Ein Beitrag von Fabienne und Amira.
Am dritten Tag der Hannah Arendt Tage am 24.10.24 kamen in der Villa Seligmann die Neurowissenschaftlerin Prof. Dr. Maren Urner und der Rundfunkredakteur und Philosoph Dr. Ulrich Kühn zu einem Salongespräch zusammen, um über das Thema „Wie funktionieren Gefühle in der Politik?“ zu diskutieren.
Der Moderator Dr. Ulrich Kühn studierte Theaterwissenschaft, neuere deutsche Literatur und Philosophie in Berlin und München. Er ist Kunstjournalist und arbeitete von 2009 bis 2019 als Leiter der „Kulturmagazine“ von NDR Kultur in Hannover und seit 2019 als Leiter der Literaturreadktion.
Prof. Dr. Maren Urner ist eine Neurowissenschaftlerin und Autorin. Sie ist Mitgründerin des Online- Magazins „Perspective Daily“, das sie 2016 ins Leben gerufen hat. Außerdem ist sie Professorin für Nachhaltige Tranformation an der Hochschule FH Münster. Ihr zuletzt veröffentlichtes Buch „Radikal emotional: Wie Gefühle Politik machen“ ist Spiegel Bestseller. In dem Buch geht es darum, dass sie fordert, dass wir unser rationales Politikverstandniss überdenken müssen. Diesbezüglich wird im Salongespräch nochmals genauer darauf eingegangen.
Das Gespräch bot eine tiefgehende Analyse der Rolle von Emotionen in politischen Prozessen, und zeigte die Herausforderungen auf, die sich für die öffentlichen Debattenkultur in einer zunehmend digitalisierten und emotional aufgeladenen Gesellschaft ergeben.








Ein Raum für Freiheit und Auseinandersetzung:
Die Villa Seligmann, die sich laut Anne Remmers, dem Mitglied des Vorstandes der Villa Seligmann, als „Raum für Freiheit“ verschrieben habe, bot den idealen Rahmen für dieses Salonggespräch, in der die Fragen von Freiheit, Demokratie und Politik im Zentrum standen. Eva Bender betonte in einem einleitenden Video auch, dass die Villa durch ihre offene und inspirierende Atmosphäre dazu einlädt, grundlegende gesellschaftliche Werte und Ideen neu zu reflektieren, weil die Villa durch ihren gesellschaftlichen stand dazu einlädt.
Gefühle als zentrale Akteure im politischen Diskurs:
Prof. Dr. Maren Urner und Dr. Ulrich Kühn betrachteten die wachsende Emotionalität in öffentlichen Debatten kritisch. Die digitale Massenkommunikation, so stellten sie fest, habe die Kommunikationskultur nicht nur breiter zugänglich gemacht, sondern auch das emotionale Niveau gehoben – oft mit negativen Folgen. Hier hob Urner hervor, dass Politik grundsätzlich als Aushandlungsprozess verstanden werden sollte, in dem auch Gefühle ihren Platz finden. Emotionen wie Angst und Unsicherheit, die in Krisenzeiten besonders stark hervortreten, sind für sie ein essenzieller Bestandteil politischer Konflikte. Ob in der Mobilitätsdebatte, im Bereich Ernährung oder bei anderen gesellschaftlich brisanten Themen – Urner betonte, dass der bewusste Umgang mit Emotionen zu einem besseren Verständnis und zu konstruktiveren Lösungen führen könne.
Neurowissenschaftliche Einsichten in die Politik:
Urner zeigte in ihrer Analyse, wie neurowissenschaftliche Erkenntnisse uns helfen können, Emotionen im politischen Kontext besser zu verstehen und einzuordnen. „Unser Gehirn ist kein Computer,“ erläuterte sie und verwies darauf, dass Menschen auf politische Fragen stets mit einer Mischung aus Emotionen und rationalen Überlegungen reagieren. Die Bedeutung von Gefühlen in politischen Entscheidungsprozessen, so Urner, liege gerade darin, dass sie nicht rational kontrollierbar sind, sondern menschliche Grundbedürfnisse und Ängste ausdrücken. Sie plädierte für ein erneuertes Verständnis von Freiheit, das nicht in uneingeschränkter Wahlfreiheit daraus bestehe, zu tun und zu lassen, was man gerade möchte, sondern auch Raum für Reflexion und Ruhe lassen. Qualitäten würden in unserer schnelllebigen, oft reizüberfluteten Gesellschaft immer wichtiger werden.
