Ein Beitrag von Cennet und Layla
Die Schule sollte ein Ort des Lernens, der Freundschaften und der persönlichen Entwicklung sein. Doch für viele Kinder und Jugendliche bedeutet sie heute auch Stress, Druck und manchmal sogar Angst. Leistungsdruck und zahlreiche Prüfungen können dazu führen, dass die Schule nicht mehr als ein Ort wahrgenommen wird, an dem sich Schülerinnen und Schüler sicher fühlen. Dabei ist Schulangst kein „kleines Problem“. Sie betrifft viele junge Menschen und zeigt deutlich, dass Bildung nicht nur die Aufgabe hat, Wissen zu vermitteln, sondern auch Verantwortung für das seelische und soziale Wohl der Kinder und Jugendlichen zu übernehmen. Schule sollte daher nicht nur ein Platz, für Leistung sein, sondern auch ein Raum, in dem Gemeinschaft, Unterstützung und Vertrauen wachsen können.
Wir merken in unserem Alltag oft, wie unterschiedlich sich Schule anfühlen kann. An manchen Tagen macht es richtig Spaß. Der Unterricht ist interessant, man versteht den Stoff und freut sich, Zeit mit Freunden zu verbringen. Solche Tage zeigen, dass Schule mehr ist als nur Lernen. Si kann auch ein Ort sein, an dem wir uns wohlfühlen.
Aber es gibt auch Tage, an denen man schon morgens gestresst ist, weil Klausuren oder viele Aufgaben anstehen. Besonders schlimm ist es, wenn mehrere Prüfungen direkt hintereinander liegen. Dann haben wir das Gefühl, dass alles gleichzeitig auf uns zukommt. Ein Teil des Stresses kommt dabei auch von uns selbst, weil wir gute Leistungen bringen oder Erwartungen erfüllen wollen z.B. von unseren Eltern, Lehrkräften oder uns selbst. Wir haben gelernt, dass es hilft, offen darüber zu sprechen. Wenn man mit Freund:innen redet, merkt man schnell, dass man damit nicht allein ist. Allein dieses Wissen nimmt schon ein Stück vom Druck. Für uns bedeutet Schule also nicht nur Lernen und Noten, sondern auch, mit Stress umzugehen und zu merken. Manchmal merken wir aber auch unsere Schulangst oder den Stress ganz deutlich in kleinen Momenten.
Es war Montagmorgen, kurz vor der ersten Stunde. Wir sitzen in der Klasse, unsere Hände liegen auf dem Tisch, unruhig auf der Holzfläche. Vor uns liegen die Mathe Aufgaben, die wir am Wochenende eigentlich hätten wiederholen sollen. Doch wir haben es nicht geschafft. Unser Herz schlägt schneller, je näher die Stunde rückt. „Heute schreiben wir einen kleinen Test, um zu sehen, wie sicher ihr seid“, sagt die Lehrerin . Wir haben das Gefühl, dass alle anderen ruhig bleiben, nur wir nicht. Die Gedanken drehen sich: „Was, wenn ich wieder eine schlechte Note schreibe? Was denken unsere Eltern? Was, wenn wir es nie schaffen?” Neben uns flüstert ein Mitschüler:
„Wir schaffen das schon.“ Dieser kleine Satz gibt uns ein bisschen Mut. Trotzdem geht die Angst nicht weg.
Wir sehen das so: Viele Schüler:innen fühlen sich in der Schule oft gestresst oder haben Angst. Es gibt viele Arbeiten, Prüfungen und Hausaufgaben, und dazu kommt der Druck, gute Noten zu bekommen. Besonders kurz vor den Ferien oder am Ende des Halbjahres ist das schwer, weil man ein gutes Zeugnis haben möchte. Stress merkt man auf verschiedene Arten: Manche bekommen Bauchschmerzen oder schlafen schlecht, andere sind im Unterricht nervös. Viele versuchen, alles alleine zu schaffen, und das macht den Druck noch größer. Wir merken aber auch, dass es Wege gibt, besser damit klarzukommen. Mit Freund:innen reden, früh anfangen zu lernen oder zwischendurch Pausen machen, hilft oft schon. Für uns zeigt das, dass Schule nicht nur aus Arbeiten und Noten besteht, sondern dass man auch lernen kann, mit dem Druck umzugehen und sich selbst zu organisieren.
Um besser zu verstehen, wie sich Stress und Angst im Schulalltag tatsächlich anfühlen, haben wir mit Mitschüler:innen gesprochen. Dabei wollten wir herausfinden, wie sie ihre Schulzeit erleben, was ihnen Freude macht, aber auch, welche Situationen Druck oder Unsicherheit auslösen können. Im folgenden Interview schildert ein Schüler seine persönliche Erfahrung.
Fühlst du dich wohl in der Schule?
