24 Stunden in der Medienblase

Es geht nach Berlin. Wo sonst ist die Medienblase größer? Richtig ist, es ging nach Berlin. Schon vergangenen Dienstag reiste ein Teil der YellowPost Redaktion in die Hauptstadt. Als Träger des Innovationspreises für Schülerzeitungen wurden wir zur „Media meets Millennials“ Konferenz vom Bund der deutschen Zeitungsverleger eingeladen. Doch nicht nur zum Zuhören und lernen. Wir als Redaktion selbst, sollten den Konferenzteilnehmern Input geben. Denn, auf die große Frage des Tages: „wie will die  junge Zielgruppe der Millennials von den Medien angesprochen werden?“, wussten auch wir eine Antwort.

Schließlich sind wir selbst Millennials. Zwar eher junge Millennials, denn darunter versteht man eine Zielgruppe von 12-36, aber eben Millennials. Und als solche können wir eine Antwort geben auf die Frage, die den Verlagsvertretern und Journalisten aktuell beschäftigt. Doch das erforderte natürlich einige Vorbereitung. Denn mit der Frage warum man selbst,  Zeitung, wenn nur noch online liest, die Fußballergebnisse per App checkt, man lieber bei Twitter guckt was andere zu einem Thema so sagen und wieso man eigentlich bei Snapchat und Reddit hängen bleibt, aber bei den Tagesthemen wegschaltet, beschäftigt man sich nicht wirklich im Alltag. Man tut es einfach. Doch darauf sollte eine Antwort (oder auch mehrere) gefunden werden. Und auch so eine Powerpoint Präsentation erstellt man ja nicht mal eben so in einer Nacht. Wobei; eigentlich schon.

Nachdem wir das dann alles geschafft hatten, ging es Dienstagabend los. Die Konferenz begann zwar erst am Mittwoch, jedoch so früh (10 Uhr), dass wir schon am Abend vorher hingefahren sind um am nächsten Morgen ausgeschlafen und definitiv pünktlich zu sein. Nach einer kurzen Begrüßung kam gleich der erste Vortrag unter dem Programmpunkt „Jung, Urban, Digital – Mit dem Lifestyle auf Du und Du“. Gehalten wurde der Vortrag von Manuel Lorenz, dem Editorial Director von Noizz.de. Die Präsentation ähnelte dann mehr einem Pitch und war im Wesentlichen eine Vorstellung von Noizz.de, dem frisch gelaunchten Millennial-Portal von „BILD“ und dessen bisherige Erfolge. Dazu zählen ein tausendfach geklicktes Facebook-Video: der Live Test der neuen Schokoladenpizza von Dr. Oetker. Der Live Test wurde als Reaktion auf den bereits viral gegangenen Artikel zur Schokopizza hinterher geschoben. Allein der Arktikel hatte 500 K Shares und etwa 4 Millionen Reach. Willkommen in der Medienblase.

Weiter geht es mit Florian Wende vom Straubinger Tagesblatt. Mit seinem Vortrag „Straubing snapt!“, erklärt er uns und den Medienvertretern wie man Snapchat geschickt als Redaktion nutzen kann. Nicht nur um die Leserinnen und Leser zum Beispiel über die Story über ganz aktuelle Themen oder Veranstaltungen zu informieren, sondern auch um diese mit einzubeziehen. Dazu gehören Quizze oder Gewinnspiele die über Snapchat stattfinden aber auch Einblicke in die Arbeit der Redaktion. Es wird fleißig mit geschrieben.

In der ersten Kaffeepause ernte ich im Gespräch mit Teilnehmern der Konferenz sowohl Begeisterung und Interesse als auch Ratlosigkeit und Sorge über die vorgestellten Wege der journalistischen Arbeit. Ein Geschäftsführer einer kleineren Verlagsgruppe erzählt mir, dass sein jugendlicher Sohn ihn in diesen Dingen oft beraten muss. Ich will fragen wie viel dieser denn als freier Berater für Social Media so verdient, doch die Pause ist schon um und es geht weiter.

Der nächste Pitch steht an. Diesmal geht es um „Nachrichten im Messengerstil“. Martin Hoffmann berichtet als CEO und Founder von RESI Media über seine App RESI, die die Nutzer mit Nachrichten im Chat Format versorgt die wie „eine SMS von einem guten Freund“ aufgebaut sind. Man kann auswählen zu welchen Themen man Nachrichten erhalten möchte oder einfach bei RESI  nachfragen was gerade passiert ist. Die Nachrichten von RESI kommen oft mit viel Humor daher. Doch die Kundenbindung funktioniert. Hoffmann berichtet vom Feedback solcher Nutzer, die RESI, den stets gut informierten, humorvollen Freund auf dem Smartphone, nicht mehr missen möchten.