Ausserdem betonte Dr. Urner „Angst und Unsicherheit machen uns Dümmer“, weil uns das zu vorschlüssigen Entscheidungen verleite, die Konsequenzen mit sich ziehen, weil wir so unser vorheriges Wissen vergessen, und nur im hier und jetzt handeln. Im Zuge dessen denken wir nicht nicht an die Zukunft und das vorherige Geschehen.
Sprache und Kultur in der öffentlichen Diskussion:
Dr. Ulrich Kühn brachte seine Sichtweise als Philosoph und Medienexperte in das Gespräch ein und betrachtete die Sprache der öffentlichen Debatten kritisch. Er beobachtete, dass der Ton in politischen Auseinandersetzungen zunehmend polarisiert und verletzend werde.
Die emotionalen Zuspitzungen in den Medien, insbesondere während der US-Wahlen, führten zu einer Verhärtung der Fronten und hinderten konstruktive Gespräche. Statt eines sachlichen Austauschs werde häufig auf dramatische Inszenierungen gesetzt, die eher Konflikte schüren als gemeinsame Lösungen zu finden.
Kühn betonte, dass die Art und Weise, wie in den Medien Geschichten erzählt werden, das Denken und Handeln der Menschen nachhaltig beeinflusse. Es sei notwendig, eine Debattenkultur zu fördern, die auf Respekt und Verständigung aufbaut, um gesellschaftliche Gräben zu überbrücken und demokratische Werte zu schützen.
Corona-Pandemie: Emotionen und die Suche nach Sicherheit:
Auch die Corona-Pandemie wurde als Beispiel für die komplexen Emotionen diskutiert, die politische Debatten prägen können. Die mit der Pandemie einhergehende Unsicherheit, so Urner, habe gezeigt, wie stark das Bedürfnis nach klaren Antworten in Krisenzeiten ist. Dieses Bedürfnis könne jedoch dazu führen, dass Menschen vorschnelle, oft autoritäre Lösungen akzeptieren, die langfristig die Freiheit und die Demokratie gefährden könnten. Hier betonte sie erneut die Bedeutung von Zeit und Raum für Reflexion, um differenzierte und durchdachte Entscheidungen zu treffen.
Eine Befürwortung für eine respektvolle Debattenkultur und Demokratie:
Das Salongespräch in der Villa Seligmann machte deutlich, dass Emotionen unverzichtbare Akteure im politischen Diskurs sind und entsprechend konstruktiv eingebunden werden sollten. Prof. Dr. Urner und Dr. Kühn befürworten eindringlich eine respektvolle und empathische Kommunikationskultur, die auch in der digitalen Welt bestehen kann. Das Verständnis, dass Demokratie auf einem ständigen Aushandlungsprozess beruht, der Emotionen zulässt und integriert, war eine zentrale Botschaft des Abends.
In diesem Sinne griff das Gespräch zentrale Gedanken von Hannah Arendt auf und brachte sie in die aktuelle Debatte ein: Demokratie und Freiheit sind Werte, die ständig neu verteidigt und gelebt werden müssen, und der offene Austausch in der Villa Seligmann bot hierfür einen wertvollen Beitrag.
Der Beitrag ist vor allem für uns Jugendliche wichtig. Deswegen finden wir, dass sich der Besuch in der Valla Seligmann sehr gelohnt hat, weil wir so neue Eindrücke, über Gefühle in der Politik erhalten konnten, und dazu einiges Neues und interessantes gelernt haben, wie Freiheit richtig definiert wird und viele ein falsches Bild von Freiheit haben, was sich so in der Gesellschaft etabliert hat.
Durch Prof. Dr. Urner vor Kurzem veröffentlichtes Buch „Rational emotional: Wie Gefühle Politik machen“ haben wir gemerkt, dass Dr. Urner gutes Wissen zu dem Salongespräch beitragen konnte. Zu dem wurde das Interesse bei uns geweckt, ihr Buch zu lesen und sich generell genauer mit dem ganzem Thema auseinander zu setzen. Ausserdem wurde unser Interesse geweckt sich auch nochmals mit der Frage „Wie funktionieren Gefühle in der Politik?“ zu beschäftigen.
Wir sind dankbar, dass wir am Salongespräch in der Villa Seligmann teilnehmen durften, da es für uns eine tolle und außergewöhnliche Erfahrung und eine sehr große Ehre war, die Villa Seligmann von innen besichtigen zu dürfen. Wir sind sehr dankbar, dass uns diese Chance geboten wurde.
