Lehrerinterviews

Leidenschaftlicher Kitesurfer und Handwerker – Das Interview mit unserem Didaktischen Leiter, Dr. Björn Rohloff

Ein Interview von Sadaf und Natascha

Könntest du dich kurz vorstellen?

Gerne, mein Name ist Björn Rohloff und ich bin Didaktischer Leiter hier an der IGS Roderbruch.

Was wolltest du als Kind werden?

Weiß ich gar nicht mehr so genau, also Lehrer wollte ich nicht werden. Ich glaube, ich wollte Sportler werden.

Welches Ereignis aus deiner Kindheit oder Jugend hat dich am meisten geprägt?

Da gibt es viel, also was mich sehr geprägt hat, war mein Sport muss ich sagen. Das kann ich nicht an einzigen Ereignissen festmachen, aber ich habe sehr viel Leichtathletik gemacht, und auch an Wettkämpfen teilgenommen, habe über diese Wettkämpfe und dieses Training ganz viel für mich als Person gelernt und diese haben mich auch im positiven Sinne sehr geprägt. 

Wie kam es dazu, dass du Lehrer geworden bist?

Das hat mir mal jemand empfohlen, ich stand kurz vor der Berufswahl und da sagten meine Freunde und Bekannte zu mir „Uns ist aufgefallen, dass du gut Inhalte vermitteln kannst, werde doch Lehrer!“, dann habe ich das in Erwägung gezogen und dachte mir „Ja, warum eigentlich nicht?“ das kam sonst nie für mich infrage und daran hätte ich nie gedacht, denn ich wollte eigentlich Medizin studieren. Ich war auch im Krankenhaus, habe da mein Zivildienst gemacht, weil ich schon in die Richtung gedacht hatte, und dann sagte jemand „Mensch, du kannst gut Inhalte vermitteln, du kannst Sachen sehr einfach und plausibel erklären, werde doch Lehrer!“ das war in meiner Jugendgruppe, und dem bin ich dann nachgegangen und es hat tatsächlich geklappt. 

Du bist didaktischer Leiter, was bedeutet das, welche Aufgaben liegen in deinem Verantwortungsbereich und wie lange bist du schon Teil der Schulleitung?



Ich bin jetzt seit 8 Jahren Teil der Schulleitung und in meinem Aufgabenbereich liegt alles um das Thema Unterricht. Also ich bin zuständig für die pädagogische Konzeption der Schule, verantworte alles im Themenbereich Unterricht und Lernen. Konkret bedeutet das, dass ich mir darüber Gedanken mache, wie man bestimmte Dinge und Konzepte in der Schule umsetzen, wie man vernünftig differenzieren und wie man die Unterrichtsqualität verbessern kann. Also alles was mit Unterricht zu tun hat.

Was meinst du sind die Ursachen für die Demotivation und das Desinteresse der Schüler für die Schule bzw. die Ursachen für nur mäßigen Lernerfolg?

Also was das Interesse angeht, kann ich mir vorstellen, dass Schülerinnen und Schüler grundsätzlich andere Interessen haben als sie in der Schule bedient werden. Erstmal muss ich sagen, haben die Schüler bis Jahrgang sechs durchaus ein Interesse zu lernen und auch Freude daran zu lernen, dieses mangelnde Interesse zeigt sich eigentlich eher in den höheren Jahrgängen vor allem in den Jahrgängen 7 und 8. In 9 und 10 habe ich den Eindruck wandelt sich das Bild schon wieder, aber insgesamt habe ich den Eindruck, dass die Schule dennoch von den meisten Schülern als Pflichtveranstaltung erlebt wird und das hängt einfach damit zusammen, dass die Schule Dinge einfordert, die für die Schüler nicht dringend spaßbehaftet sind, würde ich sagen. Die Schüler müssen ja etwas machen, was eigentlich fernab dessen ist,  was sie möchten, denn sie möchten ja eigentlich sich mit Dingen beschäftigen, die sie interessieren und häufig ist es leider so, dass in der Schule Dinge angesprochen werden, die sie nur ein bisschen interessieren. 

Laut dem Institut für integrative Lerntherapie und Weiterbildung (IFLW) ist die Ursache für fehlende intrinsische Motivation der Bezug zum Lernstoff. Die Beziehung zum Unterrichtstoff fehlt und damit auch das Bedürfnis, sich mit diesem Lerninhalt auseinanderzusetzen. Meist liegt der Grund für die Demotivation auch darin, dass die Schüler noch nicht die Erfahrung gemacht haben, dass sich ihre Anstrengungen auszahlen. Oft müssen sie nach stundelangem Lernen Misserfolge hinnehmen, sodass sie immer wieder ihr Bemühen einstellen. https://www.iflw.de/blog/lerntherapie-lerntherapeut/keine-lust-was-tun-wenn-schueler-schlecht-motiviert-sind/  

Inwiefern hat sich der Fachkräftemangel im Bereich Bildung auf dich als Lehrkraft ausgewirkt?

Es kommt relativ häufig vor, dass man Vertretungsunterricht machen muss, das wäre eine Auswirkung des Lehrermangels, ganz konkret. Eine weitere Auswirkung wäre, dass teilweise die Schüler weniger Fachunterricht haben und folglich auch im Lernfortschritt nicht so weit sind wie sie sein könnten und sein sollten. Mit der Konsequenz, dass ich als Fachlehrer dann in meinen Fächern gegebenenfalls nachsteuern muss und Stoff aufarbeiten muss. Das sind durchaus Konsequenzen, die ich in meinem Alltag erlebe.

