Dominik Hebel: „Ich würde gern als fairer Typ in Erinnerung bleiben.“

Ein Interview von Hannah und Leon.

Hallo Dominik, wie wäre es, wenn du dich erst einmal vorstellst?
Hallo ihr beiden. Ja, du hast mich ja schon vorgestellt. Ich bin Dominik, bin schon über 40 und schon seit einigen Jahren hier an der IGS Roderbruch, seit genau 2012.

Was wolltest du als Kind werden?
Als Kind? Ach, da waren natürlich die typischen Kindergarten-Vorstellungen vom Beruf: Feuerwehrmann, Polizist, … Dann wollte ich mal Schreiner werden, weil mein Opa das machte und irgendwann ist dann der Wunsch geboren Lehrer zu werden. Und zwar erst nach dem Abitur.

Was sind die größten Herausforderungen beim Unterrichten der SEK I und der SEK II?
Das sind unterschiedlich große Herausforderungen. Ich bin ja auch Jahrgangsleiter hier an der Schule und begleite immer meine Klasse von 5-10 und unterrichte parallel immer auch in der Oberstufe, wie euch jetzt auch in 11, und die größte Herausforderung merkt man dann ganz extrem, wenn man von der 10 in Klasse 5 wieder runter geht und die Kinder erstmal an das System Schule, SEK 1 gewöhnen muss – an die Regeln, die man so hat: wir melden uns, wir müssen nicht jede Hausaufgabe und jedes Übungsblatt zum Lehrer nach vorne bringen und zeigen… So die Grund-Pädagogik in Jahrgang 5 zu vermitteln. Und dann in der Oberstufe ist die größte Schwierigkeit, dass man immer für sich selbst die Sorge hat: Hab ich den Kindern jetzt wirklich alles aus dem KC – dem Kern-Curriculum – beigebracht, so, dass sie fürs Abitur gut vorbereitet sind, oder hab ich was vergessen?

Wie hat sich das Bildungssystem verändert, seitdem du unterrichtest und seitdem du selbst zur Schule gegangen bist?
Komplexe Frage. Die Hauptveränderung, glaube ich, im Vergleich zu meiner Schulzeit ist die Digitalisierung. Unsere Smartphones, die iPads, also das komplette mediale Programm. KI, was uns jetzt in den nächsten Jahren vor große Herausforderungen stellen wird. Zu meiner Schulzeit waren Taschenrechner das Non-Plus-Ultra, eventuell dann in der Oberstufe so ein bisschen Programmiersprachen, wie Turbo Pascal, in Datenverarbeitung, so hieß das Fach damals, das gibt es so nicht mehr. Das ist so die größte Veränderung im Vergleich zu meiner Schulzeit.

Findest du die Digitalisierung gut?
Digitalisierung hat Vor- und natürlich auch Nachteile. Es gibt viele Vorteile: wir können uns durch das Internet unheimlich schnell Wissen beschaffen, wir können uns unheimlich viel Wissen durch KI anlesen. Ob das immer stimmt, das muss geprüft werden, deswegen glaube ich muss das System der Facharbeiten auch überprüft werden. Eine Facharbeit von KI schreiben lassen, das geht, aber die Quellen auf die sich das dann bezieht, die gilt es dann zu überprüfen, von uns Lehrern, aber auch vom Verfasser der Arbeiten.