Ja, auf jeden Fall. Ich habe das Gefühl, dass man hier einfach so sein kann, wie man ist, und dass das auch akzeptiert wird – sowohl von den Lehrerinnen und Lehrern als auch von den Mitschülerinnen und Mitschülern. Das macht unglaublich viel aus, weil man so nicht das Gefühl hat, sich verstellen zu müssen. Außerdem wird im Unterricht darauf geachtet, dass die Stunden nicht eintönig sind, sondern abwechslungsreich und interessant. Das motiviert, mitzudenken und mitzumachen. Ein weiterer wichtiger Punkt für mich ist die Klassengemeinschaft. Ich bin wirklich froh, dass ich in einer Klasse gelandet bin, in der viele tolle Menschen sind. Es sind schon einige enge Freundschaften entstanden, und das gibt mir jeden Tag ein gutes Gefühl. Insgesamt bedeutet Schule für mich also nicht nur Lernen, sondern auch ein Ort, an dem man sich wohlfühlt und Gemeinschaft erlebt.
Gibt es Situationen im Schulalltag, die dir Angst machen oder dich stressen?
Angst habe ich eigentlich nicht, aber Stress spielt schon eine große Rolle. Besonders jetzt in der Oberstufe ist alles neu und anspruchsvoller, und ich merke, dass der Druck gestiegen ist. Man denkt öfter darüber nach, ob man die Anforderungen schaffen kann, und manchmal habe ich die Sorge, die 11. Klasse nicht zu bestehen. Das fühlt sich belastend an, vor allem weil man weiß, dass es jetzt wirklich zählt. Am stressigsten sind aber die Prüfungsphasen. Da kommt einfach alles auf einmal: mehrere Klausuren in kurzer Zeit, dazu Hausaufgaben und vielleicht noch private Termine. Das kann schnell überwältigend werden. Zum Glück bin ich nicht allein – meine Mitschülerinnen und Mitschüler unterstützen sich gegenseitig, und auch mein privates Umfeld steht hinter mir. Außerdem habe ich gelernt, dass es sehr hilft, sich frühzeitig vorzubereiten und gute Lernmethoden zu entwickeln. Wenn man rechtzeitig anfängt, kann man den Stress deutlich besser in den Griff bekommen.
Hast du das Gefühl, dass Lehrkräfte und Mitschüler:innen auf Ängste Rücksicht nehmen?
Ja, den Eindruck habe ich schon. Viele Lehrkräfte bemühen sich darum, den Unterricht so locker und offen wie möglich zu gestalten. Dadurch entsteht eine angenehme Atmosphäre, in der man sich traut, etwas zu sagen oder Fragen zu stellen. Besonders gut finde ich, dass die Lehrerinnen und Lehrer uns auf Klausuren gezielt vorbereiten, damit niemand das Gefühl hat, ins kalte Wasser geworfen zu werden. Auch unter den Mitschülerinnen und Mitschülern herrscht eine sehr unterstützende Stimmung. Wenn jemand einen Fehler macht, wird das nicht verurteilt oder belächelt – im Gegenteil, es ist allen klar, dass Fehler dazugehören und man daraus lernt. Das nimmt den Druck und sorgt dafür, dass man sich traut, sich einzubringen. Ich glaube, genau das macht unser Miteinander so angenehm: Es ist eine Mischung aus Verständnis, gegenseitiger Unterstützung und einem respektvollen Umgang.
Was müsste sich ändern, damit Schüler:innen weniger Angst oder Stress haben?
Ich denke, es wäre hilfreich, wenn noch mehr daran gearbeitet wird, ein Klima zu schaffen, in dem niemand Angst hat, etwas Falsches zu sagen. Manchmal spürt man noch, dass sich einige nicht trauen, weil sie Angst haben, als „dumm“ dazuzustehen. Dabei ist es doch völlig normal, Fehler zu machen, das gehört schließlich zum Lernen dazu. Hier könnten Lehrkräfte noch stärker deutlich machen, dass jede Antwort wertvoll ist, auch wenn sie nicht perfekt ist. Außerdem wäre es gut, wenn besonders stille oder zurückhaltende Schülerinnen und Schüler mehr Unterstützung bekommen würden, damit sie sich wohler fühlen und Selbstvertrauen entwickeln können. Das könnte zum Beispiel durch kleine Gruppenarbeiten oder durch spezielle Angebote passieren, bei denen man sich in einem geschützten Rahmen äußern kann. Insgesamt würde ein noch offeneres Unterrichtsklima dazu beitragen, dass wirklich alle die Möglichkeit haben, sich ohne Angst einzubringen.
Nicht alle erleben Schule jedoch gleich positiv. Manche Schüler:innen berichten von ganz anderen Eindrücken. Ein Beispiel dafür zeigt das folgende Interview:
Fühlst du dich in der Schule wohl?
Nein, weil es oft schwierig ist, die Menschen richtig kennenzulernen. Man muss sich ständig anpassen, um nicht aufzufallen, und insgesamt ist die Atmosphäre dadurch eher unangenehm. Es fällt mir schwer, mich richtig wohlzufühlen, wenn man ständig aufpasst, wie man wirkt.
Gibt es Situationen im Schulalltag, die dir Angst machen oder dich stressen?
