Vom Betriebswirt zum Fashiondesigner: Ein Tag mit Laurent-Frédéric Lohmann

Von Sepideh Jalali.

Stellt euch vor eure Zukunft steht geschrieben – Nachdem euer Vater Volkswirtschaftslehre (VWL) studiert hat, ist die Zeit gekommen, dass ihr der Branche mit einem Betriebswirtschaftslehrstudium (BWL) beitretet.

Doch eure Affinität zur Fashion steht diesem Plan im Weg. Laurent hat den Schritt gewagt und nach Beendigung seines Studium, schon mit 22 Jahren, seine eigene Marke ,,Haumé‘‘ kreiert. Wir hatten die Chance im Rahmen unseres dreitägigen Seminars zum Thema ,Mode, Lifestyle und Journalismus‘ in Berlin, ihn in seiner Werkstatt und gleichzeitig seinem Zuhause kennenzulernen.

Der gebürtige Schweizer hat seinen Bachelor in einer vergleichsweise konservativen Universität in Sankt Gallen abgeschlossen. Nach ein paar Tagen im Anzug und in Nobelhotels wurde ihm schnell klar, langfristig könne er diesen Beruf nicht ausüben. So kam ihm die Idee, sich sein eigenes Modebusiness aufzubauen. Zum Einen hatte er schon immer ein persönliches Interesse an Fashion und zum Anderen brauchte er eine Motivation bzw. Abwechslung, die er so in seinem vorherigen Job nicht hatte, gerade weil er am Ende seiner Arbeitstage ,,nie ein Produkt seiner Leistung in der Hand hatte‘‘. Trotzdem hat er seine Ausbildung nicht komplett aufgegeben sondern steckt dieses Wissen nun in eine andere Branche rein.

Sein Konzept

Der Name ,,Haumé‘‘ leitet sich von dem französischen Wort ,,Homme‘‘ ab, was auf Deutsch übersetzt ,,Mann‘‘ heißt. Dieser Name passt so gut, da es sich bei Laurents Label um eine reine Männermarke handelt. Das ,,au‘‘ hat er sich von seinem Vornamen abgeleitet. Obwohl der Jungdesigner nur Männerklamotten herstellt, sind seine Sachen auch Frauentauglich, da er nur zu gut weiß, dass Freundinnen gerne mal Oberteile ihrer Freunde klauen. Und auch wenn die T-Shirts (siehe Bild) erst einmal sehr einfach wirken, haben sie doch was Besonderes und Einzigartiges. Die T-Shirts gibt es in den Farben schwarz, weiß und grau. Des Weiteren haben sie auf dem linkem Ärmel ein gelbes Bändchen wo entweder ,,Expressure‘‘ steht, was eine Kombination aus ,,Express‘‘ und ,,Pressure‘‘ darstellt und zeigt wie hoch heutzutage der Druck ist, sich in allem wie beispielsweise Kleidung oder Social Media ausdrücken zu müssen oder eins mit der Aufschrift ,,Botoxicated‘‘, welche für  ,,Botox‘‘ und  ,,Intocicated‘‘ steht. Des Weiteren soll sie eine Anlehnung an ,,besoffen und geil“ sein, die gleichzeitig unsere oberflächliche Lebensart kritisiert.So sind sie eine perfekte Zusammensetzung aus dem Einfachen, der zu allerlei Kleidung passt und dem ,,Unique sein‘‘ mit dem man aus der Masse heraus sticht. Wenn man sich ein T-Shirt bestellt, was übrigens inklusive Shipping 49 Euro kostet, erhält man nicht nur ein Produkt sondern ein Erlebnis. Die Bestellung kommt nicht in einem langweiligen DHL-Paket an, sondern in einem edlen Karton (siehe Bild), was etwas an eines von HUGO BOSS erinnert. Darin enthalten ist euer T-Shirt, eingepackt in Seidenpapier, eine natürlich an euch persönlich gerichtete Dankeskarte, eine Waschanleitung und eure Rechnung. Was auch noch Interessant ist, dass Laurent ,,Newcomer‘‘ engagiert, ob es nun Fotografen oder Models sind. Jeder profitiert von jedem, da alle neu in der Branche sind. Abschließend kann man zu seinem Konzept nur noch Laurent selbst zitieren, der sagte: ,,Die Geschichte von Haumé ist, dass sie keine hat, sondern eine kreiert!‘‘

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Unsere Fragen an Laurent 

Abschließend, als wir in einem netten Café in der Nähe seiner Wohnung saßen, hatten wir die Möglichkeit ihm noch einige Frage zu stellen. Hier die wichtigsten für euch zusammengefasst:

