupt- und Ehrenamt bringt sicher einige emotionale und körperliche Herausforderungen mit sich – sei es nach belastenden Einsätzen oder in Krisenzeiten wie während der Corona-Pandemie oder der Flüchtlingskrise. Meine Balance finde ich in meiner Lebenseinstellung: My Home is my Castle oder mein Zuhause ist mein sicherer Anker. Hier erhalte ich von meiner Familie all die Unterstützung, Wertschätzung und das offene Ohr, die ich für meine Aufgaben benötige. Meine Familie steht für mich, auch wenn es manchmal anders aussieht, an erster Stelle.

Was hat der Stadtbrandmeister mit der Stadtpolitik zu tun bzw. setzt man sich damit auseinander?

Als Stadtbrandmeister leite ich die Freiwillige Feuerwehr der Landeshauptstadt Hannover mit ihren 17 Ortsfeuerwehren insgesamt rund 1.600 Mitgliedern, darunter etwa 750 Einsatzkräfte. Gemeinsam mit dem Fachbereich Feuerwehr bin ich unter anderem für die Haushaltsmittel verantwortlich. Dazu zählen die Aufwandsentschädigungen der Führungskräfte der 17 Ortsfeuerwehren sowie allgemeine finanzielle Aufwendungen. Um diese Mittel zu beantragen und einzusetzen, ist ein enger Austausch innerhalb der Stadtverwaltung (z.B. mit dem Leiter des Fachbereichs, Feuerwehr, dem Feuerwehrdezernenten und dem Oberbürgermeister) sowie auch mit der Stadtpolitik notwendig, insbesondere mit, dem Finanzausschuss. Darüber hinaus pflegen wir einen intensiven Dialog mit den 13 Stadtbezirksbürgermeister*innen, die beispielsweise die finanzielle Unterstützung der Jugendarbeit in den Ortsfeuerwehren sicherstellen.

In den letzten Jahren gab es vermehrt Berichte über Angriffe auf Feuerwehrleute während Einsätzen. Welche Maßnahmen werden in deiner Organisation ergriffen, um die Sicherheit der Einsatzkräfte zu gewährleisten und diese Vorfälle zu reduzieren?

Leider beobachten wir auch, dass Übergriffe auf Polizei, Rettungsdienste und Feuerwehr zunehmen. Um dem entgegenzuwirken, bieten wir im Fachbereich Feuerwehr sowohl für Haupt- als auch für Ehrenamtliche Präventionsmaßnahmen an, wie zum Beispiel Deeskalationsseminare. Zusätzlich versuchen wir, über soziale Netzwerke aktiv für mehr Respekt gegenüber Einsatzkräften zu werben – unter anderem mit der Botschaft: Keine Gewalt gegen Einsatzkräfte!

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