Ja, vor allem die Klausuren. Sie setzen mich stark unter Druck und ich habe oft Angst, die Aufgaben nicht zu schaffen. Manchmal fühle ich mich richtig gestresst, schon Wochen vorher, weil die Prüfungen sehr wichtig für die Noten sind.
Wie gehst du mit Prüfungsstress oder -Angst um?
Eigentlich gar nicht besonders, weil ich lernen muss, damit klarzukommen, egal, ob ich will oder nicht. Ich versuche einfach, mich auf die Aufgaben zu konzentrieren, aber richtig entspannen kann ich dabei nicht.
Hast du das Gefühl, dass Lehrer:innen und Mitschüler:innen auf Ängste Rücksicht nehmen?
Nein, nicht wirklich. Wenn das der Fall wäre, würde es insgesamt eine angenehmere Atmosphäre geben. Aber im Moment spürt man den Druck überall, und die Angst der Schüler:innen wird oft nicht beachtet.
Was müsste sich ändern, damit Schüler:innen weniger Angst oder Stress haben?
Es müsste insgesamt weniger Druck im Unterricht geben. Weniger Klausuren oder gar keine Bewertung würden schon viel helfen. Außerdem wäre ein Unterrichtsstil gut, bei dem das Lernen im Vordergrund steht und nicht nur das Testen. So könnten sich Schüler:innen besser auf den Stoff konzentrieren, ohne ständig Angst vor schlechten Noten zu haben.
Nun haben wir auch mit einer Lehrkraft gesprochen, um ihre Sicht auf Stress und Angst im Schulalltag zu erfahren.
Wie nehmen Sie Schulangst bei Schüler:innen wahr?
Betroffene Schüler:innen wirken oft scheu, ziehen sich zurück und lehnen Motivation oftmals ab. Sie beteiligen sich wenig aktiv am Unterricht. Wichtig ist es dabei ihnen Raum zu geben, sie vorsichtig zu motivieren und schrittweise mit einzubeziehen.
Welche Situationen im Unterricht können Ängste auslösen?
Besonders Leistungssituationen wie Sprechprüfungen oder Präsentationen. Viele Schüler:innen sind dann wie blockiert und können nicht zeigen, was sie eigentlich können.
Gibt es Unterschiede zwischen Sekundarstufe I und Oberstufe?
Ja, in der Sek I haben Lehrkräfte pädagogisch mehr Spielraum, um Ängste abzufangen. In der Oberstufe steigt der Leistungsdruck, wodurch die Ängste stärker zum Vorschein kommen.
Was tun Sie, um Schüler:innen bei Prüfungsstress oder Angst zu unterstützen?
Ich bereite sie möglichst gut vor, erkläre genau, was sie erwartet, und reagiere mit Verständnis. Außerdem zeige ich Lern- und Präsentationsmethoden, die beim Umgang mit Stress helfen können.
Was könnte die Schule besser machen, um Ängste zu reduzieren?
Wichtig wären Schulungen für Lehrkräfte und Schüler:innen. Das Problem liegt aber auch im Schulsystem selbst, das sehr stark auf Leistungen ausgerichtet ist. Lehrkräfte müssen bestimmte Vorgaben erfüllen, etwa bei Notenaufteilungen, wodurch der Druck bleibt.
Die beiden Interviews zeigen deutlich, wie unterschiedlich Schule erlebt werden kann. Während manche Schüler:innen ihre Schule als einen Ort der Gemeinschaft und Unterstützung wahrnehmen, fühlen sich andere unter starkem Druck und kaum verstanden. Genau diese Gegensätze machen klar, dass Schulangst sehr individuell ist, und dass es keine einfache, allgemein gültige Lösung gibt. Wichtig ist aber, dass man über diese Ängste spricht, Wege findet, mit ihnen umzugehen. Gespräche mit Freund:innen oder Lehre:innen können entlasten, genauso wie gute Vorbereitungen oder kleine Pausen im Alltag. Noch wichtiger ist, dass Schulen selbst Verantwortung übernehmen: weniger Druck, ein verständnisvoller Umgang mit Fehlern und mehr Raum für persönliche Entwicklung.
Wir merken, dass Schule heute viel mehr ist als nur Unterricht und Noten. Man muss auch Termine planen, den Stoff lernen und den Überblick behalten. Für uns bedeutet das, dass wir lernen müssen, unsere Zeit einzuteilen und auch mal Pausen zu machen. Viele andere Schüler:innen fühlen sich genauso gestresst und müssen trotzdem noch Zeit für Freunde, Hobbys oder Familie finden. Deshalb wäre es gut, wenn Schule Orte oder Möglichkeiten bietet, um mal runterzukommen oder Unterstützung zu bekommen. Für uns bedeutet das, Schule kann anstrengend sein, aber man kann lernen, damit umzugehen, sich selbst zu helfen und stolz auf das zu sein, was man geschafft hat. Es sollte ein Ort sein an dem junge Menschen wachsen können, dann braucht es nicht nur Wissen und Leistung, sondern auch Mut, Vertrauen und Verständnis.