„Die Zielgruppe auf der Couch-Learnings und Insights der BDVZ-Millennial-Studie“ heißt der nächste Programmpunkt. Da hier nur „Learnings und Insights“ versprochen werden, kommt es auch nicht zu einer richtigen Auswertung dieser Studie.  Stattdessen werden uns prägnante Beispiele aus den unterschiedlichen Focus-Gruppen vorgestellt. Darunter der 16-jährige Moritz, der Nachrichten in einer einfachen Sprache bevorzugt, die ihm Sachverhalte auch verständlich erklären können. Oder Thorsten, der ist 26 und studiert Gartenbau. Er informiert sich gar nicht über das Weltgeschehen. Ein total Verweigerer. Den haben die informierenden Medien als Leser, Hörer, Zuschauer quasi schon verloren. Doch im Gespräch mit Thorsten kam raus, dass auch er gerne auf Konzerte und ähnliche Veranstaltungen geht. So wäre medial wieder ein Zugang da. Umso ein Verhalten zu verstehen sei es auch ganz hilfreich, wenn man noch Freunde außerhalb der Medienblase hat, weiß einer der Vortragenden zu berichten.

Dann ist erstmal Mittagessen. Bei einem vielseitigen Buffet holen wir uns ausreichend Energie für die zweite Hälfte der Konferenz und für unseren eigenen Vortrag. Der steht nämlich direkt nach der Pause an. Zugegeben: auch wir stellen uns erstmal selbst vor und erzählen was YellowPost ist und wie es dazu kam. Dann aber gehen wir etwas mehr auf den Punkt ein unter dem unsere Präsentation auch aufgeführt wurde: „was Schüler bewegt“. In der anschließenden Fragerunde müssen wir uns teilweise harten Fragen stellen wie:“ wieso ist YellowPost im Social Media Bereich noch so dürftig vertreten?“. Aber auch recht, sagen wir mal pragmatische, Fragen sind dabei: „Bevorzugt ihr Videos eher im Hochkant oder im Querformat?“. Wir beantworten alle Fragen, es wird noch kurz ein Foto getwittert und wir sind entlassen.

 

Als nächstes kommt der Geschäftsführer von Pushfire, Kai Brökelmeier, auf die Bühne. In seinen Ausführungen geht es um „Reichweiten, Special Interest, Formate“ die Frage ist: „Was funktioniert bei der Zielgruppe und beim Werbekunden?“. Brökelmeiers Antworten auf diese Frage sind höchst interessant. Er erzählt wie durch seine Website, die Termine und Fotos von Partys europaweit publizierte, auf die Idee kam, als Vermarkter mit Fokus auf Social Media tätig zu werden. Mittlerweile ist Pushfire laut eigenen Angaben eins von nur zwei Unternehmen, die diesen Fokus anbieten. Besonders spannend wurde es, als Brökelmeier die unterschiedlichen Methoden der Online Werbung vorstellt. Das reicht von klassischen Anzeigen auf Websites, sogenannten Bannern, bis hin zur Unterhaltung von Facebook Seiten mit tausenden Likes, die regelmäßig witzige Bilder, Videos und Fakten posten, aber eben auch immer mal wieder für Werbung genutzt werden.

In der zweiten Kaffeepause wendet sich eine Redakteurin sorgenvoll an mich. Sie fragt ob wir Jugendliche denn uns auch manchmal „richtig“ informieren. Vieles von dem was da online auf die junge Zielgruppe zugeschnitten sei, bestehe ja hauptsächlich aus belanglosen Themen oder inhaltslosen Formaten. Mein Versuch ihr klar zumachen, dass auch Jugendliche zwischen Information und Unterhaltung unterscheiden können, scheint sie nicht wirklich zu überzeugen. Als ich ihr daraufhin noch einen wirklich gutes Video zu dem Thema bei Youtube zeigen wollte, war für sie das Thema schon erledigt.

Auf dem Rückweg nach Hannover blättere ich durch das DB Magazin das im Bordbistro ausliegt. Dazu bestelle ich mir einen Filterkaffee. Die Vierergruppe am Tisch hinter mir nehmen auch alle ein. Vielleicht ist es an der Zeit über eine Karriere als Influencer nachzudenken.