Werther, eine Oper von Jules Massenet

Viktoria Sochor, ihres Zeichens Nachwuchsjournalistin und Rezensentin, war am 4. Juli in der Staatsoper Hannover und hat sich die Oper Werther angesehen. Was sie dazu sagt, lest ihr hier.

Die Oper „Werther“ von Massenet beruht auf Goethe´s Roman „Die Leiden des jungen Werther“. Zum ersten Mal wurde das Stück 1892 in der Wiener Hofoper aufgeführt. Die Handlung ist in vier Akte gegliedert und spielt in Wetzlar in den 1780er Jahren.

Ausgangspunkt ist das Haus des Amtsmanns. Mitten im Sommer üben seine Kinder mit ihm ein Weihnachtslied. Der einsame, verträumte Werther besucht die Familie und lädt die älteste Tochter Charlotte zum großen Ball in Wetzlar ein. Sie hat nach dem Tod ihrer Mutter die Verantwortung für ihre jüngeren Geschwister übernommen. Während die jüngere Schwester Sophie zu Hause bleibt, folgt Charlotte ihm. Inzwischen kehrt Charlottes Bräutigam Albert nach einer langen Reise zurück. Abends, als die beiden wieder zurückgekehrt sind, gesteht Werther ihr seine Liebe. Charlotte erwidert seine Gefühle, muss ihn aber zurückweisen, da sie ihrer Mutter am Sterbebett versprochen hatte, Albert zu heiraten. So geschieht es auch: Charlotte und Albert leben in glücklicher Ehe. Werther ist außer sich. Albert ahnt Werthers Leid, spricht mit ihm und bittet um Verständnis. Kurz darauf lädt Sophie Werther zu einem fröhlichen Tanzfest ein. Als Werther und Charlotte alleine sind, überhäuft er sie mit Liebeserklärungen. Sie ist hin und hergerissen und schickt ihn fort. Er soll an Weihnachten zurückkehren, damit beide ihre Lage überdenken können. Am Weihnachtstag liest Charlotte Werther´s Briefe, die sie keineswegs unberührt lassen. Sie erwartet ihn sehnsüchtig. Als er eintrifft, sprechen sie über die vergangene, gemeinsame Zeit. Werther erkennt, dass auch Charlotte ihn liebt und lässt seinen Gefühlen freien Lauf. Sie liegt bereits in seinen Armen, doch ihr Pflichtgefühl lenkt sie um. Sie will von Werther für immer Abschied nehmen. Werther möchte sich auf eine Reise machen und bittet Albert schriftlich um seine Pistolen. Charlotte ahnt nichts Gutes und eilt schnell zu ihm. Sie findet in stark verletzt auf und will Hilfe holen, doch er hindert sie daran. Er möchte seine letzten Minuten mit ihr alleine verbringen. Endlich offenbart Charlotte ihm ihre Gefühle und küsst ihn. Der erste Kuss muss der letzte sein. Während ihre Geschwister das im Sommer geprobte Weihnachtslied singen, stirbt Werther glücklich in Charlottes Armen.

Die Handlung ist leicht zu verstehen, obwohl sie auf Französisch ist. Die deutschen Übertitel bieten eine schnelle und aufschlussreiche Übersetzung. Insgesamt kann man der Handlung gut folgen, da sie nicht allzu komplex dargestellt ist und somit überschaubar bleibt. Zu Beginn eines Aktes wurde jeweils ein Zitat Goethe´s in weißer Lichtschrift eingeblendet, was sich im Publikum positiv äußerte. So hatte man die Möglichkeit zu erahnen, was als nächstes passieren würde. Die Kostüme waren passend auf die einzelnen Charakter abgestimmt. Genauso wie die Musik, die die Tragik nochmals unterstrichen hat und eindrucksvoll die Emotionen widerspiegelte. An Spannung verlor das Stück keine Sekunde. Verantwortlich dafür war das Bühnenbild. Eine Szene wurde jeweils in einem Kasten gespielt, der sich wie ein Karussell auf die andere Seite der Bühne gedreht hat. Auf diese Weise konnten die Zuschauer einen Blick in die nächste Szene erhaschen. Das Publikum blieb bis zum Ende gefesselt. Die Begeisterung des Publikums machte sich im Beifall deutlich bemerkbar.

Die Oper „Werther“ zeigt eine tragische Liebesgeschichte, die zwischen Pflichtbewusstsein und wahren Gefühlen schwebt. Zu empfehlen ist das Stück in erster Linie für Jugendliche und Erwachsene. Unterm Strich, für Jeden der momentan verliebt, schon glücklich vergeben ist oder noch auf die große Liebe wartet. Ein Liebesabenteuer auch für welche, die Gefallen am Mitfühlen und Einfühlen haben und gerne mal eine Träne verdrücken.

Einen Besuch ist es allemal wert, da die Liebesgeschichte zeitlos ist und ein immer noch aktuelles Thema in unserer Gesellschaft aufgreift, den Selbstmord. Ein Thema, welches teilweise noch tabuisiert wird und uns einen Denkanstoß an unsere gesellschaftlichen Werte gibt.

Das Stück arbeitet die Gefühle Werthers und Charlottes lebensecht heraus. Deshalb konnte ich mich  gut in ihre Situation hineinversetzen und das ist, was für mich ein gelungenes Stück ausmacht:

Es entführt mich aus der Realität.

von Viktoria Sochor

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