Ein Beitrag von Hannah Weber
In der Woche vom 02.06.2024 bis 07.06.2024 reisten wir, Lenni (15) und Hannah (14) aus der 9/4, als Teil des Jugendparlaments Hannover nach Caen in der Normandie (Frankreich). Der Anlass dieser Bildungsreise waren die Feierlichkeiten zum 80. Jahrestag des D-Day sowie der Besuch des Conseil Régional des Jeunes (CRJ). Wir nahmen an einer Reihe von Veranstaltungen und Workshops teil, die den Zweiten Weltkrieg, die Bedeutung von Freiheit und die deutsch-französische Freundschaft thematisierten.
Was ist das Jugendparlament (JuPa) überhaupt?
Das Jugendparlament ist, wie der Name schon sagt, ein Parlament aus jungen Menschen zwischen 12 und 21 Jahren. Ihre Stimme(n) in politischen Prozessen gibt ihnen die Möglichkeit, sich aktiv an der Gestaltung ihrer Gemeinschaft zu beteiligen. Es wird aber auch über Ideen und aktuelle Themen diskutiert, die wichtig für die Stadt und ihre Bewohner:innen sind. Um auch wirklich etwas zu verändern, ist der Austausch mit Politiker:innen und dem Stadtrat Hannover sehr wichtig. Ziel des JuPa‘s ist es, eine größere und spürbare Jugendbeteiligung in der Stadt Hannover zu schaffen. —> mehr und wie du mitmachen kannst auf jugendparlament-hannover.de und Instagram/TikTok: @jupa_hannover
Und was ist der D-Day?
Der D-Day fand am 6. Juni 1944, während des Zweiten Weltkriegs statt. An diesem Tag landeten US-amerikanische, britische und kanadische Soldaten, mit mehr als 7.000 Schiffen und über 11.0000 Flugzeugen, an mehreren Stränden in der Normandie, um die deutsche Besatzung Westeuropas zu beenden. Bekannt war diese Invasion unter dem Namen Operation Overlord. Es war die größte Invasion in der Geschichte mit etwa 156.000 Alliierten und markierte den Beginn des Endes des Krieges in Europa. Bei der Befreiung der Normandie starben über 100.000 Soldaten und Kinder.
Unsere Reise begann am Sonntag, 02.06.24. Wir fuhren wir mit dem ICE von Hannover nach Karlsruhe und von dort aus nach Paris. Hier hatten wir ein wenig Zeit, um uns in der Stadt umzuschauen bspw. in der Galerie Lafayette. Im Anschluss ging es weiter nach Caen, wo wir von Mitgliedern des CRJ herzlich empfangen wurden. Der ersten Abend ging mit vielen guten (englischen) Gesprächen und Kennlernspielen zu Ende. Trotz des anstrengenden Anreisetages war es ein toller und entspannter erster Abend.
Am Montag startete der Tag mit einem entspannten Frühstück, bevor wir im Anschluss das Memorial von Caen besuchten, wo wir eine Führung erhielten. Das Memorial ist ein sehr tiefsinniges Museum über den Zweiten Weltkrieg, darunter auch den Holocaust und die Landung der Alliierten am D-Day. Danach fuhren wir zum Ohama Beach. Hier bekamen wir ebenfalls eine kleine Führung mit Besichtigung der Soldatengräber. Nach sehr viel Input, konnten wir uns noch schnell im Meer abkühlen.
Zurück in der Unterkunft, hatte der CRJ einen „französischen“ Abend organisiert. Wir spielten verschiedene Spielen, bei denen wir uns noch besser kennenlernen- und einen Einblick in das Jugendparlament der Normandie erhalten konnten. Bereits in dieser kurzen Zeit hatten wir eine Menge erlebt und freuten uns total auf die nächsten Tage.
Der Dienstag begann, nach dem Frühstück, mit einem Treffen des Staatssekretärs des Niedersächsischen Ministeriums für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung sowie mit dem Vizeregionspräsidenten der Normandie. Mit der Unterstützung von Dolmetschern diskutierten wir über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen dem Jugendparlament Hannover und dem Conseil Régional des Jeunes. Ein zentrales Thema war dabei auch die Beteiligung Jugendlicher in der Politik und wie man diese noch mehr fördern kann.
Als Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft und der Verbindung zwischen Niedersachsen und der Normandie, pflanzten wir gemeinsam einen Baum.Hiernach diskutierten wir noch über die Bedeutung der Freiheit, warum sie verteidigt werden muss und weshalb es sich lohnt, dafür zu kämpfen. Im Anschluss fuhren wir zur Verleihung des Preises der Freiheit, bei der die Teilnehmer ebenfalls über diese Themen sprachen.
Nach dem Abendessen fand der „deutsche“ Abend statt, bei dem wir ebenfalls einige Spiele spielten und ein kleines Quiz vorbereitet wurde, bei dem auch alle eine Menge Spaß hatten.
Am Mittwoch frühstückten wir gemeinsamen mit den amerikanischen Teilnehmern. Denn neben den politischen und historischen Aktivitäten gab es auch Raum für kulturellen Austausch und natürlich Freizeit. Nach dem Frühstück gab es eine Wanderung durch die Natur bis zum Strand sowie eine Führung durch die beeindruckende Kirche Le Mont-Saint-Michel.
Mit einem Workshop zum Thema Menschenrechte, bei dem die 17 Nachhaltigkeitsziele und Artikel der Vereinten Nationen von 1948 besprochen wurden, startete der Donnerstag. Zu Beginn spielten wir ein Spiel, bei dem wir 30 Rechte pantomimisch oder per Zeichnung darstellen mussten und erraten sollten, welches gemeint ist.
Danach diskutieren wir, ob es möglich ist, bestimmte Rechte über andere zu stellen. Gemeinsam kamen wir zu dem Schluss, dass dies nicht möglich ist, da alle Menschenrechte gleichermaßen wichtig sind. Anschließend überlegten wir, welche Rechte für uns persönlich am wichtigsten sind und wählten vier Rechte aus, die unserer Meinung nach weltweit von größter Bedeutung sind.
Nach der Mittagspause erhielten wir nochmals eine interessante Führung durch die Stadt, wo wir noch mehr über die historische und kulturelle Bedeutung der Stadt erfahren konnten, insbesondere weil Caen auch eine große Bedeutung am D-Day spielte. Die Woche endete am Freitag mit einer Abschluss- und Feedbackrunde, in der wir unsere Eindrücke und Erfahrungen austauschten und anfingen unser Treffen im nächsten Jahr zu planen. Begleitet wurde dies von einem gemeinsamen Käseessen, welches die deutsch-französische Woche kulinarisch abrundete.
Wir haben viel gelernt. Obwohl wir bereits einiges aus dem Unterricht und unserem Vorwissen kannten, war es dennoch spannend, alles aus einer neuen Perspektive zu betrachten und diese Themen noch einmal vertieft zu erkunden. Wir kehrten alle mit vielen neuen Eindrücken und Freundschaften nach Hause zurück und freuen uns schon auf die kommende Zeit. Diese Woche in Caen war nicht nur eine Reise in die Vergangenheit, sondern auch ein Schritt in eine gemeinsame, engagierte Zukunft.
