Lea über Machtverhältnisse

Lea formuliert in ihrem Poetry Slam Kritik an gesellschaftlichen Machtverhältnissen und an alltäglichen Formen von Sexismus. Sie zeigt, dass Sicherheit und Freiheit nicht für alle Menschen in gleichem Maß gelten und dass Frauen auch heute mit Strukturen konfrontiert sind, die sie einschränken und entwerten.

Deutschland ist ein sicheres Land
Sicher für jung und Alt
Für junge und alte Männer
Junge weiße Männer
Heterosexuelle, aber vorallem deutsche Männer

Deutschland ist ein unsicheres Land
Für Menschen wie mich

Ja, ich bin blond, weiß und manchmal auch blauäugig
Ich bin erfolgreich, engagiert und dickköpfig
Aber vor allem bin ich eine Frau

Ein Mann kann all diese Dinge sein und erst danach ist er ein Mann
Aber als Frau ist deine erste Eigenschaft dein Geschlecht

„Aber Frauen können doch zur Schule gehen, ihr könnt machen was ihr wollt, ihr habt
doch alle Chancen“

Vielleicht laut dem Grundgesetz, aber es geht um weit mehr als solche Nuancen
Es geht um ein patriarchalisches Machtgefälle, welches hier noch existiert
Mann will es nicht mehr hören, denn es wird überall kritisiert

Jede Woche angestarrt und angefasst werden
Keine einmalige Situation
Aber wir sind ja jung und hübsch, das wird unser ganzes Leben lang passieren
Wahrscheinlich reden wir eh nur so wegen unserer Menstruation

Überhaupt ist unsere Intention nebensächlich
Jede unserer Taten dürfen alle kritisieren

Es ist nicht die Obdachlose die uns Angst macht und noch weniger ein Ausländer
Nicht vor der Herkunft haben Frauen Angst
Sondern immer nur vor dem Mann

Für Männer und Frauen herrscht ein anderes Vokabular
Ein Mann tut etwas: es ist strategisch
Eine Frau tut das gleiche: es ist kalkuliert

Männer reagieren
Frauen überreagieren

Männer existieren bloß
Frauen provozieren

In jeder Situation wird man seziert und analysiert
Frauen können nicht einfach leben, es gibt immer etwas was falsch ist

Und hat man es doch geschafft, sich auf dieses Podest katapultiert
Ist die einzige Erklärung dafür, dass man an der Hand eines Mannes die Treppe
hochgestolpert ist

Es ist also kein Wunder
Geben lieber keinen Zunder

Warum also nicht verstecken
Zurück zur Tradwife um nicht anzuecken

Besser ist wir bleiben zu Hause
Kümmern uns um den Haushalt
Machen ein Traumhaus aus einer Laube
Die kann der Mann präsentieren mit Einfalt

Danach bekommen wir Kinder
Denn wir sind ja nichts ohne Unterleib

Bei allem anderen bringen wir es nicht weit
Unsere Präsenz, sie wird vermindert

Natürlich können wir zu Hause bleiben
Unser Leben einem Mann verschreiben

Aber wir müssen die Entscheidungsfreiheit bewahren
Auch woanders hinzufahren

Beides darf ästhetisch sein, solange das andere noch existiert
Nur an Sexismus ist nichts ästhetisch

Es geht nicht um ein Männer gegen Frauen
Es geht um Unterdrückung gegen Mensch sein

Dabei helfen können Männer, wenn sie sich nur trauen
Vielleicht können es auch nur die Männer, denn, dass eine Frau so etwas bewirkt, kann ja
nur unwahrscheinlich sein

Es wird nach starken Männern in der Politik verlangt
Es gibt nicht so etwas wie einen Girl Boss
Es gibt nur einen Boss

Und es geht hier nicht darum jeden Mann zu shaden
Nein es geht nur ausnahmsweise mal um uns Frauen

Und wenn wir euch als Frauen so auf den Geist gehen, dann behandelt uns doch einfach
auch wie Männer

Denn dann bräuchten wir keinen Retter
Es tut euch doch nicht weh

Wenn ihr wollt dass wir keine Angst vor euch haben, dann behandelt uns wie einen
Mensch

Und wenn du besoffen Frauen in der Bahn anstarrst, dann bist du Teil des Problems
Aber schön, dass du erkannt hast, dass du das tust

Mit etwas Hoffnung und Wagemut
Meine ich zu behaupten, hörest du damit auf
Tust du den Frauen gut

Wagen wir uns weiter und beginnen ein Gedanken-Experiment
Mann höre gut zu und Wehe, dass du am Ende flennst:

Du bist eine andere Art, die das Bewusstsein der Menschen besitzt
Von dir gibt es eine Abwandlung, die hat sich Macht erkämpft

Du wirst belächelt und schwach dargestellt
Unterdrückt und dir wird nachgestellt

Du weißt du bist genauso viel Wert
Sags nicht zu laut sonst trifft dich die Schneide des Schwerts

Und deshalb lebst du in Angst Tag für Tag
Kannst den anderen nicht vertrauen außer im Schlaf

Also frage ich ist es wirklich so verwunderlich
Wir sind seit 1950 nicht mehr zögerlich

Jeder Täter sollte in einem Masochat wieder geboren sein
Hätte ich ein Wunsch frei, dann würde es dieser Sein

„So langsam muss doch mal gut sein!“
Aber das ist es noch lange nicht

Erst wenn Mann was dafür tut, nicht nur sie und ich

Wenn wir als Gemeinschaft friedlich leben wollen, dann bitte ich, fangt an zu respektieren
Die Freiheit und den Frieden von anderen

Anstatt vor dem Sexismus zu kapitulieren

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