Laut Bildungsminister liegen die Gründe für den Lehrermangel hauptsächlich in der steigenden Geburtenrate, denn mit ihr wächst auch die Schülerzahl. Auch der Zuzug von tausenden Flüchtlingskindern, die natürlich auch einen Schulplatz benötigen, spielt eine Rolle. Von März bis Juni 2018 seien mehr als 36.000 Schüler mit geringen Deutschkenntnissen an die niedersächsischen Schulen gekommen. Aber auch die hohe Pensionierungsrate der Lehrkräfte trägt zum Lehrermangel bei. Die niedersächsische Landesregierung ergriff Maßnahmen und schrieb im vergangenen Herbst 1200 Lehrerstellen aus, welche ebenso für Quereinsteiger geöffnet wurden. 1070 Stellen wurden besetzt, 121 davon von Quereinsteigern. Zwar können die neu eingestellten Lehrer die in Pension gegangenen Kollegen abdecken, doch eine Lücke gebe es weiterhin.  https://www.weser-kurier.de/region/niedersachsen_artikel,-Lehrermangel-in-Niedersachsen-_arid,1465144.html

Welche Kritik würdest du gegenüber den vorgeschriebenen Kerncurricula des Niedersächsischen Kultusministeriums äußern?

Also meine Kritik wäre im Wesentlichen die Stofffülle, denn es ist häufig zu viel Stoff. Dem Stoff fehlt es teilweise an Exemplarität. Insgesamt würde ich sagen ist das, was zu vermitteln ist einfach zu viel und in der Zeit so nicht schaffbar. 

Was hältst du für sinnvoller: zwölf oder dreizehn Schuljahre?

Auf jeden Fall dreizehn. Also eine längere Schulzeit. Mehr Zeit bedeutet immer mehr Entwicklungszeit, mehr Ruhe und Zeit, sich auf diese Entwicklung einzulassen und sie zu bewältigen. Also das Ganze in 12 Jahren zu absolvieren ist eine furchtbare Hetze, das gönnt man keinem Menschen.

Eine Studie mit rund 5000 baden-württembergischen Abiturienten ergab, dass Schüler mit nur 12 Jahren Schule mehr über Erschöpfung, Druck und Überforderung klagen. Sie sagen auch häufiger, dass sie unter Bauch- und Kopfschmerzen leiden, schlecht schlafen und wenig Appetit haben. Allerdings zeigen zwei Forscherinnen des DIW und der Universität Bamberg auf, dass jene Schüler extrovertierter und unabhängiger sind.
http://m.spiegel.de/lebenundlernen/schule/abitur-nach-zwoelf-jahren-was-hat-g8-gebracht-a-1097395.html

Wie lautet deine Meinung zu Kleidungsvorschriften an Schulen?

Ich muss ganz ehrlich sagen, ich bin kein Freund von Schuluniformen. Es gibt einen winzigen Vorteil, denn was mich manchmal stört ist, dass Kinder so intensiv von der Bekleidungsindustrie frequentiert werden und dadurch auch innerhalb der Schülerschaft Konkurrenzsituationen entstehen, wodurch Schüler im Prinzip fast sogar einen Zwang erleben, bestimmte Klamotten tragen zu müssen, um sozial entsprechend angesagt zu sein. Würden Schüler alle dasselbe tragen, würde das sich nicht ergeben. Aber das ist nur ein ganz geringer Teil. Insgesamt finde ich wichtiger, dass Schülerinnen und Schüler sich individuell ausleben, ihren Stil und sich selbst finden und das auch über Kleidung ausdrücken. Deshalb bin ich kein Freund von Schuluniformen, auch wenn es ein durchaus sinnvolles Argument gibt, aber insgesamt brauch man das nicht.

Eine Studie von 1996 belegt, dass es in Kalifornien beispielsweise deutlich weniger gewalttätige Auseinandersetzungen unter Schülern oder Suspendierungen vom Unterricht gab, seitdem die Schuluniform dort eingeführt wurde.
https://rp-online.de/panorama/wissen/bildung/schuluniform-gutes-klima-in-giessen_aid-11216081

Kannst du uns ein paar interessante Fakten über dich verraten?

Ich liebe Wassersport. Ich kite, das ist meine Leidenschaft und es macht super viel Spaß. Was ich auch sehr gerne und nur privat mache ist, dass ich sehr gerne und viel baue. Jetzt habe ich vor kurzem für meine Tochter und meinen Sohn eine kleine Bühne mit schwarzem Glitzerteppich gebaut. Sowas mache ich unwahrscheinlich gerne, also handwerklich arbeiten, das liebe ich. Ansonsten höre ich sehr gerne klassische Musik und ich liebe Frankreich als Reiseort.

Wenn du einen Wunsch freihättest, welcher wäre es?

Ich würde mir eigentlich mehr Zeit für meine Familie wünschen.

Was inspiriert dich?

Mich inspirieren Gespräche sehr mit Menschen, die was vorzuweisen haben, also etwas Besonderes erlebt haben oder besondere Dinge können. Wenn ich mit diesen Menschen spreche ziehe ich daraus unwahrscheinlich viele Ideen und Impulse für mich und meine Arbeit hier.

Was möchtest du uns als Schülern auf den Lebensweg mitgeben?

Ich würde euch wünschen, dass es euch gelingt in eurem späteren Leben Zufriedenheit zu entwickeln. Das ist nicht ganz einfach, denn man muss lernen sich über das, was man hat zu freuen. Und wenn man diese Fähigkeit erreicht, kann man ein hohes Maß an Lebensqualität erreichen. Man muss ja davon ausgehen, dass man nicht alles im Leben haben wird und, dass Dinge auch mal blöd laufen. Viele Dinge werden gut laufen, andere aber nicht. Man muss später auch mal mit weniger auskommen und seine Grenzen erkennen. In dem trotzdem Zufriedenheit zu entwickeln, das würde ich euch wünschen.

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