Erklär mir den erweiterten Kunstbegriff!

Joseph Beuys „Jeder Mensch ist ein Künstler“. 

Mit seiner Aussage wandelte Beuys das Zitat von Novalis: „Jeder Mensch kann ein Künstler sein“ von der reinen Möglichkeit in eine Ist-Form um und schafft so eine Bewusstheit für die eigene schöpferische Kraft, welche im individuellen Denken begründet liegt.

„Damit sage ich nichts über die Qualität. Ich sage nur etwas über die prinzipielle Möglichkeit, die in jedem Menschen vorliegt. Das Schöpferische erkläre ich als das Künstlerische, und das ist mein Kunstbegriff.“ Joseph Beuys erfasst in seinem erweiterten Kunstbegriff keinen rein theoretischen Ansatz, sondern eine Grundformel des Seins. Seiner Vorstellung nach, ist jeder Mensch zur Kreativität fähig, denn jeder Mensch besitzt eigene schöpferische, kreative und die Welt zum Guten verändernde Fähigkeiten.

Im Kunstkurs der Klasse 11 beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit der Kunst von Beuys, dem erweiterten Kunstbegriff und der sozialen Plastik.

Der erweiterte Kunstbegriff

Der erweiterte Kunstbegriff ist ein zentraler Begriff aus der Kunsttheorie und Sozialphilosophie von Joseph Beuys. Mit diesem Begriff versuchte Beuys, das Denken, das Erkennen und die Diskussion darüber, was Kunst sei, zu erweitern. Ausgehend von dem Gedanken, dass jeder Mensch ein Künstler sei und somit Kunst hervorbringen könne, fasste Beuys unter diesen Begriff insbesondere die Kreativität der Menschen, die im Zusammenwirken eine die Welt und die Gesellschaft verändernde „soziale Kunst“ in der Form einer Sozialen Plastik hervorbringen könne. Durch seinen „erweiterten Kunstbegriff“ ist die Trennung von Kunst und Gesellschaft aufgehoben. Denken, Kunst sowie gesellschaftliche und politische Diskurse seien als Einheit zu verstehen, wobei Kunst und Leben einander durchdringen – auch das ein radikal neuer Gedanke in der Kunstwelt der 1960er- und 1970er-Jahre. Kunstobjekte oder Ausstellungsorte wollte Beuys entzaubern und ihren elitären Charakter nehmen.

Soziale Plastik

Die Erweiterung des Kunstbegriffs führt dann zur „Sozialen Plastik“. Eine soziale Plastik ist jederzeit formbar, sie erstarrt nur, wenn das Denken aufhört – wenn man gedanklich leblos wird. Beuys fordert die Kreativität und aktive Teilnahme aller Menschen, um die soziale Gemeinschaft zu transformieren und zu verbessern. Er versteht eine Plastik nicht als etwas Materielles, sondern als etwas Universelles, für ihn zählt das menschliche Denken an sich als Plastik. Im Gegensatz zur formellen Kunst beschäftigt sich die Soziale Plastik nicht nur mit physischem Material, sondern mit einem Wandlungsprozess der sozialen Welt. Laut Joseph Beuys müsse ein Umdenken und der damit einhergehende gesellschaftliche Heilungsprozess erst durch Irritation eingeleitet werden. Dies bezeichnet Beuys als den „Wärmecharakter“. Das heißt, wie die Bienen in einem Bienenstock für und miteinander arbeiten, soll jeder Mensch auch für den anderen arbeiten und nicht nur für sich allein. Für Beuys war der Mensch befähigt, die Gesellschaft durch kreative Schaffensprozesse in Form der Sozialen Plastik zu mehr Menschlichkeit und Kreativität positiv zu verändern.

Kunst = Mensch = Kreativität = Freiheit = Denken = Plastik. 

igsroschuelerzeitung

Schülerblog der IGS Roderbruch

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s