Wie versuchst du individuelle Stärken von Schüler*innen zu fördern?
Das liegt natürlich auch an den verschiedenen Jahrgängen und Altersstufen. Wir können euer Beispiel nehmen: Jahrgang Elf: Ziemlich viele Interessen, eine ziemlich sportliche Klasse mit der man ganz andere Sachen machen kann, als mit jüngeren Kindern, die noch nicht so ausgeprägte sportliche Interessen haben, sodass man mit euch jetzt ein freieres Unterrichtssystem machen kann, mit “wir entwickeln eigene Konzepte und probieren die aus und erarbeiten sie” und ich glaube, das konnte jeder seine individuellen Stärken mit einbringen. Jetzt Oskar mit Volleyball zum Beispiel, der seine Expertise euch da vermitteln kann.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?
Ganz oben steht meine Familie – meine Kinder. Da versuchen wir ziemlich viel Zeit mit denen zu verbringen, ihnen eine gute Kindheit zu ermöglichen, die Sportarten, die sie gerne machen möchten zu ermöglichen, das Musikinstrument, das sie gerne spielen zu ermöglichen. Also meine Tochter spielt unglaublich gerne Klavier, mein Sohn spielt Schlagzeug. Die Familie, die Kinder stehen da an oberster Stelle und wenn wir dann Zeit für uns haben, dann unternehme ich gern was mit meiner Frau. Dann gehen wir mal essen zusammen oder treffen uns mal mit Freunden. Und wenn ich dann bei mir angekommen bin, bei mir selbst, dann mach ich auch mal ein paar Dinge für mich, also geh laufen, treff mich mit meinen eigenen Freunden… Das ist dann wirklich aber auch die letzte Stelle. Also oberste Priorität haben die eigenen Kinder.

Gibt es ein Schulprojekt, welches du gerne initiieren oder verbessern würdest?
Ich hab immer wieder verschiedene Projektideen. Ob die dann in die Tat umgesetzt werden, liegt an verschiedenen Baustellen: ist es überhaupt möglich im System Schule, das zu machen, was du dir vorstellst? Gibt es genug Menschen, die dich unterstützen? Ich hab mal vor einigen Jahren mit dem Kollegen Michael Spiertz ein Musikfestival gegen Rassismus gemacht. Das hat ziemlich viel Kraft und Zeit gekostet, war aber total spannend, hat uns richtig viel Spaß gemacht und kam auch glaube ich ganz gut an. Das hat Spaß gemacht, sowas könnte ich mir vorstellen nochmal zu tun. Ich könnte mir aber auch vorstellen kleiner anzugreifen. Gerade macht Martin Pyka ein unglaublich gutes Projekt mit dem Junior Coach Fußball. Das könnte ich mir vorstellen auf andere Sportarten mal zu übertragen. Also es gibt verschiedene kleine Projekte, was man machen kann, obwohl das von Martin schon ein ganz, ganz großes Projekt ist und sowas trägt uns als Schule gut voran.

Hast du einen Traum / ein Ziel, dass du in deinem Berufsleben noch erreichen möchtest?
In meinem Berufsleben da hab ich schon viel glaube ich erreicht und so Träume hat man immer wieder, aber mein größter Traum spielt sich gar nicht im Berufsleben ab, sondern eher in der Familie und wir würden schon ganz gerne, wenn wir dann auch genug im Portmonee haben und mit unserer Karriere abgeschlossen haben, irgendwo dann auch in der Sonne leben.

Welchen Rat würdest du jungen Lehrer:innen geben?
Gelassen bleiben.

Wie möchtest du von deinen Schüler:innen in Erinnerung behalten werden?
Ach, so wie ich bin, glaube ich. Und ich versuche ja immer allen gegenüber fair zu sein und transparent vor allem zu sein. Auch bei den Notenbesprechungen versuche ich ja immer das sehr transparent zu erklären und euch da einzubeziehen, das wir da irgendwie ein Agreement finden beziehungsweise, dass das was da bewertet wurde auch nachvollziehbar ist. Das soll ja kein Gewürfel sein, aber mir ist schon immer wichtig, dass ihr versteht, wie ihr bewertet werdet und warum wir das tun. Ich würd’ gern als fairer Typ in Erinnerung bleiben.

10 kurze Fragen:

Nutella mit oder ohne Butter? Ohne

Ananas auf Pizza? Ja oder Nein? Nein, auf keinen Fall.

Eistee Pfirsich oder Zitrone? Pfirsich

Morgenmuffel oder Frühaufsteher? Unter der Woche Morgenmuffel, am Wochenende Frühaufsteher.

Lieblingssport? Handball

Lieblingsessen? Currywurst-Pommes

Buch oder Film? Beides, in letzter Zeit mehr Film.

Kino oder Sofa? Sofa

Komödie oder Horrorfilm? Komödie

Anrufen oder texten? Anrufen

Kommentar verfassen