Viola von Cramon-Taubadel, seit 2009 Bundestagsabgeordnete für Bündnis 90/Die Grünen, begann ihre politische Laufbahn 2001. Sie engagierte sich zuerst in lokalen Räten und übernahm bald führende Rollen in verschiedenen politischen Arbeitsgruppen, besonders in den Bereichen Verbraucherschutz und Landwirtschaft. Im Bundestag setzt sie sich als Sprecherin für EU-Außenbeziehungen und Sportpolitik ein. Als vierfache Mutter verknüpft sie Familienleben mit politischem Engagement und tritt für mehr Mütter in der Politik ein, um deren Repräsentation zu stärken.
Saphira und Sumeja sprachen mit Frau Cramon über die Europawahlen, die für alle EU-Bürgerinnen und Bürger die einzige Möglichkeit bieten, ihre Vertreter direkt ins Europäische Parlament zu wählen. Diese Wahlen sind ausschlaggebend dafür, die politische Zukunft der EU mitzubestimmen und Europas Interessen weltweit zu vertreten.
Saphira und Sumeja: Liebe Frau Cramon, was sind die Europawahlen allgemein?
Bei den Europawahlen haben alle Bürger:innen der Europäischen Union die Möglichkeit, ihre Vertreter:innen im Europäischen Parlament zu wählen. Das Europäische Parlament ist das einzige, direkt gewählte Organ der Europäischen Union. Diese Wahlen bieten die Chance, die Zukunft Europas mitzugestalten und die politische Richtung der gesamten EU zu beeinflussen. Für eine starke europäische Demokratie braucht es aktive und kompetente Abgeordnete im Europaparlament, die nicht nationale Interessen nach vorn stellen, sondern die sich bei ihrem Handeln an europäischen Interessen orientieren.
Wie würde sich eine erfolgreiche Wahl der Grünen bei den Europawahlen auf mich und meinen Alltag auswirken?
Europäische Grüne haben vor allem die nächste Generation, die Zukunft der EU und die Jugend im Blick. Europäische Grüne Politik streitet für eine starke und sichere Erweiterung der EU bei der Menschenrechte, Freiheit, Demokratie und Wohlstand an erster Stelle steht. Dies wird sich auch in dem Leben von Schüler:innen in ganz Europa durch neue Möglichkeiten für Austausche, Reisen und Arbeit zeigen.
Eine erfolgreiche Wahl der Grünen bei den Europawahlen bedeutet auch, dass sich die Grünen Abgeordneten weiter für nachhaltige und ökologische Politik einsetzen können. Dazu gehört Politik, die darauf abzielt, den Klimawandel zu bekämpfen, die Luft- und Wasserqualität zu verbessern und den Erhalt der natürlichen Ressourcen zu sichern. Das heißt, dass wir erneuerbare Energien so auszubauen, dass es günstige Strompreise für uns Verbraucher:innen und für die Industrie gibt. Wir möchten in umweltfreundliche Verkehrsmittel investieren und nachhaltige Landwirtschaft unterstützen, die Böden und Grundwasser schont.
Welche Maßnahmen schlagen Sie vor, um die wirtschaftliche Entwicklung Europas zu fördern?
Um die wirtschaftliche Entwicklung Europas zu fördern, schlagen wir eine innovative und nachhaltige Wirtschaftspolitik vor. Dazu gehören Investitionen in grüne Technologien, Wissenschaft & Forschung, damit vor allem Arbeitsplätze entstehen, die mit deutlich weniger Ressourcen nachhaltige Produktion und nachhaltigen Konsum ermöglichen. Wir brauchen eine Kreislaufwirtschaft, die auf Wiederverwertung im großen Stile setzt und die auch eine globale Gerechtigkeit für die Menschen weltweit im Blick hat. Konkret erfordert dies eine andere Perspektive an die erste Stelle zu setzen, die prüft, wie Ideen sich global auf Klima und Umwelt auswirken könnten, und welche langfristigen Folgen auch in die nächsten Generationen hereinreichen.
Welche Strategien schlagen Sie vor, um Umweltverschmutzung zu reduzieren?