,,Laurent, ab welchen Moment wusstest du nun genau, dass du keinen Bock mehr hast und anfangen willst mit dem Designen?‘‘

,,Hm. Die Sache ist, ich habe ja nicht ewirklich aufgehört mit Betriebswirtschaft. Ich habe es einfach in eine Branche geschoben, für die ich mich selbst auch interessiere. […] Als ich studiert hatte, habe ich in einer Unternehmungsberatung in München gearbeitet – was übrigens eine super Erfahrung war, da sie mir Einblicke in das intensive , meist spannende und vielversprechende Leben eines Unternehmensberater verschafft hat. Jedoch musste ich feststellen, dass ich langfristig gesehen, das Produkt meiner geleisteten Arbeit in der Hand halten muss, um eine maximale und dauerhafte Motivation haben zu können. Deshalb habe ich gewusst, dass ich etwas brauche was mich pimär anhaftend motiviert. Und deshalb habe ich auch gewusst, ich brauche etwas was mich interessiert, damit ich mich jeden Tag hinsetzen kann und dafür arbeiten kann. […]‘‘

,,Wer unterstützt dich?‘‘

,,Ich sage es mal so, es gibt die ,,FFF‘‘. Das steht für ,,Family, Friends and Fools‘‘, denn das sind die einzigen Leute, die dich am Anfang unterstützen und in dich investieren. Ich habe auch mit meinen Eltern eine Abmachung, dass ich eine gewisse Zeit habe, wo ich Ihnen zeigen muss, dass es sich lohnt. Innerhalb dieser Zeit, muss ich Ihnen beweisen, dass das was ich tue, irgendwo eine Zukunft hat. Wenn ich das nicht schaffe, dann brechen wir das Ganze ab. Das ist für mich aber gut, weil ich innerhalb dieser Zeit 100 Prozent meines Tages für meine Arbeit verwenden kann. Denn das Dümmste ist, wenn man ein Projekt nicht realisieren kann oder es zu Grunde geht, nicht auf Basis von Sachen wie ,,mein Design hat nicht gepasst‘‘ oder sonst was, sondern ich hatte zu wenig Zeit. […] Deshalb ist meine ganze Zeit auf dieses Projekt ausgelegt.

,,Viele junge Leute trauen sich oftmals nicht in kreative Branchen wie Kunst, Musik und Mode einzutreten, weil es sich meist um sehr unsichere Berufe handelt. Welchen Tipp hast du für Sie?‘‘

,,Findet ein Projekt in eurer Freizeit, das eine Kombination zwischen eurer Affinität und dem was euch die Schule beibringen will ist. Weil die Schule bringt uns Struktur und logisches Denken bei. Wie wir lernen, wie wir Sachen aufnehmen und wiedergeben können. Also die ganze strukturelle und überhaupt nicht kreative Seite kommt von der Schule. Findet ein Projekt, dass diese Seite zusammen mit eurer Kreativität verbindet, sodass ihr versteht, was für euch der Mittelweg ist. Für mich zum Beispiel, war es früher die Musikproduktion. Ich habe irgendwann angefangen ,,Techno‘‘ und ,,House‘‘ zu produzieren und habe gemerkt, ich habe die, die und die Idee und habe dann verstanden, dass es doch das gewisse Teil an Struktur und an vorgefertigten ,,Frameworks‘‘ benötigt. Wenn ihr das für euch definieren könnt, wie ich bei meiner Musik, könnt ihr es praktisch auch an eurer Arbeitswelt anwenden und dann öffnen sich euch auch ganz neue Möglichkeiten. […] Und dann seid ihr ,,value‘‘, ihr seid nicht nur kreative Köpfe, sondern kreative Köpfe, die auch realistisch sind. Denn das realistisch sein, ist meistens der ,,critical point‘‘. Wenn ihr kreativ seid aber unrealistisch, dann stellt euch niemand ein, keiner nimmt euch ernst, keiner glaubt daran, dass ihr mit dem was ihr macht Geld verdienen könnt. Doch wenn ihr den Leuten zeigen könnt wie ihr eure Kreativität in all das einbauen könnt, habt ihr es geschafft. […] Also kreiert euch eure eigenen Möglichkeiten! […]‘‘

,,Kann jeder Designer werden?‘‘

,,Ja, jeder kann designen. Doch Designer gibt es wie Sand am Meer. Man muss es bloß schaffen, dass glitzernde Korn zwischen den anderen zu sein.‘‘

Das war es auch schon zu unserem Tag mit dem Jungdesigner Laurent-Frédéric Lohmann. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Tag, dass du dir die Zeit für uns genommen hast.

 

SEINE HOMEPAGE: www.haumefashion.com

SEIN INSTAGRAM instagram.com/haumefashion/

 

 

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