KI in der Schule. Hilft sie wirklich oder macht sie uns nur faul?

Ein Beitrag von Leon.

Sicher hast auch du diese Situation schon öfter erlebt: Du sitzt vor einem leeren Blatt Papier, und irgendwie wollen heute die Ideen für deinen Aufsatz nicht kommen. Dir fehlt die Lust, dich wirklich in die Sache reinzuknien. Aber dann kommen dir wie aus heiterem Himmel ein paar Stichworte in den Sinn – und jetzt schnell mit ChatGPT auf die Suche nach einem fertigen Text gehen? Klingt doch auch bequem, oder?

Am Anfang haben das viele nur mal so aus Spaß getestet, für Recherchen oder Ähnliches. Aber – und das ist ein großes Aber – viele benutzen KI auch einfach, um sich Arbeit zu sparen. Du musst ein Referat vorbereiten? Frag ChatGPT. Du brauchst einen Aufsatz über „Faust“? Frag ChatGPT. Hausaufgaben in Geschichte, Englisch oder Biologie? Genau – frag ChatGPT.

Klar, das ist super einfach. Aber: Ist das noch deine eigene Leistung?

Laut einer Studie der Uni Hamburg haben knapp 40 % der Oberstufenschüler:innen schon einmal KI benutzt, um Aufgaben zu erledigen, die sie eigentlich selbst hätten machen sollen – ohne das anzugeben. Es gibt allerdings eine Sache, die gegen das stumpfe Abschreiben von KI-Texten spricht: den Lerneffekt. Man begreift am Ende vielleicht gar nicht, worum es überhaupt ging, bekommt aber dafür eine gute Note. Quasi bekommt man seine eigene Unverschämtheit zurückgespiegelt.

Und auch sonst läuft man Gefahr, sich selbst und den anderen gegenüber nicht fair zu sein, denn meistens kann auch der/die Lehrer:in merken, wenn der Text, den man abgeliefert hat, nicht nach einem selbst klingt – wenn plötzlich alles fehlerfrei und astrein formuliert ist.

Dass es Tools geben wird, die KI-Texte erkennen können, ist eine Frage der Zeit. Aber selbst wenn es sie dann gibt, bleibt die Frage: Warum soll man KI nicht präzise dafür nutzen, statt sich ehrlich darauf zu verlassen?

Sicherlich kann KI auch sinnvoll eingesetzt werden, etwa um einen schwierigen Sachverhalt besser zu verstehen, sich den Einstieg in einen Text ausdenken zu lassen oder sich seine Vokabeln abprüfen zu lassen – quasi als „Lern-Buddy“. Eben wie einen Taschenrechner: Wenn man weiß, wie man rechnet, aber Hilfe dabei braucht. Wenn man aber gar nichts selbst macht, bringt er auf lange Sicht nichts.

Ein weiteres Problem, das nicht vergessen werden sollte, ist, dass bildungspolitisch bislang nicht alle Schulen gleich gut ausgestattet sind. In manchen Schulen sind Computer im Klassenraum oder sogar WLAN noch Zukunftsmusik, während andere iPads, Smartboards, Glasfaser-Internet und Ähnliches haben. Aber auch nicht alle unterrichtenden Lehrer:innen sind fit für das Zeitalter der KI. Sie wissen nicht, wie sie diese sinnvoll für sich arbeiten lassen könnten.

Wenn in der „modernen Schule“ von Zukunft gesprochen wird, sollte auch bedacht werden: „Was nützt es, wenn nicht alle die gleichen Chancen haben, KI überhaupt zu nutzen – ohne dass sie einengt oder für Ungerechtigkeit sorgt?“

Dazu kommt: Wenn KI künftig einfache Routineaufgaben besser kann als wir, stellt sich irgendwann die Frage, was Schule überhaupt noch vermitteln soll. Einübung zum Auswendiglernen? Oder nicht eher Methodenkompetenz, eigenständiges Denken und Hinterfragen – Lösungen auch selbst zu finden?

Wahrscheinlich Letzteres. Genau das kann aktuell in den meisten Fällen nur der Mensch, nicht aber eine Maschine.

Also: Künstliche Intelligenz hat das Potenzial, den Schulalltag richtig zu erleichtern – sei es durch individuell angepasste Lernhilfen oder das schnellere Erstellen von Arbeitsmaterialien. Sie kann uns dabei helfen, Themen besser zu verstehen und in unserem eigenen Tempo zu lernen.

Trotzdem darf man nicht vergessen: KI ist nur ein Werkzeug. Wer sich komplett auf sie verlässt und Aufgaben einfach von der KI erledigen lässt, verpasst den wichtigsten Teil – das eigene Denken und Verstehen. Am Ende hilft uns keine Maschine weiter, wenn wir nicht selbst mitdenken.

Deshalb ist es wichtig, KI bewusst und ehrlich zu nutzen – um sie als Unterstützung und nicht als Abkürzung zu sehen. So können wir das Beste aus der Technik herausholen und gleichzeitig noch richtig etwas lernen.

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