Wenn ein Kind Krebs hat.

Am 14. Februar ist Valentinstag. Das wissen alle. Am 15. Februar ist Kinderkrebstag. Das weiß keiner.

Das Kind mit dem Krebs bin ich. Ich bin 12 Jahre alt und wurde im November 2019 krank.

Wie ich das rausgefunden habe, ist eine „lustige“ Geschichte. Ich war in der Schule und hatte AWT (ARBEIT WIRTSCHAFT TECHNIK) und wir haben aufgeräumt und dann wollte die Lehrerin den Besen aufhängen und hat mich versehentlich damit am Hals getroffen. Sie hat sich sehr oft entschuldigt – aber zum Glück ist DAS passiert. Mein Hals ist angeschwollen und ich bin zum Hausarzt gegangen, die Ärztin hat sich die Schwellung angesehen und meinte, ich soll sofort ins Krankenhaus!

Also ging ich ins Krankenhaus und die Ärzte haben sich meinen Hals angeguckt und fragten tausende Male, wie das denn passiert sei und ich antwortete immer wieder, dass da ein Besen draufgefallen wäre.

Es wurden 100 Untersuchungen durchgeführt und dann, als ich in einer Untersuchung war, hat ein Arzt meine Mutter gefragt, wie er denn mit mir reden solle. Meine Mutter antwortete mit: „Ganz offen!“ Also gingen wir in ein Zimmer und der Arzt hat mir gesagt, dass ich Krebs habe. Ab dem Moment habe ich gar nicht mehr zugehört und mir kamen sofort die Tränen. Ich war das folgende Wochenende zuhause und am Montag musste ich wieder ins Krankenhaus; am Dienstag wurde mir eine Probe entnommen und als die Ergebnisse vorlagen, wurde nochmal bestätigt, dass ich Krebs habe. Es wurde mir ein Port gelegt und wir konnten mit der Chemotherapie starten. Ein Port besteht aus einer kleinen Kammer mit einem Schlauch, der in eine herznahe Vene mündet. Über eine Spezialnadel erhält man Medikamente direkt in den Port. So muss nicht jedes Mal neu in eine Vene gestochen werden. Auch Blutentnahmen sind darüber möglich.

Am Anfang war alles gut, aber dann fielen meine Haare aus. Meine Haare waren wirklich überall, egal wo ich war, es waren überall nur Haare. Also meinte ich zu meiner Mutter, dass sie mir die Haare abrasieren soll, damit nicht überall Haare liegen. Dann sind wir nach dem Krankenhaus nach Hause gefahren und haben meine Haare abrasiert. Ich habe mich nach Perücken umgeguckt und habe auch passende gefunden. Die Chemotherapie ging immer weiter – ich hatte dabei gute Tage, aber auch schlechte Tage. Ich glaube, das ist normal. Als ich Pause hatte zwischen den Chemotherapien und nicht im Krankenhaus war, galt die Regel morgens, mittags und abends Fieber zu messen und wenn ich über 38 Grad Fieber hatte, musste ich sofort ins Krankenhaus für drei Tage.

Ich hatte im Krankenhaus immer wieder neue Zimmernachbarn und habe ein Mädchen in meinem Alter kennengelernt. Wir haben uns ausgefragt und gegenseitig geholfen, wenn wir etwas hatten. Wir waren immer füreinander da, weil wir ja genau wussten, wie die andere sich fühlt. Wir haben auch unsere Nummern ausgetauscht und uns oft getroffen.

Als die ersten Chemotherapien fertig waren, musste ich eine stärkere Chemotherapie bekommen und die war echt hart! In drei Tagen habe ich 11 Chemos erhalten und dazu noch 10 Liter Wasser. Ich hatte natürlich auch Nachwirkungen, wie starke Knochenschmerzen oder starke Übelkeit. Das war nicht so cool, wenn man nachts aufwacht und dann starke Knochenschmerzen bekommt. Aber die ganze Zeit durch hat mich meine beste Freundin unterstützt und ich bin ihr sehr sehr dankbar – sie war immer für mich da und hat mich auch oft besucht. Natürlich war auch meine wunderbare Klasse für mich da und die tollen Lehrer*innen: ich bin ihnen allen sehr dankbar, dass sie immer für mich da sind und waren.

Nach 4 Monaten hab ich dann die wunderschöne Nachricht bekommen, dass die Chemos angeschlagen haben und ich erstmal frei bin! Ich hab mich sehr gefreut und jetzt muss ich alle 4 Monate zur Kontrolle ins Krankenhaus.

Wenn ich 5 Jahre keinen Rückfall habe, bin ich geheilt und das bleibt dann hoffentlich so.

Das war meine Geschichte 🙂

(Unsere junge Erzählerin möchte ihren Namen nicht im Internet lesen und bleibt so ohne Nennung des Vor- oder Nachnamens. Wir kennen jedoch ihre Geschichte und die Stationen der Heilung).

igsroschuelerzeitung

Schülerblog der IGS Roderbruch

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