„Wie viel Freiheit passt in einen rosa Elefanten?“ – Abschlussveranstaltung der Hannah Arendt Tage 2024

Ein Beitrag von Leon, Hannah und Luisa.

Bei der Abschlussveranstaltung der Hannah Arendt Tage am 26.10.2024, die im Xplanatarium des Schlosses Herrenhausen stattfand, wurde die Frage erörtert, wie bedroht unsere Freiheit in der heutigen Zeit ist. An der Podiumsdiskussion nahmen die Vizepräsidentin des Bundestages, Katrin Göring-Eckardt, der Heisenberg-Professor Prof. Dr. Roland Pfister, die Juristin Prof. Dr. Dr. Frauke Rostalski und Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay teil. Moderiert wurde die Veranstaltung von Stephanie Rohde.

Der Vormittag begann mit einer kurzen Anmoderation von Stephanie Rohde, in der sie die Veranstaltung einleitete und die folgenden Poetry Slams von zwei Schülerinnen der IGS Roderbruch ankündigte. Diden Zeylan sprach über die Befreiung von Vorurteilen und den Erwartungen anderer, die nur akzeptieren, was ihren eigenen Vorstellungen entspricht. Emilia Gritskos Beitrag thematisierte die Vorurteile gegenüber der Generation Z, die sich jedoch intensiv mit Themen auseinandersetzt, die ältere Generationen kaum im Blick haben. Anschließend folgte eine Begrüßungsrede von Katja Ebeling von der Volkswagen Stiftung, die das Wort an Stephanie Rohde übergab, um die Podiumsdiskussion einzuleiten.

Diese begann mit der Frage des Tages: „Wie bedroht ist unsere Freiheit aktuell?“, die an Katrin Göring-Eckardt gerichtet war. Die Vizepräsidentin führte aus, dass viele Menschen ihre Freiheit als bedroht sehen, und nannte dazu ein Beispiel aus ihrem eigenen Leben. Eine 80-jährige Frau, die jahrelang jeden Montag für ihre Freiheit demonstrierte, fragte sich, ob sie überhaupt noch frei sei, jetzt wo die Kraft zum Demonstrieren fehle.

An Oberbürgermeister Belit Onay wurde die Frage gestellt: „Opfern wir die Freiheit der heutigen Generation für die der kommenden?“ Er verneinte dies und erklärte auf Nachfrage, ob nicht die Freiheit der Hannoveraner eingeschränkt würde, indem die Innenstadt autofrei gestaltet werde, dass Klimaschutz „wahnsinnig unsexy“ sei, da er „kein Schnitzel, kein Autofahren mehr“ bedeute.

Darüber hinaus ging es um die angeblich eingeschränkte Meinungsfreiheit. Thomas Gottschalk wird oft zitiert, er dürfe heutzutage „nichts mehr sagen“. Onay erwiderte, dass man noch alles sagen dürfe, nur ernte man möglicherweise nicht den gewünschten Applaus.

Prof. Dr. Roland Pfister unternahm einen kleinen Exkurs in die Psychologie und erklärte anhand eines Experiments mit dem Publikum, dass Gebote für den Menschen deutlich besser verständlich sind als Verbote. Er forderte die Zuhörer*innen auf, nicht an einen rosa Elefanten zu denken, und verdeutlichte so, dass positive Formulierungen wirksamer sind als negative.

Im Verlauf der Diskussion kamen die Teilnehmer auch auf die Frage, wie die Debattenkultur stärker in die Gesellschaft integriert werden könnte. Eine Lösung könnten „Trainings“ in Schulen sein, da wir laut Prof. Dr. Dr. Frauke Rostalski „eine gewisse Resilienz“ bräuchten, die auch in Schulen gefördert werden könne.

Gegen Ende der Debatte stellte Prof. Dr. Dr. Frauke Rostalski klar, dass es aus rechtlicher Sicht sowohl schlechte Verbote als auch schlechte Gebote gebe. Sie erläuterte zudem, dass sogenanntes „Nudging“ (subtile Hinweise, um Menschen zu bestimmten Verhaltensweisen zu bewegen) oft nicht funktioniere, da sich Individuen nicht verantwortlich fühlen, wenn ihnen nicht explizit eine Aufgabe zugeteilt wird.

Bevor das Publikum Fragen stellen durfte, führte Katrin Göring-Eckardt noch ein letztes kleines Experiment durch: Sie bat das Publikum, die Arme wie gewohnt vor der Brust zu verschränken und dann die andere Hand nach oben zu legen. Damit demonstrierte sie, wie schwer es uns fällt, sich umzugewöhnen – ein Beispiel, das sich auch auf politische Themen übertragen lässt.

Als es schließlich Zeit für Fragen aus dem Publikum war, fragte unser Kurs, wie die steigende Inflation die Freiheit der Schüler*innen, etwa in Bezug auf Lehrmittel, einschränkt. Katrin Göring-Eckardt antwortete, dass Lehrmittel natürlich frei und für alle zugänglich sein müssten, räumte jedoch ein, dass durch solche Maßnahmen eine völlige Chancengleichheit nicht erreichbar sei, da einige Jugendliche mehr Unterstützung von zu Hause erhielten als andere. Auch die Einführung einer „Superreichen-Steuer“ wurde thematisiert.

Zusammenfassend war diese Podiumsdiskussion eine wunderbare und höchst interessante Abschlussveranstaltung der Hannah-Arendt-Tage 2024. Wir bedanken uns bei allen Beteiligten und natürlich unseren Lehrkräften Melanie List und Joanna Endres dafür, dass sie uns die Teilnahme an den Veranstaltungen ermöglicht haben.

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