Um Umweltverschmutzung zu reduzieren, setzen wir auf eine Reihe von Strategien. Dazu gehören auf großer Ebene strengere Umweltauflagen für Industrie und Verkehr, Förderung von Recycling und Kreislaufwirtschaft, sowie Investitionen in saubere Energiequellen. Auf individueller Ebene müssen wir aber auch Maßnahmen ergreifen, zum Beispiel durch Förderung von Reparaturen um die Umweltbelastung durch Müll zu verringern und unsere natürlichen Lebensgrundlagen schützen.
Wie möchten Sie junge Wähler*innen dazu ermutigen, sich für Umweltfragen zu interessieren und sich an den anstehenden Wahlen zu beteiligen?
Ich bin der festen Überzeugung, dass sich junge Wähler:innen in der Regel sehr für Umweltfragen interessieren, weil es ihre unmittelbare Zukunft betrifft, was mit diesem Planeten langfristig passiert. Daher liegt für uns der Fokus nun darauf, die Motivation für die anstehenden Wahlen zu erhöhen. Der erste Schritt ist es Jugendlichen zu zeigen, dass sie eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft spielen und ihnen immer wieder zu zeigen, dass sie mit ihrer Stimme positive Veränderungen herbeiführen können. Gerade weil dieses Jahr die Jugendliche ab 16 wählen können, bin ich im Vorfeld der Wahl noch mehr in Schulen unterwegs. Hier erkläre ich, wie nah die Politik in der EU eigentlich ist, wie sehr die EU auch das Leben von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen beeinflusst und wie gerade junge Wähler:innen noch lange mit den Entscheidungen des Parlaments leben werden.
Wie stehen Sie zu den Vorhaben, mithilfe von Postern und Regenbogenflaggen, Hannover in eine queeren-freundlichere Stadt umzuwandeln.
Die Grünen stehen für Vielfalt und Toleranz und setzen sich für eine inklusive Gesellschaft ein. Jeder Regenbogen setzt ein Zeichen und hilft hoffentlich allen, sich sicherer zu fühlen. Natürlich wird es mehr Maßnehmen brauchen um Städte queer-freundlicher zu gestalten, daher hoffe ich, dass Hannover noch weitere und umfangreichere Pläne aufsetzt – aber auch plakative Arbeit ist wichtig. Solche öffentlichen Maßnahmen können dazu beitragen, eine offene und tolerante Gesellschaft, also eine bunte und grünere Gesellschaft zu fördern.
Welche Rolle sehen Sie für die EU bei der Förderung erneuerbarer Energien?
Die Förderung erneuerbarer Energien ist eine zentrale Aufgabe für uns Grüne und das gilt auch in der EU. Wir setzen uns dafür ein, den Ausbau von Wind-, Solar- und Wasserkraft voranzutreiben und den Einsatz von fossilen Energieträgern zu reduzieren. Das ist auf der EU-Ebene leider nicht immer einfach, da hier nicht nur politische, sondern auch viele nationale Interessen zusammenstoßen. Die EU sollte durch Investitionen, Förderprogramme und gemeinsame Standards eine führende Rolle einnehmen, die die Energiewende in ganz Europa beschleunigt – daran können wir hoffentlich in der nächsten Wahlperiode auch stark weiterarbeiten.
Welche Herausforderungen sehen Sie bei der Umsetzung Ihrer umweltpolitischen Ziele und wie planen Sie, diese anzugehen?
Es gibt auf EU-Ebene verschiedene Herausforderungen. Dazu gehören politische Widerstände, wirtschaftliche Interessen und technische Barrieren. Ganz wichtig ist immer auf Dialoge und Zusammenarbeit zu setzen, um breite Unterstützung für gemeinsame Vorhaben zu gewinnen. Letztendlich ist es unser aller Ziel, eine lebenswerte Zukunft für kommende Generationen zu sichern. Wenn wir uns daran immer wieder erinnern, und auch unser Gegenüber immer wieder hierzu zurückführen, denke ich, dass wir alle an einem Strang ziehen können.
